III. Auf niederländisch... Damals bis heute

1950-1980

In den 1950ern ist Eddy Christiani der erste, der Verkaufserfolge mit seinen niederländischsprachigen Platten verzeichnen kann. Auch Schlager von Johnny Jordaan oder die Zangeres Zonder Naam (Sängerin ohne Namen) liegen Mitte der 50er gut im Rennen. Die erste richtige Rockplatte erscheint 1960: Peter (Koelewijn) en zijn Rockets bringen Kom van dat dak af heraus. Anfang der 1960er wird Rob de Nijs zum Teenager-Idol und kann gut 30 Jahre später mit Banger Hart noch einen Nummer-eins-Hit landen. Etwas später findet sich der Stil niederländischer Songs dank Boudewijn de Groot und seiner Akustikgitarre zwischen französischen Chansons und amerikanischem Folk wieder. In den 1970ern ist das Niederländische jedoch fast ausschließlich auf Schlager beschränkt. André Hazes startet zu dieser Zeit seine Karriere und wird im Laufe der Jahre der erfolgreichste Schlagersänger des Landes und Vader Abraham bringt 1975 Het kleine café aan de haven heraus – das Peter Alexander kurz darauf als Kleine Kneipe auch auf Deutsch populär macht. Andere Popmusiker lassen sich nur für subventionierte Projekte wie Zing in je moerstaal (Sing in deiner Muttersprache) dazu bewegen, auf Niederländisch zu singen. Das ändert sich mit der neuen Generation Jugendlicher Anfang der 1980er, die dem Niederländischen bereitwilliger begegnet. Gruppen wie Doe Maar, De Dijk, Toontje Lager, Het Goede Doel oder die Frank Boeijen Groep erobern die Hitparaden.

1990-2000

In den 1990ern sind die Fernsehshows des Komikers und Sängers Paul de Leeuw ein wichtiger Faktor bei der Popularisierung niederländischsprachiger Musik und Sprungbrett für zahlreiche Sänger und Bands. 1994 gelang Marco Borsato mit seinem ersten Hit Dromen zijn bedrog der Durchbruch. Die Band Van Dik Hout schafft es zwar nur auf Platz 19, landet mit Stil in mij aber dennoch einen Dauerbrenner. Ein Jahr später befindet sich der nächste Unbekannte auf Platz 1: Guus Meeuwis landet mit Het is een nacht einen Riesenhit, der noch heute absoluter Stimmungsgarant ist und dessen Text jeder mitschmettern kann. Auch in der Clubszene wird das Niederländische immer mehr akzeptiert. Selbst Gruppen, die im Dialekt singen, haben überregionale Erfolge, so z. B. Normaal (Achterhoeks), Skik (Drenths), Rowwen Heze (Limburgs) oder De Kast (Fries). 1998 landet die neun Mann starke Gruppe Volumia! zwei Hits mit Hou me vast und Afscheid. Volumia! ist bis 2002 äußerst erfolgreich: Drei von vier Platten holen Platin, zwei sogar gleich doppelt. Darüber hinaus tauchen 1998 Acda & De Munnik mit Niet of nooit geweest in den Charts auf. Das Besondere an dieser Band: Obwohl sie nur einen Top-Ten-Hit aufweisen können, sind sie dennoch eine der erfolgreichsten und am häufigsten gespielten Bands des Landes. Acht ihrer zwölf Alben schafften es in die Top Ten, vier davon standen dabei ein bis sechs Wochen auf Platz 1. 1998 machen auch Bløf  mit ihrer ersten Single Liefs uit Londen von sich reden, kurz danach folgt mit Wat zou je doen der erste Top-Ten-Erfolg. Im Jahr 2000 wird klar, dass Popmusik schon lange nicht mehr nur junge Leute anspricht, sondern die Generationen übersteigt: Doe Maar, die sich 1984 getrennt hatten, verzeichnen bei ihrer Wiedervereinigung einen enormen Erfolg und treten 16 Mal im restlos ausverkauften Ahoy in Rotterdam auf.

2000-heute

Anfang des neuen Jahrtausends tauchen kaum neue Protagonisten auf. Marco Borsato ist bei weitem der beliebteste Sänger weit und breit, ebenso wie Bløf die meistgespielte Band ist. Daneben sind Schlagersänger Frans Bauer und André Hazes die einzigen mit nennenswerten Hits. Einige neue Sänger tauchen auf und versuchen, dem Schlager mit der sogenannten ‚Piratenmusik‘ neuen Elan einzuhauchen – einer Schlagermusik, die jedoch noch nicht den großen Durchbruch verzeichnen konnte. Hierzu zählen z. B. Jannes und Jan Smit, der 2005 mit Als je iets kan doen den Erfolgskurs einschlägt. 2004 landet die Single Wat zou je doen von Marco Borsato und Ali B auf Platz 1, was Ali Bs Karriere zu einem großen Sprung verhilft. Andere Hiphopper mit Erfolgen sind Lange Frans & Baas B, die 2005 den Edison Preis als beste Newcomer bekommen. Ein Jahr später geht dieser Preis ebenfalls an eine Nederhop-Gruppe: De Jeugd van Tegenwoordig landete mit Watskebeurt 2005 ihren bislang größten Hit.
Wie bereits in der Rubrik zu Nederhop und Nederpop erwähnt, schaffen es mittlerweile immer mehr niederländische Musiker in die Charts. De Likt, eine Gruppe aus Musikstudenten, rappt auf Niederländisch. Den größten Erfolg der letzten Jahre hatten aber vermutlich Ronnie Flex und Lil‘ Kleine. Ihr Hit Drank en Drugs machte sie zu Stars der niederländischen Musikszene. Einige ihrer Lieder haben sie sogar auf Deutsch eingespielt. Seitdem sind die Musiker mit ihren teils anzüglichen Texten auch in deutschen Clubs ein Dauerbrenner. Ebenso erfolgreich war Parijs von Kenny B. Die prägnante Liedzeile Praat Nederlands met me sorgte für zahlreiche Cover und Parodien in verschiedensten Dialekten, so zum Beispiel Praat Amsterdams met me.

