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Annie Romein-Verschoor

*Hatert, 04. Februar 1895 - †Amsterdam, 5. Februar 1978 - Publizistin, Vorläuferin der Frauenrechtsbewegung

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Annie romein-Verschoor, Quelle: Gemeinfrei

Annie Romein-Verschoor (Anna Helena Margaretha Verschoor) war die Tochter des Marineoffiziers Jan Verschoor und seiner Frau Anna Helena Margaretha Brakke. Sie verbrachte ihre Jugend in den Niederlanden und in Niederländisch-Indien (Indonesien). Nach dem Schulabschluss studierte sie von 1914 bis 1921 in Leiden Niederländisch und Geschichte, u.a. bei dem Kulturhistoriker Johan Huizinga. In Leiden begegnete sie auch ihrem späteren Ehemann, dem Historiker Jan Romein. Beide teilten die Leidenschaft für gesellschaftlich-politisches Engagement und traten 1920 der Kommunistischen Partei bei. Nach dem vorübergehenden Ausschluss 1927 gehörten sie ihr noch einmal in den dreißiger Jahren an. Bis zum Zweiten Weltkrieg engagierte Annie sich politisch u.a. für die „Rote Hilfe“, in der antifaschistischen Spanienbewegung, im Bond van Kunstenaars ter Verdediging van de Kultuur und im Comité van Waakzaamheid gegen den Nationalsozialismus.

Nach einem Zwischenspiel in Rotterdam ließ sich die Familie, die im Lauf der Zeit drei Kinder bekam, Anfang der 1920er Jahre in Amsterdam nieder. Annie war von früher Jugend an schriftstellerisch tätig gewesen und hatte in Leiden regelmäßig Beiträge für die Studentenzeitschrift „Minerva“ verfasst. Ab 1926 rezensierte sie für das „Algemeen Handelsblad“ niederländische und skandinavische Literatur. 1935 promovierte sie in Leiden über die Romane niederländischer Schriftstellerinnen nach 1880 (Verlagsausgabe 1936 unter dem Titel „Vrouwenspiegel“). Sie vertrat in der Arbeit eine Form von Literatursoziologie, die sich auf die gesellschaftliche Bedeutung der in der Literatur behandelten Themen konzentrierte ― ein Konzept, das ihr die Anerkennung fortschrittlicher Literaten einbrachte, aber nicht unumstritten war.

In den zwanziger und dreißiger Jahren arbeitete Annie Romein-Verschoor wissenschaftlich auch mit ihrem Mann Jan zusammen. Die beiden veröffentlichten die vielfach nachgedruckten und auch finanziell erfolgreichen Werke „De Lage Landen bij de Zee“ (1934), eine populäre illustrierte Geschichte der Niederlande, und „Erflaters van onze beschaving“ (1938-1940), eine Sammlung biographischer Essays über Persönlichkeiten der niederländischen Geschichte. Während des Krieges in der Illegalität begann sie die Arbeit an einer 1948 erschienenen Romanbiographie des frühneuzeitlichen Rechtsgelehrten Hugo Grotius.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Annie als Journalistin, Essayistin und Schriftstellerin zu einer Vielzahl von Themen aus den Bereichen Politik, Geschichte und Literatur. Durch ihr nonkonformistisches Leben und ihre Texte, die von scharfen Werturteilen gekennzeichnet waren, repräsentierte sie in den Niederlanden der Nachkriegszeit einen neuen Typ von Frau: selbständig, politisch und gesellschaftlich engagiert, nicht auf die Hausfrauenrolle beschränkt. Zugleich war ihr bewusst, dass die Stärkung der gesellschaftlichen Position der Frau das Ergebnis eines historischen Prozesses sein musste und nicht über Nacht zu erreichen war. Auch nach dem Tod ihres Mannes Jan 1962 blieb sie aktiv und hielt Vorträge, schrieb Aufsätze und gab Interviews. Ihre 1970-71 veröffentlichten, mit dem Constantijn Huygens-Preis für Literatur ausgezeichneten Memoiren „Omzien in verwondering“ unterstrichen die Bedeutung ihres Wirkens im linksintellektuellen Milieu der Zwischenkriegszeit und der ersten Nachkriegsjahrzehnte. Die Frauenbewegung der 1970er Jahre erkannte in ihr eine wichtige Vorläuferin und würdigte ihre Werke neu. 1978 starb sie im Alter von 83 Jahren in Amsterdam.

Autor: Christoph Strupp
Erstellt: Mai 2007


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Beliën, H.M. (Hrsg.): Vijftig jaar Erflaters: Een terugblik op De Erflaters van onze beschaving van Jan en Annie Romein, Rotterdam 1990.

Brandenburg, Angenies Maria: Annie Romein-Verschoor 1895-1978, 2 Bde., Amsterdam 1988.

Brenninkmeijer, M. / Hopmans, C. / Merx, B.: Annie Romein-Verschoor. Bibliografie 1910-1985. Boeken, vertalingen, artikelen, besprekingen, Amsterdam 1990.

Tollebeek, Jo: De Hollandse radicaliteit van Annie Romein-Verschoor (1895-1978), in: Ons erfdeel 34 (1991), S. 665-673.

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