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Hieronymus Bosch

*s'Hertogenbosch, ca. 1450 - † s'Hertogenbosch, August 1516 - Maler

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Hieronymus Bosch (Portrait ca. 1550), Quelle: Wikimedia Commons

Hieronymus Bosch wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in s’Hertogenbosch geboren. Bis heute birgt das Werk des niederländischen Malers, der weltweit zu den prägenden Künstlern seiner Zeit  gezählt wird, etliche Rätsel. Die Tatsache, dass sein genaues Geburtsdatum unbekannt ist, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Die erste uns heute bekannte namentliche Erwähnung des Künstlers datiert aus dem Jahr 1474. Das weitaus größere Fragezeichen steht über der Vielzahl von Bosch hinterlassener Werke, die auch heute noch Kunstexperten auf der ganzen Welt verzweifeln lassen.

Unter dem Nachnamen van Aeken kam der Sohn einer Malerfamilie, die sich bereits seit mehreren Generationen in der damaligen Kunstszene etablieren konnte zur Welt. Der Geburtsname deutet auf die Herkunftslinie seines Vaters Anthonius hin. Für Künstler war es damals üblich ihre Geburtsstadt im Nachnamen zu tragen. ‘Van Aeken‘ belegt, dass die Familie einst in Aachen lebte und sich im Laufe der späteren Generationen Richtung Westen verteilte.  Hieronymus folgte, genau wie seine zwei Brüder, der Familientradition und wurde Maler. Auch seinen Nachnamen änderte er, wie es sich gehörte, in den seiner Heimatstadt. So wurde aus Hieronymus van Aeken, Hieronymus Bosch. Seine finanzielle Unabhängigkeit erreichte er bereits 1481 durch die Ehe mit der Tochter einer wohlhabenden Patrizierfamilie.

Boschs Frau Alyet Goyaert van de Mervenne brachte ein Haus, ein Landgut und ein stattliches Erbe mit in die Ehe ein und ermöglichte es dem freischaffenden Künstler, der zu diesem Zeitpunkt noch keine großen Auftragsarbeiten verzeichnen konnte, den nötigen Freiraum um sich zu entfalten. Durch seine Mitgliedschaft im der dominikanischen Bruderschaft Unserer lieben Frau (1488) änderte sich auch das Klientel mit dem Bosch es zu tun bekam. Der elitäre Kreis der Bruderschaft verhalf ihm zu seinen ersten Auftragsarbeiten. Später sollten Mitglieder des Klerus und selbst Fürst Philipp der Schöne zu den Kunden des Brabanters gehören.  

Viele der bis heute erhaltenen Werke von Hieronymus Bosch sind selbst für die moderne Wissenschaft ein Rätsel. Beim Versuch die komplexen Malereien zu deuten und in einen kunsthistorischen Kontext zu bringen, stoßen Kunst- und Renaissance-Experten oftmals an ihre Grenzen. Bosch verwendete wiederkehrende Elemente, die eine ganz spezielle Symbolik beinhalten. Neben Bären, Eulen und Dämonen gehörte beispielsweise auch der Dudelsack zu einer Gruppe von Elementen, die in mehreren Kunstwerken wiederzufinden ist. Welche Botschaft durch die einzelnen Symbole vermittelt werden soll, ist an vielen Stellen unklar und nur wenige Arbeiten Boschs konnten bis heute erfolgreich gedeutet werden.

Gartenderlustgross

Garten der Lüste, Tryptichon, Ölfarbe auf Holz, 1503-1504, Quelle: Perle Artistiche/cc-by-nc

Boschs berühmtestes Werk ist das Triptychon Garten der Lüste. Es diente ausschließlich der Belustigung der höfischen Gesellschaft und war ebenso wie das Triptychon Der Heuwagen nicht für die Gestaltung eines Altars gedacht, obwohl die dreiteilige Form traditionell genau dafür fungierte. Die chaotisch wirkende Anordnung unzähliger Symbole, fantasievoller Figuren aus der Tier- und Menschenwelt gepaart mit, für die damalige Zeit äußerst abstrakten Elementen, geben seiner Arbeit einen sehr individuellen Charakter. Dieser ist auch in anderen berühmten Werken von ihm wiederzufinden. Bilder wie Die sieben Todsünden, Das jüngste Gericht oder Johannes der Täufer haben einen deutlich sakralen Bezug während sich Der Gaukler oder auch Das Steinschneiden auf weltliche Themen beziehen, die Bosch aus der Realität kannte.  Die letztgenannten Arbeiten enthalten weitaus weniger fantastisch oder abstrakt wirkende Elemente.

Hieronymus Bosch gilt als Künstler, der sich nicht in eine bestimmte Ecke oder Schublade stecken lässt. Er sprach mit seiner Kunst alle gesellschaftlichen Schichten der damaligen Zeit an und kritisierte diese zu gleichen Teilen – auch den Klerus. Fernab der üblichen Konventionen des Renaissance-Zeitalters spielte Bosch mit Figuren die schon zu seinen Lebzeiten äußerst futuristisch gewirkt haben müssen. Die Hinterlassenschaft von Hieronymus Bosch bezieht ihren unschätzbaren Wert von heute nicht nur aus dem Talent oder dem besonders fantasievollen und abstrakten Stil des Künstlers, sondern auch aus den vielen Rätseln und Alleinstellungsmerkmalen, die sein Gesamtwerk bis heute birgt.

Autorin: Jakob Schulte
Erstellt: Januar 2015


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