X. Das Ende einer Ära

Frans Hogenberg: Bildersturm, 1566
Frans Hogenberg: Bildersturm, 1566
© Wikimedia Commons/gemeinfrei

Zu den Vorboten des Achtzigjährigen Krieges gehörte der Bildersturm, der 1566 die Kirchen in den burgundischen Niederlanden verwüstete. Der Säuberungsaktion, die auf Weisung reformatorischer Theologen durchgeführt wurde, fielen unzählige Altäre, Kirchenfenster und Heiligenbilder zum Opfer. Der Achtzigjährige Krieg führte zur Trennung der südlichen und nördlichen Niederlande. Von nun an gingen das katholisch geprägte Flandern und das calvinistisch ausgerichtete Holland politisch und gesellschaftlich getrennte Wege. Auch für die Kunst brach ein neues Zeitalter an. In Flandern widmete man sich der Gegenreformation, Peter Paul Rubens prägte die Kunst in den katholischen Ländern. In den Nördlichen Niederlanden entwickelten sich unter tätiger Mithilfe calvinistischer Immigranten neue Kunstgattungen, die eine immer stärkere Spezialisierung der Maler nach sich zogen. Rembrandt war der wichtigste Vertreter des neuen Kunststils, der stark auf die Bedürfnisse des städtischen Bürgertums ausgerichtet wurde.[1] In Deutschland stellte der Dreißigjährige Krieg die Kunstwelt vor neue Herausforderungen.[2] Ganze Landstriche wurden entvölkert, die wirtschaftlichen und sozialen Verheerungen entzogen der Kunst den Nährboden. Die alte Einheit, die den deutsch-niederländischen Kulturaustausch über Jahrhunderte hinweg bestimmt hatte, zerbrach. Es sollte Jahrzehnte dauern, bevor sich die Wege der deutschen, niederländischen und flämischen Künstler wieder ganz selbstverständlich kreuzen konnten.[3] Die niederländische Tafelmalerei trat derweil in ein neues, ein goldenes Zeitalter ein.


[1] Die Entwicklung der holländischen Malerei im 17. Jahrhundert hat Beatrix Zumbült in einem weiteren Dossier des NiederlandeNets, „Die Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts“, beschrieben.
[2] Zur Situation der deutschen Kunst im Dreißigjährigen Krieg vgl. Angelika Lorenz, Mahnung – Dekorum – Ereignis. Krieg als Gegenstand der Kunst im Reich, in: Horst Lademacher, Simon Groenveld (Hg.), Krieg und Kultur. Die Rezeption von Krieg und Frieden in der Niederländischen Republik und im Deutschen Reich 1568-1648, Münster 1998, 213-256.
[3] Die Entwicklung des deutsch-niederländischen Künstleraustausches im 17. Jahrhunderts ist noch wenig erforscht. Zur aktuellen Forschungslage vgl. Nils Büttner, Esther Meier (Hg.), Grenzüberschreitung. Deutsch-Niederländischer Kunst- und Künstleraustausch im 17. Jahrhundert, Marburg 2011.

Autorin: Mechthild Beilmann-Schöner
Erstellt: Mai 2012