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Ger Lataster

* 16. Februar 1920 in Schaesberg, Landgraaf, † 19. März 2012 in Amsterdam - Expressionistischer Maler

Ger Lataster
Ger Lataster (rechts) im Jahr 1969, Quelle: NA (922-0058)

Gerard Lataster gehörte zu den bekanntesten und erfolgreichsten zeitgenössischen Künstlern der Niederlande. Er gehörte zu den Künstlern die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Landschaftsmalerei in den Niederlanden reformierten. Der Sohn eines Limburger Bergmanns zählte mit seinem individuellen Stil zu den „Amsterdamer Limburgern“, zu denen auch Pieter Defesche, Jef Diederen und Lei Molin gehörten.

Bereits Ende der dreißiger Jahre besuchte Lataster die Maastrichter Kunsthochschule. Hier kam er das erste Mal mit den französischen Künstlern der klassischen Moderne in Berührung – den sogenannten  „Fauves“. Der junge Künstler Lataster war vor allem vom französischen Maler Henri Matisse fasziniert, der den Fauvismus nachhaltig geprägt hat. Bei seinen ersten Werken war der Einfluss von Matisse noch deutlich sichtbar. Auch andere Künstlergrößen wie Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Pablo Picasso prägten die Malerei des jungen niederländischen Künstlers nachhaltig. In den vierziger Jahren begann Lataster ein Studium an der Reichsakademie für Bildende Künste in Amsterdam. Dort musste er sein Studium zu Beginn des Zweiten Weltkrieges unterbrechen.

Der niederländische Maler Ger Lataster wird im Allgemeinen zu den abstrakten Expressionisten gezählt. Auf dem Höhepunkt dieser Strömung in den fünfziger und sechziger Jahren wurde der Künstler national international immer bekannter und so lebte er abwechselnd in der Kunst- und Modemetropole Paris sowie in der in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam. 1952 hat er seine erste Ausstellung in der Galerie Le Canard in Amsterdam. Entdeckt wurde Lataster kurze Zeit später vom ehemalige Direktor des Stedelijk Museum (dt. Städtisches Museum) in Amsterdam, Willem Sandberg, der von dem jungen Künstler begeistert war und seine Werke in die bahnbrechende Ausstellungen neuer niederländischer Kunst aufnahm. Lataster bekam von nun an die Chance an großen Kunstaustellungen wie der Documenta II  in Kassel (1959) oder der Vitaliteit van de kunst (dt. Vitalität der Kunst) in Venedig (1960), teilzunehmen. Später wurden Latasters Werke in Einzelausstellungen im Stedelijk Museum in Amsterdam, Van Abbemuseum in Eindhoven, Maastrichter Bonnefantenmuseum, Dordrechter Museum, im Singermuseum in Naarden und auch im Guggenheim Museum in New York präsentiert.

Im Jahr 1963 war Lataster zusammen mit Mari Andriessen, Nic Jonk, Theo Mulder und Wessel Couzijn Mitbegründer der alternativen (Kunst-)Academie ’63 in Haarlem – heute „de Ateliers“, Amsterdam. Diese Einrichtung sollte junge Künstler mit Hilfe von erfahrenen Kollegen unterstützen.

Die größte Aufmerksamkeit bekam Lataster jedoch im Jahr 1987 dank seiner Deckenbemalung „Icarus Atlanticus“ im Mauritshaus in Den Haag. Diese Bemalung demonstriert wie sich sein Künstlerstil zum abstrakten Expressionismus entwickelt hat, da er das Ikarus-Thema bereits in den 1950er Jahren entwickelt hat. Das Streben nach Dynamik führte dazu, dass die figurative Darstellung verschwand und eine Art Wirbelsturm aus Farben entstand. Die abstrakte Marlerei mündete in einer von Naturkräften bestimmten Thematik, die in den meisten Werken Latasters auf diese Art zu finden sind. Der Künstler arbeitete mit kontrastreichen Elementen wie Farben, Techniken und Materialien, die er geschickt miteinander verband. Auch dem „action painting“, einer Maltechnik, bei der die Farbe mit einem Pinsel oder direkt aus Farbtöpfen und -behälter grob gemalt, geschüttet, getropft oder auf die Leinwand gespritzt und in den fünfziger Jahren aus den USA nach Europa kam, hatte er sich verschrieben.

Seine Kunst stellte für ihn jedoch keinen Stil im traditionellen Wortsinn dar, sondern eine Methode, die es ihm gestattete, seinen eigenen Weg zu gehen. Aus diesem Grund gehört er auch keiner Bewegung oder Gruppierung an. Sein Werk sträubt sich gegen jegliche kunsthistorische Einordnungen.

Auch im hohen Alter arbeitete Lataster noch sehr lange mit unvermindert kreativer Kraft. Bereits 1986 sagte er in einem Interview: „Es kommt mir vor, als hätte ich eben erst angefangen.“ Im Jahr 1999, Lataster war zu diesem Zeitpunkt bereits 79 Jahre alt, zeigte das Haus der Niederlande im Krameramtshaus in Münster unter dem Titel „Der Tag des Sieges“ Werke Latasters, die in den Jahren 1984 bis 1998 entstanden waren.

Im Jahr 2010 wurde der berühmte niederländische Maler mit dem Ehrenverdienstzeichen der Stadt Amsterdam ausgezeichnet. Im gleichen Jahr bekam er auch den Ritterorden des niederländischen Löwen. Zuletzt drehten der Sohn Peter Lataster und seiner Ehefrau Petra Lataster- Czisch im Jahr 2010 den Film „Niet zonder jou“ (dt. „Nicht ohne dich“) über seine Eltern Ger Lataster und seine Frau und Mutter Hermine van Hall, die mittlerweile ebenfalls verstorben ist. Sie waren zu diesem Zeitpunkt bereits 65 Jahre verheiratet. Der Dokumentarfilm wurde mit einem Goldenen Kalb – dem höchsten niederländischen Filmpreis – ausgezeichnet, sowie dem Grand Prix des Dokumentarfestivals in Belgrado.

Autorin: Rebekka Herzog
Erstellt: März 2012


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Offizielle Homepage Ger Lataster

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Lataster, Gerard: Lataster: een ode aan het leven zelf, Maastricht 2011.

Lataster, Gerard: Lataster: werken op papier 1976-2010, Maastricht 2011.


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