Jugendkultur in den Niederlanden


XI. Straattaal oder die Sprache der Straße

Genau wie Kleidung und Musik ist Sprache für Jugendliche eine Art, auszudrücken, wer sie sind und zu wem sie gehören wollen. Der Sprachwissenschaftler René Appel hat Ende der 1990er Jahre den Begriff straattaal eingeführt, um die eigene Sprache der Jugendlichen zu benennen, die sie untereinander entwickeln und verwenden. Während Eltern und Lehrer fürchten, dass straattaal das korrekte Niederländisch bedroht, weisen Sprachwissenschaftler gerade auf die Kreativität hin, die die Jugendlichen durch das Verändern des Niederländischen und die Aufnahme ausländischer Wörter an den Tag legen.

Hip Hop
Hip Hop - Kultur: Prägte die Sprache der Straße in hohem Maße, Quelle: orianomada/cc-by-nc-sa

Dies bekräftigt die Identität der eigenen Subkultur und verlangt aktive Kommunikation mit Freunden, um Sprachregeln und Wortschatz zu verinnerlichen. Die Verwendung von straattaal kommt vor allem in großen Städten vor, wo ausländische und einheimische Jugendliche mit Sprache experimentieren und verschiedene Gruppen ihre eigene Sprache schaffen. Durch das Umdrehen der Wortreihenfolge, absichtliche Verwendung falscher Artikel, Zuschreibung neuer Wortbedeutungen, Aufnahme von Ausdrücken und Wörtern aus dem Englischen, dem Surinamischen, Kapverdischen, Marokkanischen, Türkischen und amerikanischem Slang entwickeln Jugendliche eine eigene Umgangssprache. Es gibt nicht nur eine Jugendsprache. Die straattaal existiert nicht. Es gibt verschiedene Varianten, die sich je nach Stadt und Viertel unterscheiden. Diverse Straßenwörterbücher sind online zu finden, mit einem Alphabet von „a blub ya“ (dt. „halt die Klappe“) bis „zwinkels“ (dt. „geizig“). Herausgeber von Wörterbüchern und Sprachwissenschaftler sammeln diese Wörter und Ausdrücke und analysieren die Sprache, die die Jugendlichen auf der Straße entwickeln. Viele Jugendliche halten das für Unsinn, die straattaal gehört ihnen, und das muss so bleiben. In den letzten zwanzig Jahren stieß die straattaal der Jugendlichen auf breites Interesse. Jedoch sind schon seit dem Aufschwung der Jugendkultur in den 1960er Jahren Wörter der Jugendsprache in den täglichen Sprachgebrauch eingedrungen. „Mieters“ (dt. „klasse“) und „knalfuif“ (dt. „Spitzen-Fete“) ist Backfischsprache aus den 1950ern, „te gek“ (dt. „super“), „gaaf“ (dt. „abgefahren“) und „onwijs“ (dt. „irre“) stammen aus der Flowerpowerzeit. Jede Zeit bringt neue Wörter hervor. Vor allem die Hiphop-Kultur, die sich Anfang der 1980er Jahre unter jungen Surinamern und Antillianern auf der Straße, in Parkhäusern und U-Bahnhöfen entwickelte, förderte einen neuen Jargon – den Hiphop-Jargon oder Rap – zutage. Ein derber und direkter Sprachgebrauch, inspiriert durch schwarze Jugendliche aus den Slums der amerikanischen Städte, Raps, drehen sich um Missstände im täglichen Leben der Jugendlichen.

Autorinnen: Pauline Naber und Veerle Knippels
Übersetzerin: Susan Fittkau
Erstellt: Dezember 2011


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Bogt, Tom ter/Hibbel, Belinda (Hrsg.): Wilde Jaren. Een eeuw jeugdcultuur, Utrecht 2000.

Haan, Jos de/Hof, Christian van ’t (Hrsg.): Jaarboek ICT en Samenleving 2006. De digitale generatie, Amsterdam 2006.

Hermes, Joke/Naber, Pauline/Dieleman, Arjan (Hrsg.): Leefwerelden van Jongeren, Bussum 2007.

Naber, Pauline: Alledaags leven. Hangjongeren & Dugouts, in: Het alledaagse leven : tradities en trends in Nederland 27, Zwolle/Utrecht 2010.

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