VIII. Niederländische Kulturgüter

Fahrräder, Tulpen, Käse und Klompen – das ist doch wohl typisch niederländisch, oder?! Die Niederländer, für ihren kaufmännischen Instinkt bekannt, regen sich über die stereotypischen Assoziationen der Touristen im Lande nicht auf, sondern machen sie zu Geld. Und gibt es nicht nur für die „Klassiker“ jeweils eigene Museen, sondern auch für jüngere niederländische „Kulturgüter“ wie beispielsweise Marihuana.

Internationaal Klompenmuseum, Eelde

Klompen sind traditionelle Holzschuhe, die im Mittelalter und auch lange danach noch in großen Teilen Europas getragen wurden. Vor allem Arbeiter und Bauern schätzten das stabile Schuhwerk, das Schutz gegen Rinder- oder Pferdehufe bot und Abstand zum oft nassen Boden gewährleistete. Noch heute gibt es im Niederländischen viele Redensarten, die sich auf die Holzschuhe beziehen, zwei niederländische Ortschaften heißen De Klomp und die größte Klompenfabrik der Welt steht im gelderländischen Beltrum.

Das Internationale Klompenmuseum in Eelde feiert 2015 sein 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ist dort in diesem Jahr eine Sonderausstellung zu sehen, welche die Parade-paar-tjes, also die schönsten Paare der 2.200 Klompen umfassenden Sammlung zeigt. Vom 1. April bis Ende November können Besucher hier nicht nur die Schuhe selbst bewundern, sondern auch alles über Herstellung und Geschichte der Klompen erfahren.

Museum Adresse Website App
Internationaal Klompenmuseum Wolfhorn 1a , Eelde klompenmuseum.nl iOs
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Hollands Kaasmuseum Waagplein 2, Alkmaar kaasmuseum.nl
Nationaal Fietsmuseum Velorama Waalkade 107, Nijmegen velorama.nl
Heineken Experience Stadhouderskade 78, Amsterdam heineken.com iOS
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Hash, Marihuana & Hemp Museum Oudezijds Achterburgwal 148, Amsterdam hashmuseum.com
Nationaal Jenever Museum Lange Haven 74-76, Schiedam jenevermuseum.nl
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Hollands Kaasmuseum, Alkmaar

In der Käsestadt Alkmaar gibt es nicht nur den berühmten Käsemarkt, sondern auch das Hollands Kaasmuseum. Rund 30.000 Besucher kommen jährlich, um zu erfahren, wie holländischer Käse hergestellt wird. Wie wichtig die Niederländer diese Kulturtechnik finden, sieht man auch daran, dass niemand geringerer als König Willem-Alexander das Museum nach einer Komplettrenovierung im März 2014 wiedereröffnet hat.

Untergebracht ist das Museum im Waaggebouw am Waagplein, wo im Sommer der Käsemarkt stattfindet Die Sammlung besteht aus historischen Werkzeugen zur Käseherstellung, Film- und Bildmaterial und Gemälden. Für Kinder gibt es eine Schnitzeljagd, mit der sie das Museum kennenlernen können. Geöffnet ist das Museum von April bis Oktober, Montag bis Samstag von 10-16 Uhr. Außerhalb der Saison kann man es samstags besuchen.

Nationaal Fietsmuseum Velorama, Nijmegen

Das Fahrrad genießt in den Niederlanden einen sehr hohen Stellenwert. Kein Wunder also, dass diesem Gefährt ein Nationalmuseum gewidmet ist. Im Velorama im Universitätsstädtchen Nijmegen können Besucher das Verlobungstandem von Königin Juliana bewundern, das Rennrad, mit dem der Niederländer Wim van Est bei der Tour de France einst stürzte, hölzerne Räder, amerikanische Räde, Laufräder, und und und.

