V. Medien

Das Nederlands Fotomuseum in Rotterdam
Das Nederlands Fotomuseum in Rotterdam
© NiederlandeNet/Angelika Fliegner

Radio, Zeitung, Smartphone, Laptop… Der durchschnittliche Niederländer nutzt an 3,5 Stunden des Tages irgendwelche Medien. Es sind sogar 8,75 Stunden wenn man die Mediennutzung berücksichtigt, die passiert, während er einer anderen Beschäftigung nachgeht. Das ist das Ergebnis einer Studie des niederländischen Medienbüros ZIGT aus dem Jahr 2014.[1] Kein Wunder also, dass es in den Niederlanden mehrere sehr moderne Museen gibt, die sich mit Medien beschäftigen.

Nederlands Instituut voor Beeld en Geluid, Hilversum

Das Nederlands Instituut voor Beeld en Geluid in Hilversum hat ein riesiges Archiv mit Radio-, Fernseh-, Film- und Musik-Schnipseln sowie tausenden Objekten aus der Mediengeschichte der Niederlande, doch das steht bei einem typischen Besuch des Beeld en Geluid eher im Hintergrund. Das Museum ist interaktiv. Viele Dinge können hier ausprobiert werden: Eine Radiosendung moderieren, vor laufender Kamera die Nachrichten verlesen, oder wie in einer Quiz-Show das eigene Wissen über niederländische Politik und Medien testen. Plüschige Kandidaten-Stühle und Buzzer zum Draufhauen inbegriffen. Das macht auch jungen Besuchern Spaß, weshalb sich morgens häufig ganze Schulklassen durch das Gebäude drängen. Nachmittags ist es in der Regel etwas ruhiger. Gruppen ab 20 Personen bekommen beim Eintritt Rabatt.

Wechselnde Ausstellungen vertiefen neben der „Experience“-Tour den Einblick in die Welt der Medien. So erklärte die Ausstellung Voorbij het Nieuws, die noch bis Mai 2015 gezeigt wurde, die Arbeitsweise von Journalisten, die Chancen und Risiken von Sozialen Medien, oder zeigt Wege, wie man Medienbeiträge analysieren kann. Natürlich hat das Museum eine interaktive App (siehe Tabelle).

Gruppen können auch noch mit einer kleinen Bummelbahn eine Tour durch den Hilversumer Mediapark nebenan buchen. Hillywood Tour heißt das Ganze und dauert eine Stunde.

Museum Adresse Website App
Nederlands Instituut voor Beeld en Geluid Media Parkboulevard 1, Hilversum beeldengeluid.nl iOs
Android
Persmuseum Zeeburgerkade 10, Amsterdam persmuseum.nl
Museum of the Image Boschstraat 22, Breda motimuseum.nl
Eye Filminstituut IJpromenade 1, Amsterdam eyefilm.nl
FOAM Fotografiemuseum Keizersgracht 609, Amsterdam foam.org
Nederlands Fotomuseum Wilhelminakade 332, Rotterdam nederlandsfotomuseum.nl

Persmuseum, Amsterdam

Das Pressemuseum in Amsterdam kümmert sich um das „journalistische Erbe“ des Landes. Neben Zeitungen und Zeitschriften, Werbeplakaten und politischen Zeichnungen und Karikaturen, gibt es hier journalistische Fotografien und eine umfangreiche Bibliothek. Das Museum sieht seine Mission darin, auf das Recht auf Information und Pressefreiheit hochzuhalten.

Kein Wunder also, dass das Museum nach den terroristischen Anschlägen auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo eine Übersichts-Ausstellung zeigte, wie die internationale Presse und Karikaturistenauf die Anschläge reagierte, ergänzt um Originalausgaben der Zeitschrift aus fünf Jahrzehnten.

Museum of the Image, Breda

Das Museum of the Image, kurz MOTI, in Breda bezeichnet sich selbst als Museum für Bildkultur. „Wir leben heutzutage in einer Welt, in der wir mit allerlei Bildern überflutet werden. MOTI stellt sich deshalb fortwährend die Frage: Was machst du mit dem Bild und was macht das Bild mit dir?“, heißt es auf der Museums-Website.

De Beyerd, so heißt das Gebäude, in welchem das MOTI seinen Sitz hat, stammt aus dem 13. Jahrhundert. Es diente bereits als Gasthaus, Armen- und Krankenhaus. 1955 kaufte die Gemeinde das Haus und richtete ein Kulturzentrum ein. De Beyerd wurde zum Zentrum für Bildende Kunst – die Ausstellungen, die hier stattfanden, waren richtungsweisend. So wurde es in den 1990ern offiziell zum Grafikdesign-Museum. Mit der Namensänderung in MOTI im Jahr 2011 verschob sich der Schwerpunkt auf Bildkultur.

40.000 Besucher pro Jahr verzeichnet das Museum, so die regionale Tageszeitung BN De Stem im April 2015.[2] Die riesige Sammlung besteht aus den unterschiedlichsten Objekten (Zeitschriften, Telefonkarten, Briefmarken, Werbeanzeigen, Buchcover, T-Shirts, DVDs, und vieles mehr), die illustrieren, welche Botschaften, Emotionen oder Inhalte Bilder transportieren können. Außerdem gehören Werke von niederländischen bildenden Künstlern, Grafikern und Fotografen wie Jan Toroop, Otto Treumann, Piet Zwart oder Ootje Oxenaar zur Sammlung.