Musikpreise


Edison Music Award

Er ist ein Jahr jünger als sein amerikanisches Vorbild der Grammy, und damit ist der ‚Edison Music Award’ – kurz ‚Edison’, benannt nach dem Erfinder des Phonographen – der zweitälteste Musikpreis der Welt. 1960 wurde er ins Leben gerufen, und seitdem prämiert eine Jury die besten Musiker der Welt und des Landes aus den Bereichen Pop, Jazz/World und Klassik, die dann einmal im Jahr bei einer Galaveranstaltung gewürdigt werden. Beste Sängerin 2009 wurde Ilse DeLange, bester Sänger Alain Clark, den Bandpreis erhielten Bløf und einen Preis für das Gesamtoeuvre erhielt die Band Krezip. 2013 wurde Blaudzun bester Sänger, Trijntje Oosterhuis beste Sängerin und Kane beste Gruppe. Desweiteren bekam Gers Pardoel einen Edison als bester Newcomer und die Band Doe maar erhielt den Preis für das Gesamtoevre.


TMF Awards

Nach dem Vorbild der MTV Music Awards vergibt der niederländische Musiksender TMF seit 1996 jährlich Musikpreise in verschiedenen Kategorien. Ausgezeichnet werden dabei jeweils ein nationaler und ein internationaler Gewinner, der vom Publikum gewählt wird. Marco Borsato hat es dem Publikum über die Jahre hinweg anscheinend besonders angetan: Von 1996-2006 erhielt er den Preis als bester männlicher Sänger. 2007 schließlich wurden die Kategorien umstrukturiert und man nannte ihm zu Ehren den Preis für den besten Newcomer um in ‚TMF Borsato Award’. Bester niederländischer Act wurde Jan Smit. TMF wollte nun das ganze Konzept der Show verändern, so dass im folgenden Jahr keine Awards vergeben wurden. Im Juli 2009 präsentierten sich die TMF Awards umgemodelt als Festival. Unter der Erasmusbrücke in Rotterdam konnten die Gewinner die Preise live von 17 bis 23 Uhr vor zehntausenden Zuschauern in Empfang nehmen, Esmée Denters wurde beste Sängerin.


Poppreis

Seit 1986 vergibt die Stiftung Buma Cultuur – eine Stiftung mit dem Ziel, niederländische Musik in den Niederlanden und im Ausland zu fördern – auf dem EuroSonic Noorderslag Popfestival in Groningen den mit 10.000 Euro dotierten ‚Poppreis’. Prämiert werden der oder die Künstler, die im vergangenen Jahr den größten Beitrag zur niederländischen Popmusik geleistet hat.


Goldene und Silberne Harfe

Anfang des Jahres organisiert die Stiftung Buma Cultuur eine sogenannte Harfen Gala, bei der die ‚Goldene’ und die ‚Silberne Harfe’ vergeben werden. Die Goldene Harfe wird seit 1962 verliehen und gilt als einer der wichtigsten Preise für niederländische Musik. Geehrt wird das Gesamtwerk von Künstlern, die sich während ihrer Karriere „auf besondere Weise um die niederländische leichte Musik verdient gemacht haben“. Die Silberne Harfe ist seit 1969 das Pendant zum goldenen Oeuvrepreis. Hiermit werden nicht die ‚alten Hasen’ sondern just die neuen, „vielversprechenden Talente“ ausgezeichnet. Dabei liegt die Jury oft richtig: Viele der im Laufe der Jahre mit diesem Förderpreis ausgezeichneten Sänger oder Bands haben es tatsächlich zu großen Erfolgen gebracht, so dass man schon gespannt sein darf, welcher der Gewinner der letzten Jahre ein Dauerbrenner wird. Bis zu jeweils vier Goldene und Silberne Harfen finden jährlich neue Besitzer.


Exportpreis

Auf der Buma Harfen Gala wird noch ein weiterer Preis verliehen: der ‚Exportpreis’. Er wird seit 1972 an den vergeben, dessen Platten- oder Videoproduktion außerhalb der Niederlande am meisten verkauft oder heruntergeladen wurde. Erfolgreiche Preisträger mit gleich drei oder mehr Exportpreisen sind Bolland & Bolland, André Rieu und Within Temptation.


Nederpopprijs

Im Rahmen des Festivals ‚Van Eigen Bodem’ wird jährlich der ‚Nederpoppreis’ an vielversprechende neue Talente verliehen, die auf niederl’ndisch singen. In zwei Vorrunden und mittels Internetabstimmung werden sechs Finalisten gewählt, die Mitte Mai um den Sieg singen. Der Gewinner darf sich über einen Geldpreis und einen Auftritt auf der Festivalbühne freuen. Seit 2006 dürfen sich die flämischen Nachbarn ebenfalls beteiligen, die 2007 und 2008 auch gleich den Hauptpreis einheimsten. 2009 gab es daher einfach zwei Hauptpreise, einen niederländischen und einen flämischen.

2011    Plan B (BE)
2010    Contraband (BE)
2009    Flo Rosendaal (NL) und Keefman Duffel (BE)
2008    Fanfaar (BE)
2007    Hannelore Bedert (BE)
2006    Zebra (NL)
2005    Piepschuim

Autorin: Verena Soldierer
Erstellt: August 2009
Aktualisiert: August 2017, Henrike Post