XII. Weitere Museen

Ein Online-Dossier allein ist nicht lang genug, um alle musealen Sammlungen eines Landes vorzustellen. Diese vier niederländische Museen aus den unterschiedlichsten Bereichen sollen jedoch noch erwähnt werden.

Tropenmuseum, Amsterdam (Völkerkunde)

Der Vorläufer des Tropenmuseum, das Koloniaal Museum in Haarlem hatte zum Ziel, die niederländische Bevölkerung über die niederländischen Kolonien und deren Bewohner zu informieren. 1926 zog die Sammlung in das Neorenaissance-Gebäude des Koloniaal Instituut in der Amsterdamer Linnaeusstraat, in dem sich das Museum noch heute befindet. Mit der einsetzenden Dekolonialisierung wurde das Sammelgebiet auf die Tropen im Allgemeinen erweitert. Auch das Institut wurde 1949 in Koninklijk Instituut voor de Tropen (KIT) umbenannt.

Noch heute ist das KIT für die Sammlung und die Ausstellungen im Tropenmuseum zuständig. Mehrere feste Ausstellungen (Musikwelt, Afrika, Latein-Amerika und die Karibik, Niederländisch-Indien, Neu-Guinea, Asien, interaktive Geschichtenreise) werden mit spannenden Wechselausstellungen ergänzt. 2014, 150 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei, gab es zum Beispiel die Ausstellung Zwart &Wit (dt.: Schwarz & Weiß), die zeigte „wie Schwarz und Weiß in den Niederlanden miteinander umgehen und wie sie einander wahrnehmen.“ Momentan wird eine Kunstausstellung zum Thema sexuelle Diversität in China gezeigt. Zudem widmet sich die Ausstellung Body Art vom Make-Up bis hin zu Tattoos, Piercings, oder Implantaten der Verzierung des menschlichen Körpers.

Für Kinder (mit Niederländischkenntnissen) ist vielleicht die interaktive Geschichtenreise zu den Themen Liebe, List und Mut geeigneter. Oder die „Musikwelt“, die Musikclips aus aller Welt zeigt und dazu einlädt, ein eigenes Lied aufzunehmen, um es dem „Museum für vergessene Lieder“ hinzuzufügen.

Grenslandmuseum, Dinxperlo (Lokale Kultur und Geschichte)

Das niederländische Örtchen Dinxperlo grenzt an das nordrhein-westfälische Suderwick, das wiederum ein Stadtteil von Bocholt ist. Die Landesgrenze verläuft mitten durch das Wohngebiet. Erst mit dem Schengener Abkommen 1993 verschwanden Schlagbäume, Zollbeamte und Grenzkontrollen.

Das Grenslandmuseum widmet sich der jahrhundertealten Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden, den Bewohnern dieses Grenzlandes, ihrer Alltagskultur und ihrer wechselvollen Geschichte. Das Museum wird von Freiwilligen einer Arbeitsgruppe des Heimatvereins unterhalten und ist nur von April bis Oktober, Dienstag bis Samstag von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Es können aber Besichtigungstermine außerhalb der Öffnungszeiten abgesprochen werden.

Science Center NEMO, Amsterdam (Technik)

Um die Welt der Wissenschaft und Technologie geht es im Science Center NEMO. Auf fünf Etagen können große und vor allem kleine Besucher selbst experimentieren, mitmachen, ausprobieren und vielleicht dazulernen. Wie funktioniert eine Brücke? Warum sieht man erst den Blitz und hört dann den Donner? Wie wird aus Wind Strom? Was hat eine Blume mit Mathematik zu tun? Anhand alltäglicher Gegenstände erklären verschiedene Ausstellungen, wie unsere Welt funktioniert. Im Laboratorium heißt es Sicherheitsbrille und Laborkittel angezogen und losexperimentiert. In der Ausstellung Wasserkraft baut man einen eigenen Staudamm und in der Bällchenfabrik wird man learnig-by-doing zum Logistikexperten.

NEMO ist – gerade für Schulklassen und Familien– ein attraktiver Ausflugsort. In den Schulferien und an Feiertagen ist deshalb oft sehr viel los. Wer es ruhiger haben will, sollte am früh um zehn Uhr kommen, wenn das Museum seine Türen öffnet, oder aber nach drei Uhr nachmittags.

Ein Muss für alle Amsterdam-Reisenden, egal ob sie die Ausstellung des Science Center besuchen oder nicht, ist ein Besuch auf dem NEMO-Dach. 22 Meter über dem Meeresspiegel genießt man von der „größten Dachterrasse Amsterdams“ eine fantastische Aussicht auf das Schifffahrtmuseum und die Altstadt, kann einen Kaffee trinken, Schach spielen oder einfach nur in der Sonne sitzen.

CORPUS, Oegstgeest (Biologie)

Eine Reise durch den menschlichen Körper hingegen erlebt man im interaktiven Museum CORPUS, das neben der A44 bei Oegstgeest zu finden ist. Das Gebäude ist 35 Meter hoch und sieht aus wie ein sitzender Mensch. Eine Reise durch all seine Eingeweide dauert etwa eine Stunde, weshalb die Parkgebühren (6 Euro) und Eintrittspreise (14,25 bis 18,25 Euro) doch relativ hoch erscheinen. Wer die Tickets online kauft, zahlt etwas weniger und kann eine Uhrzeit reservieren. Allerdings muss man die Karten 20 Minuten vor besagter Zeit abholen, sonst verfallen sie.

Es gibt keinen Museumsführer, aber eine Audiotour erklärt dem Besucher, wo im menschlichen Körper er sich gerade befindet und was er da gerade sieht. Die Audiotour ist in acht Sprachen erhältlich, darunter auch Deutsch. Fotografieren oder Filmen ist leider nicht erlaubt. Die Reise beginnt im Knie. Von hier aus kann man die Gebärmutter besuchen, die Därme, die Lungen, das Herz, den Kopf mit Mund, Nase und Ohren und natürlich dem Gehirn.

Weitere Museen?

Haben Sie ein gutes oder besonderes Museum in den Niederlanden besichtigt, das hier nicht erwähnt wurde und wollen Sie es gerne in unser Dossier aufnehmen lassen? Dann schreiben Sie uns: info@niederlandenet.de oder über die Kommentarfunktion der Seite.

Museum Adresse Website App
Tropenmuseum Linnaeusstraat 2, Amsterdam tropenmuseum.nl
Grenslandmuseum Markt 1b, Dinxperlo grenslandmuseum.nl
Science Center NEMO Oosterdok 2, Amsterdam nemo.nl
CORPUS Willem Einthovenstraat 1, Oegstgeest corpusexperience.nl

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2015