Das Museum verfolgt zudem einen Bildungsauftrag. So will z.B. die aktuelle Ausstellung Waanzien (Wortspiel aus waanzin – Wahnsinn und zien – sehen) die Besucher über Bildwirkungen informieren und ein Bewusstsein über die eigene Mediennutzung in der medialisierten Gesellschaft schaffen. Keine Frage, dass das Museum selbst natürlich auf vielen sozialen Medien wie Facebook oder Instagram vertreten ist.

EYE Filminstituut, Amsterdam

Ausschließlich um das Medium Film geht es im EYE Filminstituut Amsterdam. Im schicken Bau am Nordufer von Amsterdams Hafengewässer Het IJ können die Besucher alles über (inter)nationale Filmgeschichte und -technik erfahren, sowie in vier Kinosälen mit insgesamt 640 Plätzen Filme sehen. Eröffnet wurde die Einrichtung im April 2012 von der damaligen Königin Beatrix höchstselbst (NiederlandeNet berichete).

Zur interaktiven festen Ausstellung Panorama im Untergeschoss besteht freier Eintritt, auch das Café, das eine tolle Aussicht über das Hafenbecken bietet, ist frei zugänglich. Für die wechselnden Ausstellungen sowie einen Kino-Besuch zahlt man regulär rund 10 Euro. Museumkaart-Besitzer zahlen für den Besuch der Ausstellungen nichts (mehr über die Museumkaart in Kapitel XII).

Mehr über das Museum erfahren Sie in unserem Kurzbeitrag Amsterdams Filmpalast EYE.

FOAM Fotografiemuseum, Amsterdam

Unbewegte Bilder gibt es im FOAM Fotografiemuseum in der Keizersgracht 609 zu sehen. Das schmale Grachtenhaus diente ursprünglich als Magazin. Besitzer Carl Josef Fodor, Steinkohlehändler und Kunstsammler, verfügte in seinem Testament, dass das Haus nach seinem Tod zur Exposition seiner Kunstsammlung genutzt werden solle. 1861 wurde es entsprechend umgebaut und hat seither verschiedene Museen beherbergt. Das FOAM befindet sich seit 2002 an dieser Stelle.

Die Ausstellungssäle sind aufgrund der Geschichte des Gebäudes sehr individuell geschnitten – an manchen Stellen steht man sehr gedrängt. Ob sich ein Besuch lohnt, hängt zudem sehr von den aktuell gezeigten Ausstellungen ab. Doch mit etwas Glück sieht man dann eine Retrospektive von Henri Cartier-Bresson, Bilder von Richard Avedon, die „wiederentdeckten“ Straßenfotografien von Vivian Maier oder bewegende Werke junger, noch unbekannter Fotografen. Personen mit einer Museumkaart, einer Amsterdam City Card oder einem Holland Pass zahlen nur 1,50 Euro Eintritt.

Unseen Photo Fair, Amsterdam

Mehr junge Fotografie bietet der Unseen Photo Fair – dieses Jahr vom 18. bis 20. September 2015. Die Messe und Ausstellung konzentriert sich auf unentdeckte fotografische Talente und bisher ungesehene Werke etablierter Fotografen. „Unseen, the fair with a festival flair“ ist eine Initiative des FOAM Fotografiemuseums.

Eine Liste aller teilnehmenden Gallerien findet man auf der (englischsprachigen) Seite unseenamsterdam.com

Nederlands Fotomuseum, Rotterdam

Neue und alte Fotografie treffen im Nederlands Fotomuseum Rotterdam aufeinander. In der „Dunkelkammer“ im Untergeschoss des Museums können die Besucher in niederländischer und englischer Sprache interaktiv alles über die Geschichte der niederländischen Fotografie erfahren. Abhängig davon, in welches „Entwicklerbad“ man sein „Fotopapier“ legt, erfährt man in kurzen Filmen verschiedene Teilstücke der niederländischen Fotografiegeschichte.

Die Sammlung des Fotomuseums basiert auf der Sammlung des Nederlands Fotoarchief. Und tatsächlich ruhen Archive von rund 80 niederländischen Fotografen hier im Magazin. Da nicht ständig alle Fotos gezeigt werden können, wählen für die feste Wechselausstellung De Collectie belicht door … regelmäßig wechselnde Gast-Kuratoren besondere Bilder aus der Sammlung aus.

Mit wechselnden Ausstellungen schaut das Museum aber auch über den Tellerrand hinaus. Anfang 2016 werden zum Beispiel die lebensgroßen Polaroidwerke des deutschen Künstlers Ulay erwartet, in Herbst 2015 zeigt das Museum die Modefotografie des deutschstämmigen Amerikaners Horst P. Horst.


[1] ZIGT Mediabureau: Media-tijdsbesteding van Nederlanders in kaart, 30.04.2014, Onlineversion.
[2] o.A.: 'Zoekend' Bredase museum MOTI groeit verder, in: BN De Stem (20.04.2015), Onlineversion.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2015