Niederländische Architektur


VI. Bekannte Namen aus der Architekturwelt

CCTV-Tower in Peking
CCTV-Tower in Peking: Entworfen von Rem Koolhaas, Quelle: Jim Gourley/cc-by-nc-nd

Die moderne niederländische Architektur beginnt bei Rem Koolhaas. Ihm verdankt man Gebäude wie die Bibliothek in Seattle, die niederländische Botschaft in Berlin oder den CCTV-Tower in Peking. Sein Office for Metropolitan Architecture (OMA) gilt als wichtigste Inspirationsquelle tonangebender Architekten. Fast alle namhaften Büros sind aus OMA hervorgegangen: MVRDV, Kees Christiaanse, DKV und Ben van Berkel. OMA, das 1979 gegründet wurde, galt als das Zentrum für innovative Architektur. In den 80er Jahren war es das angesagte Laboratorium für moderne Architektur. Junge Architekten aus der ganzen Welt versammeln sich in Rotterdam um Studien, Pläne und Ideen auszutauschen und zu erarbeiten.

Ben van Berkel gehört zur jungen Avantgarde. Er zählt zu den richtungweisenden Architekten, dessen Arbeiten internationale Fachzeitschriften beschäftigen. Bekannt geworden ist Van Berkel durch seinen Entwurf der Erasmusbrücke in Rotterdam. Die Verbindung zwischen Kop van Zuid und Innenstadt ist von großer symbolischer Bedeutung für die Hafenstadt. Ein Symbol, das Wirkung gezeigt hat. Die elegante Brücke in Form eines Schwans ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Van Berkel ist ein ausgezeichneter Designer. Seine ersten Arbeiten sind in Amersfoort zu sehen: Das Karbouw, der Güterbahnhof REMU und das Wohnhaus Wilbrink. Auch die Erweiterung des Rijksmuseums Twente in Enschede ist eines seiner bekannten Arbeiten. Van Berkel ist unter anderem bei dem Entwurf des neuen Arnheimer Bahnhofviertels beteiligt gewesen.

Von den vielen Architekten, die bei OMA gearbeitet haben, sticht Kees Christiaanse besonders hervor. Zusammen mit Dobbelaar, De Kavel und De Vroom (DKV) entwickelte er das Wohnbaugebiet rund um den IJplein im Norden von Amsterdam. Und es entstand ein neomodernes Wohnungsbauprojekt, nüchtern und wenig exzentrisch. Kees Christiaanse, von 1979 bis 1989 bei OMA aktiv, war Koolhaas' rechte Hand. Christiaanse ist vor allem im Wohnungsbau aktiv. Er realisierte unter anderem ein Einkaufszentrum in Prinsenland, ein Studentenhaus in Delft und Wohnungen auf Kop van Zuid in Rotterdam. Für die Rekonstruktion des Hamburger Hafengebietes wurde er ausgezeichnet. Christiaanse hat seine Büros in Rotterdam und Köln. Seit 1996 ist er Professor an der Technischen Universität in Berlin.

Jo Coenen hat ein ausgeprägtes Interesse am klassischen Städtebau. Coenens Werk ist sehr vielschichtig: Vom Wohnungsanbau bis zum Gebietsentwicklungsplan der KNSM-Inseln in Amsterdam. Zu seinen ersten Arbeiten gehören das Stadkantoor in Delft (1986), die Bibliothek in Heerlen (1986) und ein Restaurant in Almere. Die Gebäude sind geräumig, aber nicht modernistisch. Formen, Materialien und klassische Elemente wie Symmetrie sind dem Postmodernismus zuzuordnen. Coenen ist ein undogmatischer Architekt, der Lust auf Experimente hat. Das NAi in Rotterdam ist ein gutes Beispiel. Drei unterschiedliche Gebäude werden zu einem zusammengefasst: Ein lang gestrecktes Archiv (de Banaan), ein hohes Glasgebäude und ein rechteckiger Ausstellungsraum finden eine Einheit. Von 2000 bis 2004 war Jo Coenen Rijksbouwmeester. 1979 gründete er sein Büro in Eindhoven und ist heute in Maastricht angesiedelt.

