Niederländischer Film


IX. Filme nach populären Fernsehserien

Was ist den USA schon länger ein Trend ist, wird auch in den Niederlanden immer populärer: einen Film auf Basis einer erfolgreichen Fernsehserie herauszubringen . Innerhalb und außerhalb der USA waren die TV-Serie Sex and the City und der in Folge produzierte gleichnamige Spielfilm ein Riesenhit. Das niederländische Äquivalent Gooische Vrouwen konnte ebenfalls – zumindest in den Niederlanden und Belgien – einen großen Erfolg verbuchen. Aber auch New Kids Turbo vereinte viele Besucher auf sich.

New Kids Turbo – Prollkult aus den Niederlanden

Getunte Autos, Bier, Goldkettchen, Schnauzbärte, Vokuhila-Frisuren und Badelatschen sind die Markenzeichen der Proletengang New Kids. Was auf den 1. Blick an Manta Manta, den deutschen Kultfilm von 1991 erinnert, entpuppt sich als der niederländische Blockbuster des Jahres 2010. Richard, Robbie, Rikkert, Barrie und Gerrie sind die „Helden“ in dieser Story um fünf arbeitslose Jugendliche, die das Nord-Brabantsche Dorf Maaskantje auf den Kopf stellen, als sie beschließen, keinen müden Euro mehr für ihren Konsum zu bezahlen. Sie lösen damit eine landesweite „Unterschichten-Revolte“ aus, die an anarchische Zustände grenzt. Das darf natürlich nicht ungestraft bleiben. Und so zieht der Ärger bis in die höchsten politischen Kreise.

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New Kids Turbo: Landesweite „Unterschichten-Revolte“. Quelle: Pressemappe Benelux Film Distributor 

Siegeszug im Internet

2007 startete das Proletenepos als New Kids mit kurzen Sketch-Clips im in Internet. Nach zwei Jahren begann die Produktionsgesellschaft Comedy Central, zunächst 25-minütige Episodenfilme ins Netz zu stellen, die mit Millionen Klicks einer immer größer werdenden, internationalen Fangemeinde belohnt wurden. Danach folgte eine ebenso viel gesehene gleichnamige Fernsehserie. Es lag nahe, mit den „Scheiße“ fluchenden, Schultenbräu saufenden und vom „Bumsen“ fantasierenden Kerlen in Produktion zu gehen und einen Kinofilm daraus zu machen. Regie führten Steffen Haars und Flip van der Kuil, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Als Robbie und Barrie gehören die 30-Jährigen zu den Nichtsnutzen, die mehr in der Hose haben, als im Hirn, aber doch schlau genug sind, um den Staat zu foppen.

Besucherrekorde

Bereits in der 2. Woche nach dem Start in den Niederlanden zählten die Kinobetreiber 400.000 Besucher, was mit einem „Plantinum Film Award“ für die Macher belohnt wurde. Auch die Deutschen eroberte der Film im Sturm. 203.000 Besucher am Osterwochenende 2011 bescherte dem Blockbuster Platz 1 in den deutschen Kinocharts und den größten Starterfolg eines niederländischen Films in Deutschland. Wie der Journalist Thomas Burmeister in einer Stern-Kritik (27. April 2011) anmerkt, liegt einer der Gründe hierfür in der Tatsache, dass der Film geschickt an Debatten um Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und deren Missbrauch anknüpfe, die den Diskussionen um Hartz IV durchaus ähnlich sähen. „Doch so gnadenlos ironisch wie die New Kids-Autoren, ist in Hartzland noch niemand mit der Problematik umgesprungen.“  Aber auch der Umstand, dass der Film von den Darstellern selbst für den deutschen Markt in „niederländisch-witzigem Deutsch” präsentiert wird, sorgte für Lacher in den hiesigen Kinos.

Gooische Vrouwen

Während New Kids Turbo Besucherrekorde verzeichnete, floppte Gooische Vrouwen in Deutschland. Nach nur einer Staffel (von insgesamt fünf) im Jahr 2007 wurde die vom ZDF unter dem dem phantasielosen Titel Feine Freundinnen ausgestrahlte Soap eingestellt. In Holland dagegen saßen bis 2009 cira 1,5 Millionen Besucher pro Folge vor dem Fernseher, um die Geschichten der upper-class-Ladies haarklein mitzuerleben.

Feine Freundinnen wurde von der auch in Deutschland bekannten Entertainerin Linda de Mol entwickelt und knüpft an US-amerikanische Erfolgsformate wie Sex and The City und Desperate Housewives an. 2011 feierte der gleichnamige Kinofilm in den Niederlanden Premiere. Nach 23 Tagen hatten bereits eine Million Besucher Gooische Vrouwen gesehen, womit der Film den Status einen „Diamantenen Films“ bekam.

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Sex and the City op z'n Nederlands: Gooische Vrouwen Lies Visschedijk, Linda de Mol, Tjitske Reidinga, Susan Visser. Quelle: Independent Films Press Release/Dinand van der Wal

Die Serie erzählt von den vier Freundinnen Cheryl, Willemijn, Claire und Anouk, die sich auf einer Nachbarschaftsparty von Martin und Cheryl (gespielt von Linda de Mol) in deren neuem Haus kennen lernen. Ort der Handlung ist der Nobel-Wohnort t`Gooi in der Nähe von Amsterdam.

Im Interview mit Welt Online (18. Juli 2007) sagte Linda de Mol, die selbst in dieser Gegend wohnt: „Die typische Gooische Frau ist sehr besorgt um ihr Aussehen, denn ihre größte Angst ist, dass sich ihr Angetrauter mit einem jüngeren Model vom Acker macht. Es scheint alles wunderbar und entspannt, aber das Gegenteil ist der Fall. Es herrschen Unsicherheit und Eifersucht, Neid und Missgunst.“

Das klingt nach Stoff für eine schöne Persiflage, doch für deutsche Verhältnisse schien der Plot wohl zu banal, zumal auch tatsächlich wenig passierte. Es gab zu wenig Identifikationspunkte, dafür zu viele Klischees und stereotype Rollenzeichnungen. Allein die Gefühlslage verwöhnter, gelangweilter Hausfrauen zu thematisieren, reichte in Deutschland offenbar nicht an das wahre Leben emanzipierter Frauen heran. Man muss dem Ganzen zugute halten, dass sich sicherlich – wie so oft bei nachsynchronisierten Filmen – auch die ein oder andere Pointe in der deutschen Übersetzung verlor.

Autorin: Cornelia Ganitta
Erstellt:
Oktober 2011


Links

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Weitere Informationen in unserem Dossier Kulturpolitik

Website des Films Gooische Vrouwen

YouTube: Teaser zum Film Gooische Vrouwen

YouTube: Teaser zum Film New Kids Turbo

Literatur

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