Nirgendwo sonst in Westeuropa findet man eine solch große Sammlung an Fahrrädern und Fahrradzubehör, wirbt das Nijmegener Stadtmarketing. Selbst im Museumscafé Velocitas gibt es noch einige Fahrrad-Kuriositäten zu bestaunen. „Für Fahrradliebhaber ein Muss!“, lautet eine Bewertung auf Tripadvisor. Ein anderer Nutzer des Dienstes, gab vier Sterne: „Wir waren dort mit zwei kleinen Kindern (4 und 6) und es hat Spaß gemacht.“

Heineken Experience, Amsterdam

Heerlijk, helder, Heineken! Mit einem Biervolumen von 200 Millionen Hektolitern gehört Heineken zu den größten Bierbrauereien der Welt. Wer das weltbekannte niederländische Bier „erleben“ will, kann dies in der ehemaligen Heineken-Brauerei an der Stadhouderskade 78 in Amsterdam. Diese wurde mit hochmoderner Multimediatechnik zur Heineken Experience umgebaut.

Die Besucher erfahren nicht nur alles über Zutaten und Brauereihandwerk, sowie die Geschichte der Firma und Familie Heineken, sondern werden in die Ausstellung interaktiv eingebunden. Dabei hilft die Heineken Experience-App, die in 9 Sprachen (darunter auch Deutsch) zur Verfügung steht. Kostenloses WiFi für den Besucher ist selbstverständlich. Am Ende der modernen Brauereibesichtigung gibt es dann natürlich noch das obligatorische Bier, deshalb haben Personen unter 18 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen Zutritt.

Nationaal Jenever Museum, Schiedam

Ebenfalls um Alkohol geht es im Nationaal Jenever Museum in Schiedam. Jenever ist ein traditioneller Wacholderschnaps mit mindestens 35 Volumenprozent Alkoholgehalt, der in den Niederlanden, Belgien und dem Nordwesten Deutschlands hergestellt wird. In Schiedam siedelten sich die ersten Schnapsbrennereien bereits im 16. Jahrhundert an, noch heute wird in der Brennerei des Jenevermuseums nach einem Rezept aus dem 17. Jahrhundert gebrannt. Gruppen können auch eine (niederländischsprachige) Führung durch die Brennerei buchen und beim Schnapsbrennen mithelfen.

Hash, Marihuana & Hemp Museum, Amsterdam

Mit anderen Drogen beschäftigt sich das Hash, Marihuana Hemp Museum in Amsterdam. 1985 wurde es von Ben Dronkers und Ed Rosenthal gegründet: das erste Museum der Welt, das sich ausschließlich mit Cannabis beschäftigt. Seitdem ist die Sammlung auf über 6.000 Einzelobjekte angewachsen, weshalb die ursprünglichen Räume zu klein wurden und der Teil der Ausstellung in eine Dependance ein paar Häuser weiter, die sogenannte Museum Gallery, ausgelagert wurde. Es ist aus deutscher Sicht bemerkenswert, dass gerade die ehemalige Gesundheitsministerin Hedy D’Ancona (PvdA, 1989-1994) 2012 die Rede bei der Wiedereröffnung des Museums hielt.

Im Museum erfährt man alles über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Hanf, Haschisch und Marihuana. Unterschieden wird dabei zwischen industrieller, kultureller und medizinischer Nutzung. Außerdem wird über die Hanfsamen als Nahrungsmittel und die Pflanze selbst informiert. Geöffnet ist das Museum jeden Tag von 10 bis 22 Uhr, ausgenommen Königstag, Silvester und Neujahr.

Amsterdam Tulip Museum

Das Amsterdamer Tulpenmuseum hat sich ganz der „inoffiziellen Nationalblume der Niederländer“ verschrieben. „Entdecken Sie die Geschichte der Tulpe und ihrer bemerkenswerten Reise vom Himalaya zu unseren Gärten“, heißt es auf der Website des Museums, die in zwölf(!) Sprachen übersetzt ist.

Auf mehreren Stockwerken und einer Fläche von 2.200 Quadratmetern zeigt das Tulpenmuseum Kunstgegenstände, Filme und Artefakte zur Geschichte der berühmten Blume. Im ebenerdigen Museumsladen können u. a. verschiedene Blumenzwiebeln erworben werden, eine Wendeltreppe führt nach unten ins eigentliche Museum. Wer lieber „echte“ Amsterdamer Tulpen bestaunen will, kann dies jeden Morgen ab 9.30 Uhr auf dem Blumenmarkt am Singel zwischen Rokin und Leidsestraat.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2015