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Rita Reys

*Rotterdam, 21. Dezember 1924 - † Breukelen, 28. Juli 2013 - Jazzsängerin

Rita Reys
Rita Reys, bei einem Autritt im Concertgebouw in Amsterdam 2009, Quelle: Jurjendonkers/cc-by-sa

Sie war die bekannteste Jazzsängerin der Niederlande und galt als „Europe’s First Lady of Jazz“. Maria Everdina Reys stand mehr als 70 Jahre lang auf der Bühne, nahm dutzende Alben auf und gewann unzählige nationale sowie internationale Preise. Wenige Wochen vor ihrem Tod stand sie Anfang Juli noch im ausverkauften North Sea Jazz Club in Amsterdam auf der Bühne.

Rita Reys wurde am 21. Dezember 1924 in Rotterdam in eine musikalische Familie hineingeboren: der Vater war Violinist, die Mutter Tänzerin. Schon als Jugendliche stellte auch Reys ihr Gesangstalent unter Beweis und nahm an vielen Gesangswettbewerben in Rotterdam teil, die sie nach und nach alle gewann. Mit 15 Jahren hatte sie Auftritte mit The Hawaiian Minstrels, später sang sie im Orchester von Johnny Jansen, für das auch ihr Vater spielte.

Im Jahr 1943 ging Reys nach Hilversum und trat dort regelmäßig in einer Kneipe auf, die ihr späterer Ehemann Wessel Ilcken, ein Jazz-Schlagzeuger, immer öfter besuchte, nur um sie singen zu hören. Am 2. November 1945 heirateten die beiden und durch Ilcken kam Reys mit dem Jazz in Kontakt. 1950 gründeten sie das Rita Reys Sextet, mit dem sie auch im Ausland Erfolge feierten. 1953 gingen Reys und Ilken nach Stockholm, dem Zentrum des Jazz zu jener Zeit. Dort entstanden auch die ersten Plattenaufnahmen. Als Reys schwanger wurde, kehrte das Paar in die Niederlande zurück, wo am 18. April 1954 Tochter Leila geboren wurde. Mit den ersten niederländischen Plattenaufnahmen ein Jahr später und vor allem mit ihrer Interpretation des Jazz-Standards A Funny Valentine gelang Reys schließlich auch der Durchbruch in ihrer Heimat.

Neben dem großen Erfolg – es folgten Tourneen und Plattenaufnahmen in den Vereinigten Staaten – musste Reys jedoch auch den Verlust ihres Mannes verkraften, der 1957 an einer Hirnblutung verstarb, kurz nachdem sie von ihrer zweiten Reise nach Amerika zurückgekehrt war. Da Reys nun allein für ihre Tochter sorgen musste, stürzte sie sich schnell wieder in die Arbeit und absolvierte Konzerte in Deutschland und Frankreich, wo sie unter anderem mit Lester Young zusammenarbeitete. Am 30. September 1960 heiratete Reys ihren Pianisten Pim Jacobs und gemeinsam mit dem Kontrabassisten Ruud Jacobs und dem Gitarristen Wim Overgaauw gewannen sie im selben Jahr das Internationale Jazzfestival in Juan Les Pins in Frankreich, was Reys den Titel „Europe’s First Lady of Jazz“ einbrachte.

Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und Arrangeur Rogier van Otterloo bescherte ihr in den 70er Jahren eine Goldene Schallplatte sowie den Edison Award, den wichtigsten niederländischen Musikpreis, bevor sie sich wieder dem klassischen Jazzrepertoire zuwandte. Im Laufe ihrer Karriere erhielt sie neben vielen anderen Auszeichnungen insgesamt sechs Edisons, darunter einen für ihr Lebenswerk, und einen Bird Award des renommierten niederländischen North Sea Jazz Festivals.

In den 80er Jahren erkrankte Rita Reys an Brustkrebs. Sie konnte die Krankheit jedoch bezwingen und trat nach wochenlanger medizinischer Behandlung im ausverkauften Concertgebouw in Amsterdam auf. Später sagte sie in einem Interviews mit der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant, dass dieses Konzert ein Neustart für sie gewesen sei, mit dem sie den „Mist“ hinter sich lassen wollte. Die Kritiker waren voll des Lobes und das Konzert wurde auf Schallplatte und CD veröffentlicht. Bis ins hohe Alter war Rita Reys als Sängerin aktiv, unternahm regelmäßig Ausflüge in andere Musikstile und setzte ihre Karriere auch nach dem Tod ihres zweiten Mannes fort, der 1996 an Krebs verstarb.

Wenige Wochen vor ihrem Tod stand sie Anfang Juli noch im ausverkauften North Sea Jazz Club in Amsterdam auf der Bühne, nachdem sie sich kurz zuvor einer Hüftoperation unterzogen hatte. Viele weitere Auftritte standen noch auf dem Programm und Rita Reys dachte noch lange nicht ans Aufhören. „Warum soll ich nicht singen, wenn ich noch immer so gefragt bin?“, so die Sängerin, die sich oft als „Glückskind“ bezeichnete, Anfang Juli in einem Interview. Sie finde es noch immer herrlich auf der Bühne zu stehen und könne es genießen. Die Auftritte hielten sie jung und in Bewegung, sagte Reys auch in ihrem letzten Interview gegenüber de Volkskrant eine Woche vor ihrer Hirnblutung, an deren Folgen sie schließlich verstarb.

Autorin: Marie Wolf-Eichbaum
Erstellt: August 2013


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