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Robert Long

* Utrecht, 22. Oktober 1943 - † Antwerpen, 13. Dezember 2006 - Sänger, Schriftsteller, Komponist, Kabarettist, Fernsehmoderator, Schauspieler

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Robert Long im Jahr 1979, Quelle: TROS/cc-by-sa

Jan Gerrit Bob Arend Leverman, besser bekannt als Robert Long wurde 1943 in Utrecht geboren und verbrachte seine Kindheit in Ederveen, einem Dorf in der Provinz Gelderland, im ‚Bijbelbelt’ (dt. Bibelgürtel) der Niederlande. Die Erfahrungen mit der engstirnigen, scheinheiligen Welt des orthodoxen Dorfes seiner Kindheit bestimmten Zeit seines Lebens das Verhältnis zu Kirche und Gesellschaft und wurden prägend für sein künstlerisches Werk. Schon früh bekannte er sich zu seiner Homosexualität, ein Stein des Anstoßes in dieser Zeit.
 
Seine Musikkarriere begann, als er mit 20 Jahren 1963 unter dem Künstlernamen Bob Revvel die Band The Yelping Jackals gründete. 1967 wurde er Mitglied der Utrechter Popgruppe Unit Gloria, mit der er seine ersten Erfolge hatte. Inzwischen nannte er sich Robert Long, in Anlehnung an seine Körpergröße von 1,92 Meter. Seine Solokarriere startete er 1971 zunächst noch mit englischen Liedtexten. Gegen den Willen seiner Plattengesellschaft sang er ab 1973 seine Lieder auf Niederländisch und der überwältigende Erfolg seines ersten Soloalbums Vroeger of Later das 500.000 tausendmal verkauft wurde, gab ihm Recht.
 
Schon dieses erste Album ließ deutlich werden, welche Themen sein Werk in der Folge bestimmen sollten. Robert Long schrieb sozialkritische Lieder, die sich gegen Kirche und Gesellschaft richteten. Er prangerte Missstände an, rührte an zahllosen Tabus, wandte sich gegen verkrustete Traditionen und ‚schopte tegen heilige huisjes’ (dt. etwa ‚schlachtete heilige Kühe‘). Das alles wurde zu seinem Markenzeichen. In den Niederlanden erschien nach 1974 etwa alle drei Jahre ein weiteres Album. 1979 erschien sein erstes Album unter dem Titel Über kurz oder lang in deutscher Sprache. Seine Lieder wurden von Michael Kunze kongenial ins Deutsche übersetzt und waren ebenso erfolgreich wie in den Niederlanden.

Parallel zu seiner musikalischen Laufbahn spielte er seit 1974 Theater. Drei Theaterstücke, in denen er mit Leen Jongewaard auftrat, bescherten ihm wütende Proteste protestantisch orthodoxer Gruppen wie zum Beispiel der Partei SGP und der Rundfunkanstalt EO. In diesen Theaterstücken wandte er sich gegen die gutbürgerliche Gesellschaft und vor allem auch gegen die starren Moralvorstellungen der Calvinisten. 1985 erschien eine Zusammenstellung der Höhepunkte seiner Theaterauftritte unter dem Titel 10 Jaar Theater, an der viele bekannte Künstler und Künstlerinnen mitgewirkt hatten. Zusammen mit Dimitri Frenkel Frank schrieb er das Musical Tsjechov, das 1987 zuerst auf CD erschien und 1989 im deutschen Heilbronn uraufgeführt wurde. Danach verfasste er weitere Theaterstücke – Nu (dt. Jetzt), Meer dan ooit (dt. Mehr als je zuvor), Het lang genoeg jong concert (dt. Lange genug jung) und Brand (dt. Entflammt) – die sehr erfolgreich waren.
 
