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Corneille van Beverloo

*Lüttich, 3. Juli 1922 - †Auvers-sur-Oise, 5. September 2010 - Künstler

Corneille
Corneille im Jahr 1995, Quelle: Pantalaskas/cc-by-sa

Als viertes Kind einer niederländischen Familie wurde Guillaume Cornelis van Beverloo 1922 in der belgischen Stadt Lüttich geboren. Mit drei älteren Schwestern und einer verhätschelnden Mutter wuchs Corneille in einer „Frauenwelt“ auf, wie er später beschrieb. Vielleicht ist das ein Grund, warum Corneille - der als einer der bedeutendsten niederländischen Künstler der Nachkriegszeit gilt - in seinen Werken oft Frauen abbildete, was als ein typisches Merkmal seiner Werke angesehen wird. Bekannt wurde Corneille aber vor allem als Mitbegründer der Künstlergruppe CoBrA, eine Gruppierung, die zwischen 1948 und 1951 bestand und nicht nur in den Niederlanden die Kunst und die Literatur revolutionierte.

Die künstlerische Karriere Corneilles begann einige Jahre vor CoBrA:  Obwohl Corneille von 1940 bis 1943 einen Zeichen- und Radierkurs an der „Rijksacademie voor Beeldende Kunsten“ in Amsterdam -  in seinen Augen „eine lahme Truppe“ - besuchte, galt er als Autodidakt. 1946, mit nur 26 Jahren, folgte seine erste große Ausstellung in Groningen. Sein Stil war noch stark an der Realität orientiert; er entwarf Stilleben, Landschaftsmalereien und Figuren. Dies änderte sich als er zusammen mit Karel Appel, den er während seiner Zeit bei der Kunstakademie kennenlernte, 1948 nach Paris geht. Dort gründete das Multitalent - Corneille malte und zeichnete nicht nur, er war auch als Dichter, Keramiker und Illustrator tätig -  zusammen mit seinen niederländischen Kollegen Appel sowie unter anderem dem dänischen Künstlern Asger John und dem Belgier Christian Dotremont die Künstlergruppe CoBrA. CoBrA stand dabei für die Hauptstädte der Herkunftsländer der Künstler: Copenhagen, Brüssel und Amsterdam. Zunächst nur eine Gruppierung für die klassischen Gattungen der bildenden Kunst, schlossen sich auch Literaten wie Hugo Claus oder Lucebert der Gruppierung an.

Die Kunst von CoBrA  galt als herausfordernd und abstrakt - eine regelrechte Provokation für den guten Geschmack. Ziel war es, sich von den Fesseln der Tradition und des guten Geschmacks zu befreien und sich in seinen Kunstwerken frei äußern zu können, wie die Gruppe in ihrem Manifest vom 8. November 1948 erklärte. Die Künstler wollten wie Kinder unbefangen mit den Farben experimentieren können. Obwohl CoBrA nur drei Jahre bestand, prägte diese Bewegung Corneilles Stil ungemein: Corneilles Gemälde werden farbenfroher und stehen apart von jeder Art der traditionellen Malerei. Elemente wie Blumen, Vögel und Frauen waren häufig in seinen Werken anzutreffen. Die Einflüsse von unter anderem Pablo Picasso, sowie der Kunst ungarischer Surrealisten und deutscher Expressionisten waren deutlich zu erkennen.

Corneilles Werk nach CoBrA ließ sich in drei Perioden unterteilen. Zunächst blieb sein Stil abstrakt, wurde jedoch insgesamt weniger radikal.  In den Jahren danach kehrte Corneille vermehrt zu seinen Anfängen zurück. Durch Reisen nach Afrika inspiriert, gründete sich seine Farbpalette auf Erd- und Grautönen. „Zu asketisch“ wie Corneille später selber sagte: „Ich war selbst ein bisschen zu einem Fossil geworden“.  Ein Grund warum er sich wieder radikal umorientierte und seine Werke wieder von Elementen wie die Sonne, Frauen und vor allem auch Vögeln - sein Künstlername stand für französisch „Krähe“ - wimmeln.

In Kunstkreisen wurde Corneille ab den 1980er Jahren oft dafür kritisiert, er sei zu kommerziell – Corneille entwarf Designs für unter anderem Krawatten, Kugelschreiber und Albumcovers – aber gerade diese Gegenstände machten den Künstler weltweit bekannt. Kurz nach Corneilles Tod, erklärte Kunsthistorikerin Willemijn Stokvis in de Volkskrant, dass beinahe jeder Haushalt in den Niederlanden ein Werk von Corneille besitze: „Dies liegt vor allem an Corneilles grafischem Werk, wie seine Lithografien und Drucke, die in großer Menge vervielfältigt und verbreitet wurden.“ Corneille gehört Stokvis‘ Ansicht nach zu den großen Künstlern der Nachkriegszeit: „Er und Appel brachten die Avantgarde in die Niederlande, was einen großen Impuls auslöste. Nicht nur für andere Künstler, sondern auch für den Kunstunterricht. In den 80er Jahren wurden Kinderzeichnungen und das Arbeiten mit verschiedenen Materialien in den Schulen, sowohl in der Grundschule als auch an Kunstakademien, viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt.“

Obwohl Corneille in den letzten Jahren seines Lebens manisch-depressiv war, malte er bis zu seinem Lebensende weiter. Die Farbenpracht seiner Werke ließ trotz seiner Krankheit nicht nach. Der Künstler starb am 5. September 2010 im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit in einem Krankenhaus in seiner Wahlheimat Frankreich.

Autorin: Agnes Sieland
Erstellt:
September 2010


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Stokvis, Willemijn: Cobra - geschiedenis, voorspel en betekenis van een beweging in de kunst van na de tweede wereldoorlog, Amsterdam 1980.

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