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Wim Sonneveld

*Utrecht, 28. Juni 1917 - †Amsterdam, 8. März 1974 - Kabarettist

Wim Sonneveld
Wim Sonneveld im Jahr 1968, Quelle: NA (921-1400)

Als Ordensbruder Venantius bleibt er unvergessen. Dieser alberne Geistliche in schwarzer Kutte, der „singende Frater uit Schin-op-Geul“, der über Weisheiten der Schöpfung philosophierte und über das Klosterleben berichtete. Die Persiflage wurde zu einem Stück niederländischer Kabarettgeschichte, sie machte Wim, eigentlich Willem, Sonneveld für seine Nachwelt zu einer unsterblichen Legende. Das Lied „Zeg maar ja tegen ´t leven, anders zegt ´r ´t leven nog nee“ wurde zu einem riesigen Erfolg, gerade, weil er damit auch bei vielen Katholiken aneckte. Tausende Briefe hat Wim Sonneveld erhalten: Drohungen, Beleidigungen, Polemiken. „Dabei war es nie meine Absicht, mit Venantius zu schockieren.“


Wim Sonneveld ist einer der großen Nachkriegskabarettisten der Niederlande und gemeinsam mit Wim Kan und Toon Hermans bildete er die „großen Drei“ der Kleinkunstszene. „Ich war ein junges schauspielerisches Talent“, wird er später analysieren, „aber ich kleidete mich anders, ich sprach anders, ich bewegte mich anders. Und das war vielen suspekt. Toon Hermans und Wim Kan kannten diese Schwierigkeiten nicht. Bei denen spürte das Publikum sofort: Das ist einer von uns.“

Seine Homosexualität hat Wim Sonneveld Zeitlebens im Berufsleben stark beschäftigt – und öffentlich verdrängt. Er fühlte sich schon als Kind als Außenseiter „melancholisch, introvertiert, tief unglücklich“. Am liebsten flüchtete er in seine Phantasiewelt und begann Theater zu spielen. Als Kind gab er Theatervorstellungen in einer Scheune und sammelte so sehr frühe Publikumserfahrungen.

Trotz seiner frühen Gehversuche, stellte sich der Erfolg für Wim Sonneveld recht spät ein. Seinen Durchbruch hatte er erst mit Mitte 40. „Die Art meines Arbeitens passte nicht in die Zeit. Es ist noch nicht lange her, da konnten die Niederländer mit Sarkasmus und Ironie noch nicht so viel anfangen“, sagte Sonneveld 1970 in einem Interview mit dem Magazin Nieuwe Revue.

Auch gut 35 Jahre nach seinem Tod – Sonneveld starb 1974 mit 56 Jahren an einem zweiten Herzinfarkt – sind seine Arbeiten unvergessen. Er schuf ein zeitloses Repertoire, basierend auf einem soliden handwerklichen Fundament. Zu seiner Beerdigung im März 1974 kamen Tausende Menschen, die für ein hoffnungsloses Chaos auf dem katholischen Friedhof von Amsterdam sorgten. Jo Sonneveld: „Dass das Begräbnis so stark besucht werden würde, hatte niemand gedacht.“

Wim Sonneveld hat sich mit seiner sarkastischen und bitter-ironischen Art in die Herzen des niederländischen Publikums gespielt. Wim Kan wird später über ihn sagen: „Gastfreundlich, hilfsbereit, beherrschend, aufbauend, herzlich, hässlich, lästernd, rätselhaft. Ein Freund, der alles für einen tat, aber eine Bedingung stellte – ganz offen und ehrlich -, dass er über einen lästern durfte. Dies ist der Preis, den ich für unsere Freundschaft verlange, hat er mal zu mir gesagt. Ich habe diesen Preis gerne bezahlt. Es gibt auf dieser Welt für mehr Geld oft weniger.“

Willem Sonneveld wurde am 28. Juni 1917 in Utrecht geboren und hatte vier Geschwister. Er wurde protestantisch erzogen und er sollte später im Erwachsenenalter zur Katholischen Kirche übertreten, obwohl Wim schon seinerzeit seine Homosexualität – verdeckt – ausgelebt hatte und zwei Männerfreundschaften führte. Sein erster Liebhaber Huub Janssen schrieb 1987: „Er hatte eine enorme Scham. Er weigerte sich über das Thema großartig zu sprechen. Seine Homosexualität war für ihn Stimulanz, besser zu sein als andere: Siehst du wohl, ich kann trotzdem etwas Gutes leisten. Er war in diesen Dingen sehr konservativ.“ Mit Janssen führte er eine innige Beziehung und er war es auch, der Sonneveld vom katholischen Glauben überzeugte. Sonneveld ließ sich 1947 taufen. Der Kabarettist war von der konservativen Lehre und dem barocken, mystischen Glauben angezogen. 1974 schrieb er: „Jeder denkt, dass ich ein einfaches Leben führe, aber dem ist nicht so. Gut, ich bin noch glücklich, auch wenn ich das Gefühl habe, am Ende zu sein. Und dann wieder erschrecke ich, wie wenig ich aus meinem Leben gemacht habe. Wie gut, dass wir später alle mit Gott Zwiesprache halten können.“

Im gleichen Jahr 1947 lernte Sonneveld den Journalisten Friso Wiegersma kennen, mit dem er eine weitere Liebesbeziehung begann. Huub Janssen, der sich ausgebotet fühlen musste, blieb aber weiterhin mit ihm eng verbunden. Die drei Männer wohnten sogar für eine Zeit gemeinsam in Frankreich. Wiegersma: „Andere Männer hatten eine böse Schwiegermutter, ich hatte Huub.“ Zu seiner Beziehung mit Wim sagte er: „Der Mann, in den ich mich 1947 verliebte, ist 27 Jahre meine große Liebe geblieben. Wim gab meinem Leben Schwung.“

Die ersten richtigen schauspielerischen Erfahrungen machte Sonneveld 1936 in der Hollandse Schouwburg anlässlich des 20-jährigen Bestehens der römisch-katholischen Vereinigung „Hulp in de huishouding“.

Im September 1936 startete Sonneveld gemeinsam mit Huub Janssen das Kabarettensemble „De Rarekiek“. Hier leben sie das gesamte Repertoire der Kleinkunst aus: Sie machten Sketche, führten Monologe und machten Musik, Marionettentheater und sangen Chansons. Das Rarekiek war für Sonneveld ein wichtiger Wegbereiter für sein späteres Theater „De La Mar“, welches er mit Paul Kijzer und Piet Meerburg betrieb. Das Theater wurde dank der finanziellen Unterstützung von Amsterdamer Bürgern ein Erfolg. Das „De La Mar“ eröffnete am 23. Dezember 1952 mit der Premiere von „Het meisje met de grote voeten“.

In den 70er Jahren wird Sonneveld zu einer Ikone des niederländischen Kabaretts. Er hat enorme Erfolge beim TV-Sender KRO und seine Vorstellungen waren restlos ausverkauft. Nach seinem plötzlichen Tod erschienen gleich drei Biographien und es gab eine Sonderausstellung im Theatermuseum. 2001 verfasste Jos Brink ein Musical über Sonneveld, welches allerdings für eine Menge Ärger sorgte. Brink ändere u.a. Musikstücke ab und zog sich damit den Unmut der Familie zu. Das Musical wurde ziemlich schnell wieder abgesetzt.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: März 2009


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