Gleichzeitig moderierte Long für die Sendeanstalt TROS im Fernsehen das Programm Mijn geheim (dt. Mein Geheimnis) und wechselte später zur Rundfunkanstalt VARA, die in Zusammenarbeit mit dem belgischen TV-Sender BRT die Sendung 10 voor Taal (dt. Sprache: Note 10) produzierte; eine Spielshow, in der Kandidaten aus den Niederlanden und Belgien ihre Sprachkenntnisse unter Beweis stellen mussten. Es folgten Fantastico (dt. Fantastisch) und mit Het verhaal van een taal (dt. Die Geschichte einer Sprache) eine Sendung über den Ursprung der niederländischen Sprache. Long schrieb das Drehbuch zum Fernsehfilm Respect, der das Thema Homosexualität behandelt und auf dem Niederländischen Filmfestival in Utrecht aufgeführt wurde.

Seine schriftstellerische Tätigkeit beschränkte sich nicht nur auf das Verfassen von Theaterstücken oder Liedertexten. Seit 1986 schrieb Robert Long wöchentliche Kolumnen für das Algemeen Dagblad. Eine Auswahl erschien 1990 als Buch Vandaag geen nieuws (dt. Heute nichts Neues). Zuvor war 1987 das Buch Jij wou mij totaal (dt. Du willst mich ganz) mit seinen Liedertexten veröffentlicht worden und 1988 sein erster Roman Wat wil je nou (dt. Was willst du eigentlich) erschienen. Sein zweiter Roman Hete klippen (dt. Heiße Klippen) folgte 1991. Dann wurde 1998 sein Briefwechsel mit Cees van der Pluijm, mit dem er sein zweites Buch verfasst hatte, unter dem Titel Beste Robert, waarde Cees (dt. Lieber Robert, teurer Cees) herausgegeben. 2008 erschien posthum der zweite Teil des Briefwechsels Het laatste jaar. De brieven uit 2006 (dt. Das letzte Jahr. Briefe aus 2006).

Robert Long erhielt viele Preise und Ehrungen darunter goldene Schallplatten und Platinplatten, dazu sechs Edisons, eine Silberne Harfe, eine Goldene Harfe, eine Goldene Palme, den (flämischen) Marnixring und den Visser Neerlandiaprijs (für sein Gesamtwerk).

Im September 2005, während der Proben zu seiner neuen CD und Theatershow `N duivels genoegen (dt. Teufliches Vergnügen) erlitt Robert Long einen Herzinfarkt und wurde ins Universitätsklinikum in Amsterdam eingeliefert. Er erholte sich wieder und heiratete Ende 2005 seinen langjährigen Lebensgefährten Kristof Rutsaert. Im Dezember 2006 diagnostizierten die Ärzte bei ihm Bauchfellkrebs im Endstadium. Er diktierte am 10. Dezember seine letzte Kolumne Laatste column (dt. Letzte Kolumne), die am 19. Dezember erschien.

Robert Long verstarb am 13. Dezember 2006 in Antwerpen. Er wurde in Den Haag beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht, so wie er es sich gewünscht hatte, der letzte Satz aus seinem Lied Grafschrift (dt. Grabspruch): „Iemand, in elk geval één, heeft er van ´m gehouden.“ (dt. „Einer zumindest war hier, der ihn wirklich geliebt hat.“)

Liedtext „Grafschrift“

Und wenn ich mal sterb’,
Kommt es mir nicht drauf an,
ob man mir folgt mit Gebet und Gesang
und ob auf meinem Grab irgendwann auch noch ein Stein steht.

Doch meinst du, ein Stein wäre schön
Und drauf müsst’ was wichtiges stehn,
Wähl einen Spruch, der mehr tief ist als klar,
so was wie: Alles was Traum ist, ist wahr
oder: dass ich immer heimatlos war.

Und wenn mein Tod dich betrübt hat:
Schreib auf den Stein über mir
Einer zumindest war hier, der ihn wirklich geliebt hat.

Autorin: Ingrid Wohland
Erstellt: September 2012


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