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Maria Dresselhuys

*Tiel, 22. Januar 1907 – Amsterdam, 19. Mai 2004 - (Bühnen-)Schauspielerin

Maria Dresselhuys
Maria Dresselhuys in dem nld. Film "Met onze hakken over de sloot", Quelle: NA (141-0858)
 Mary Dresselhuys ist die „Grande Dame“ des niederländischen Theaters. In ihrer langen Karriere hat sie in über 150 Rollen gespielt, darunter ihre unvergessenen Auftritte in der „Nederlandse Comedie“, der ihr später den Beinnamen „Königin der Komödie“ einbrachte.


Von Kindesbeinen an hat Dresselhuys auf der Bühne gestanden. Bereits als Achtjährige hat sie mit ihrem Bruder zu Hochzeiten kleine Theaterstücke aufgeführt. 1927 besuchte Mary, die 1907 in Utrecht geboren wurde, die Theaterschule in Amsterdam. Ihre erste richtige Rolle spielte sie im Stück „Julius Caesar“ für das Rotterdamer Stadttheater. Bereits damals ist sie einem unbekannten Theaterkenner aufgefallen: „Es gab unter dem Volk eine junge Dame in einem feuerroten Hemd. Mit großem Enthusiasmus und einer glasklaren Stimme rief sie viele Male „Heil Caesar!“ Wir werden noch von ihr hören.“

In der Tat. Maria Johanna Dresselhuys erhält nach ihrem ersten Theaterstück gleich mehrere Angebote. Im Dezember 1929 spielte sie ihre erste richtige Rolle im Stück „Men trouwt geen meisjes zonder geld.“ Ein halbes Jahr später war sie im Stück „Een vrouw zoals ieder zoekt“ zu sehen. Im September 1931 wechselte Dresselhuys zum Centraal Toneel nach Amsterdam. Hier werden ihr die ersten richtig großen Rollen anvertraut. Mit ihrem Lebensgefährten und Mann Cees Laseur, der Direktor des Hauses werden wird, spielte sie in „Drie dagen onder de levenden“ und „Mannen in ´t wit“. Gegenüber NRC Handelsblad beschreibt Dresselhuys jene Jahre: „Es war keine einfache Zeit. Jeden Monat mussten die Gehälter bezahlt werden und wir mussten zusehen, dass das Theater spielte. Wir haben sparsam gelebt, jeden Cent umgedreht und krank sein war verboten.“

1935 machte Mary Dresselhuys zum ersten Mal einen Kinofilm: „De Kribbebijter“. Aber die Kamera war nichts für sie. Der deutsche Regisseur Hermann Kösterlitz macht ihr unzweifelhaft klar: „Leider, gnädige Frau, sind Sie nicht zu fotografieren“. Dresselhuys erkennt, dass sie sich ganz auf das Theater konzentrieren muss. So hat sie nur in vier Kinofilmen gespielt. Was die Filmkamera betrifft, hatte Dresselhuys nach eigenen Angaben einen „Minderwertigkeitskomplex“. Sie benötige das Publikum, um sich zu großen Leistungen zu motivieren und nicht das „indiskrete Auge einer Kamera.“

Die Produktionen des Centraal Toneel sind enorm. Neun Monate im Jahr steht Dresselhuys jeden Abend auf der Bühne und auch während der Besatzungszeit wurde in Amsterdam weiter Theater gespielt. Mary Dresselhuys war der Meinung, dass die Deutschen dem Theatervolk nicht den Mund verbieten dürften und dass die Bevölkerung auch in Kriegszeiten ein Recht auf Unterhaltung habe. Zudem sah sie sich verpflichtet, die Gehälter von 20 Theaterangestellten bezahlen zu können. Im Centraal Toneel wurde niederländisch gesprochen und gesungen. „Im Amsterdamer Stadttheater saßen die Deutschen, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum. Zu uns kam niemand, denn die dachten, sie würden eh nichts verstehen. Und wenn mal ein deutscher Soldat kam, dann sagten wir an der Kasse: „Kein Tanz, kein Mädel, kein Musik“. Dann waren sie weg.“

Nach dem Krieg widmet sich Dresselhuys der Komödie. Sie spielt ab 1950 für die Nederlandse Comedie und wird die erste niederländische Komödiendarstellerin. Stücke wie „Nina“, „De repetitie of de liefde gestraft“ oder „De man, de vrouw en de moord“ haben ein großes Publikum angezogen. 17 Jahre wird sie für die Nederlandse Comedie arbeiten, ehe sie 1967 dem Ensemble definitiv den Rücken kehrt. Henk van Gelder rühmt in seiner Necrologie die Techniken der Schauspielerin: „... transparent, vergänglich, aber gleichzeitig lakonisch und ergreifend.“

1973 startet Dresselhuys eine enge Zusammenarbeit mit Joop van den Ende. Die Verbindung ist für beide sehr fruchtbar, sowohl beruflich als auch privat. Sie erarbeitet mit ihm Theaterstücke wie Slippers, Herfst in Riga, Gouden vijver, Hoog tijd. 1992 ruft Joop van den Ende den Mary Dresselhuys-Preis ins Leben, ein Preis für junge Theaterleute.

Bis ins hohe Alter – Dresselhuys wurde 97 Jahre alt – bleibt sie dem Theater treu und besucht viele Vorstellungen. Noch am 16. Mai 2004 besucht sie die Vorstellung „Licht in de ogen“ mit Annet Nieuwenhuizen und Hans Croiset. Drei Tage später wird sie im Schlaf sterben.

Marian Buys, Redakteur von de Volkskrant, schrieb in ihrem Nachruf: „In ihrer Erscheinung kombinierte sie einen mädchenhaften Charme mit Ironie und Unwiderstehlichkeit. Rebellisch war sie, eine 80-jährige  Pippi Langstrumpf. Das machte sie zu einer anziehenden Persönlichkeit auf der Bühne. In jeder Rolle begann sie ein neues Leben, vielleicht gab sie sich dadurch keine Chance alt zu werden. Immer spielte sie Frauen, die jünger waren als sie selbst. Mit Händen, die wie Schmetterlinge durch die Luft wirbelten und mit einer unvorstellbaren Stimme. Sie erschien schwerelos, unter ihren Füßen hat nie auch nur ein Bühnenbrett geknarkst.“

Autor: Andreas Gebbink
Erschienen:  Volkskrant, 21. Mai 2004


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