IX. Wasser und Schifffahrt

Das Maritiem Museum in Rotterdam
Das Maritiem Museum in Rotterdam
© NiederlandeNet/Angelika Fliegner

Tulpen, Käse und Klompen – wer nach dem letzten Kapitel noch nicht genug hat von typisch Niederländischem, der sollte vielleicht ein Museum besuchen, das sich mit Wasser, der Seefahrerei, der Landgewinnung, oder Ähnlichem beschäftigt. Schließlich hat der seit Jahrhunderten währende Kampf gegen das Wasser und das Leben mit dem Wasser die Niederländer entscheidend geprägt (siehe Dossier Die Niederlande und das Wasser).

Scheepvaartmuseum, Amsterdam

„Entdecke, dass die See uns im Blut liegt“, wirbt das Schifffahrtsmuseum in Amsterdam um Besucher. In einer interaktiven Ausstellung kann man die 500-jährige maritime Geschichte der Niederlande entdecken. Neben einer virtuellen Seereise, können die Besucher über den Amsterdamer Hafen fliegen oder die Replik des Transportschiffes Amsterdam der Vereinigten Ostindischen Kompanie, das vor dem Museum vor Anker liegt, besichtigen.

Das Museum liegt auf einer künstlichen Insel im Amsterdamer Hafenbecken, westlich des IJ-Tunnels. Ursprünglich diente das Gebäude aus dem Jahr 1656 als Lagerhaus. Trotz seines Alters ist das Gebäude teilweise sehr modern: 2011 wurde der Innenhof mit einer wunderbar leichten Glaskonstruktion überdacht.

Museum Adresse Website App
Scheepvaartmuseum Kattenburgerplein 1, Amsterdam hetscheepvaartmuseum.nl
Maritiem Museum Leuvehaven 1, Rotterdam maritiemmuseum.nl
Nieuw Land Museum Oostvaardersdijk 113, Lelystad nieuwlanderfgoed.nl
Deltapark Neeltje Jans Eiland Neeltje Jans, Faelweg 5, Vrouwenpolder neeltjejans.nl

Maritiem Museum, Rotterdam

Wer Urlaub in der Hafenstadt Rotterdam macht, sollte dem zentral gelegenen Maritiem Museum einen Besuch abstatten. Gerade mit Kindern! Die dürfen dort mit Professor Plons und seinen Freunden Schiffe be- und entladen, Fische fangen, Container scannen, Segel hissen, oder gegen den Schurken Scheurbuik kämpfen.

Die großen Besucher können derweil alles über die Geschichte des Rotterdamer Hafens erfahren, ein Kriegsschiff aus dem Jahr 1868 besuchen, Schiffsmodelle bestaunen, oder in einer temporären Ausstellung dem Mode-Item Fischerpulli begegnen.

Nieuw Land Museum, Lelystad

Das „Neuland“-Museum beschäftigt sich ganz mit der Geschichte der heutigen Provinz Flevoland: Diese entstand erst im 20. Jahrhundert durch Trockenlegung von Teilen der vormaligen Zuiderzee. Dank eines großflächigen Systems von Deichen und Wasserpumpanlagen – den Zuiderzeewerken – wurde die Zuiderzee von der Nordsee abgetrennt, in Ijsselmeer umbenannt, und mehrere Polder trockengelegt. „Wo Wasser war, ist nun Land“, heißt es gleichzeitig stolz und nüchtern auf der Website der Provinz Flevoland. Wer sehen will, wie das „größte Polderprojekt aller Zeiten“ seinen Anfang und Verlauf nahm, muss auf jeden Fall nach Lelystad.

Alle Texte in der ständigen Ausstellung sind in deutscher, englischer und französischer Sprache verfügbar. Auch an die kleinen Museumsbesucher wurde gedacht. In der Kinderausstellung können sie selbst zu Deichbauern, Archäologen oder Schleusenwärtern werden.

Beeindruckend ist auch eine Fahrt über den 32 Kilometer langen Afsluitdijk der Sperrdamm, der die Nordsee und das IJsselmeer voneinander trennt und die Neulandgewinnung erst möglich machte.

Deltaroute und Deltapark Neeltje Jans

Im Südwesten des Landes befindet sich ein weiteres Wunderwerk der niederländischen Wasserbaukunst. Die Deltawerke wurden nach der Flutkatastrophe von 1953 gebaut. Auch wenn bereits 1954 mit dem Bau begonnen wurde und Königin Beatrix die offizielle Eröffnung der Deltawerke 1986 vornahm, sollte es doch noch bis 1997 dauern bis die insgesamt 13 Dämme und Sturmflutwehre alle fertiggestellt waren.

Wer mehr über das beeindruckende Bauwerk erfahren will, kann zum Beispiel eine individuell gewählte Tour zu verschiedenen Dämmen und Sturmflutwehren der Deltawerke machen. Auf der Seite beleefdedeltaroute.nl kann man angeben, ob man mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß reist und ob man sich für beispielsweise Architektur, Natur, Spielplätze oder Shopping interessiert und bekommt dann mögliche Routen entlang der Deltawerke vorgeschlagen. Für manche Abschnitte kann man Audio-Touren downloaden – allerdings meist nur in niederländischer Sprache.

Das berühmteste Wehr ist die Oosterscheldekering. Es wurde zwischen 1976 und 1986 gebaut: 65 kolossale Pfeiler halten Tafelschütze, die 42 Meter lang, sechs bis zwölf Meter hoch und zwischen 260 und 480 Tonnen schwer sind. Bei Sturmflut können sie mit einem Knopfdruck geschlossen werden, die restliche Zeit ist der Damm jedoch geöffnet, wodurch das Wasser im Meeresarm salzhaltig geblieben ist und das Naturgebiet Osterschelde geschützt wurde. Das Bauwerk kann auch von innen besichtigt werden. Dafür muss man den Wasserpark Neeltje Jans besuchen. Dort erklärte bis vor Kurzem noch die Delta Expo, wie das das Sturmwehr gebaut wurde, seit Juli 2015 heißt das Ganze Delta Experience. Der restliche Wasserpark ist bereits jetzt interaktiv aufgebaut. Vor allem Kinder haben hier ihren Spaß: Es gibt einen Wasserspielplatz mit Wasserrutschbahn, eine Orkanmaschine, ein Aquarium und Seehund-Vorführungen.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2015