Wozocos - MVRDV
Der Wozoco-Wohnkomplex der Architekten von MVRDV, Quelle: Rory Hyde/cc-by-sa

Einige junge Delfter Architekten waren besonders wichtig für den Erfolg des Modernismus in den Niederlanden: Die Büros Mecanoo, DKV und Atelier PRO setzten Maßstäbe. 1982 gewannen drei Studenten der TU Delft (Henk Döll, Francine Houben und Rolf Steenhuis) den Wettbewerb zum Bau des Kruisplein in Rotterdam. Es war der Start für die junge Avantgarde, aus der schnell das Büro Mecanoo hervorgehen sollte. Mecanoo steht seit dem Bau des Kruisplein für Qualität in der Architektur: Die Bibliothek der Universität Delft, das Openluchtmuseum in Arnheim oder das Montevideo in Rotterdam. Die Entwürfe Mecanoos basieren vor allem auf Studien zum Wohnungsbau, die an die „klassische“ Moderne wie Le Corbusier, Oud und Aalto erinnern. Eines der bekanntesten Gebäude von Mecanoo ist das Hillekop in Rotterdam-Zuid. Das fächerförmige Hochhaus verweist deutlich an den finnischen Architekten Alvar Aalto.

Das Architekturbüro MVRDV wurde 1991 durch drei ehemalige OMA- und Mecaano-Mitarbeiter gegründet: Winny Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries. Ihren ersten Namen machte sich das Trio mit dem Entwurf des VPRO-Gebäudes. Durch ihre erfrischende Naivität und das Durchbrechen von konventionellen Bauprinzipien wurde über das Gebäude in den 1990er Jahren sehr kontrovers diskutiert: Von Bewunderung bis totaler Ablehnung. In der Villa VPRO gleicht kein Raum dem nächsten. Das Gebäude vermittelt eine lockere Atmosphäre und das war einer der wichtigsten Ausgangspunkte für den Auftraggeber. Die Villa wurde kompakt gebaut: Ein Block mit fünf Etagen, eingegraben in einen Hügel. Die Arbeitsplätze sind unterschiedlich: Von transparenten Glaswänden bis hin zum Studiobunker. Ohne OMA seien die Villa VPRO oder das Minnaertgebäude nicht möglich gewesen, schreibt Joop Huisman in Vrij Nederland. Maas und Neuteling hätten sich bei Koolhaas warmlaufen können, um dann auf eigenen Beinen zu stehen. Der zweite Streich des Trios folgte mit den Wozocos und Wohnsilos in Amsterdam. Die sogenannten Wozocos, Wohn- und Pflegekomplex in Amsterdam-Osdorp (1994 bis 1997), erregten Aufsehen durch ihre elf Meter herausragenden Erker. Dahinter steckt ein praktischer Gedanke: Durch den Entwurf des Gebäudes konnten 100 anstatt 87 Wohnungen kreiert werden. Natürlich macht auch MVRDV viele Pläne, Vorschläge und Studien. Berüchtigt ist der Vorschlag „Pig City“, in dem sie nach einer technischen Lösung für die Schweinezucht suchten: Schweinezucht, Fleischdistribution und Gülleabfuhr sollten in einem Hochhaus realisiert werden. Nicht weniger Aufsehen erregte der Expo-Pavillon in Hannover. MVRDV entwarf ein Hochhaus, in dem Landschaften gestapelt wurden. Das Gebäude sollte zu dem Wahrzeichen der Expo 2000 werden.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Januar 2005


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Bouman, Ole: Niederlande – Architektur der Konsequenz. Niederländische Entwürfe für die Zukunft, Einleitender Essay zum Katalog der Ausstellung „Architecture of Consequence“, 2009. Onlineversion

Ibelings, Hans: Niederländische Architektur des 20. Jahrhunderts, München 1995.

Ibelings, Hans: Die gebaute Landschaft. Zeitgenössische Architektur, Landschaftsarchitektur und Stadtleben in den Niederlanden, München 2000.

Jodidio, Philip: Architectuur in Nederland, Hong-Kong/London 2006.

Links

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