VII. Freilichtmuseen und historische Gebäude

Touristen an der Zaanse Schans
Touristen an der Zaanse Schans
© NiederlandeNet/Angelika Fliegner

Wer keine Lust hat, seine (Sommer-) Ferien in kühlen Museumsräumen zu verbringen, der findet in den Niederlanden auch jede Menge Freilichtmuseen (nl.: openluchtmusea) oder sehenswerte historische Gebäude, die einen Besuch lohnen.

Zaanse Schans, Zaandam

Etwas nördlich von Amsterdam, am Ostufer des Flusses Zaan, liegt die Zaanse Schans. Seit 1961 wurden viele alte Gebäude aus der Region hertransportiert und wieder aufgebaut. Am Ort vorhandene Windmühlen wurden restauriert und weitere „dazugestellt“. Im Moment sind hier acht Windmühlen aus verschiedenen Jahrhunderten versammelt.

Immer wieder kommen „neue“ Gebäude zum Dorf hinzu, wie zum Beispiel 2007 die Holzsägemühle Het jonge Schaap aus dem 17. Jahrhundert oder 2011 die historische Fassmacherei. Die Besichtigung des Geländes kostet nichts, allerdings muss man bei den Mühlen und anderen Sehenswürdigkeiten Eintritt bezahlen. Das Museumsdorf ist das ganze Jahr über geöffnet.

Neben verschiedenen Windmühlen gibt es hier den ältesten Albert Heijn-Supermarkt der Niederlande, eine Käserei, eine Schnapsbrennerei und eine Klompenmakerij. In Letzterer kann man sowohl verschiedenste hölzerne Klompen als auch moderne Klompen-Hausschuhe aus Plüsch erwerben. Für das leibliche Wohl sorgt man im Pannenkoekenhuis, im Museumscafé oder im Restaurant Hoop op d’Swarte Walvis. Charmanterweise sind die historischen Wohnhäuser im Museumsdorf vermietet und bewohnt.

Die Zaanse Schans lockt jedes Jahr sehr viele Touristen aus aller Welt an. 2013 waren es insgesamt 1,5 Millionen Besucher. Dennoch wurde die Schans-App (siehe Tabelle) nur in niederländischer und englischer Sprache entwickelt, aber immerhin sowohl für das iPhone als auch für Androidgeräte. Neben einer Landkarte des Dorfes bietet sie Informationen über die Geschichte der Zaanse Schans.

Museum Adresse Website App
Zaanse Schans Schansend 7, Zaandam dezaanseschans.nl iOs
Android
Zuiderzeemuseum Wierdijk 17, Enkhuizen zuiderzeemuseum.nl iOs
Android
Madurodam George Maduroplein 1, Den Haag madurodam.nl
Vesting Bourtange W. Lodewijkstraat 33, Bourtange bourtange.nl
Nederlands Openluchtmuseum Hoeferlaan 4, Arnhem openluchtmuseum.nl iOS

Zuiderzeemuseum, Enkhuizen

Das Zuiderzeemuseum verfolgt das gleiche Prinzip wie die Zaanse Schans, doch es ist um einiges größer und bietet mehr Flair dank historisch gekleideter „Museumsbewohner“. Die Besucher können dem Bäcker, dem Seilmacher oder dem Klompenmacher oder einer fleißigen Hausfrau bei der Arbeit zusehen. Neben diesem „Außenmuseum“ gibt es auch noch ein „Innenmuseum“, das alte Boote und Werkzeuge der Bauern und Fischer zeigt. Das Binnenmuseum ist das ganze Jahr über geöffnet, das Buitenmuseum hingegen hat nur von Ende März bis Ende Oktober Saison.

Benannt wurde das Museum nach der ehemaligen Zuiderzee, die nach der Erstellung des Afsluitdijks in den 1930er Jahren zum IJsselmeer wurde. Man hatte die Sorge, dass mit der einschneidenden Veränderung auch die ursprüngliche Kultur des Landstriches verschwinden würde. Unverändert geblieben ist, dass Enkhuizen auch heute noch am Wasser liegt, Das Museum kann deshalb auch mit einer Fähre erreicht werden. Im Jahr 2014 besuchten es rund 290.500 Personen.

Madurodam, Den Haag

Grachtenhäuser, Tulpenfelder, Käsemarkt, Windmühlen, der Friedenspalast, oder die Deltawerke – das alles findet man in Madurodam. Der Miniaturenpark zeigt das ganze Jahr über auf 62.600 Quadratmeternüber 700 „typical Dutch must-sees“. Der Maßstab ist 1:25.

Das Museum ist für Kinder konzipiert: Man darf selbst das Oosterschelde-Sturmflutwehr vor der Sturmflut schließen, Container auf ein Frachtschiff im Rotterdamer Hafen laden, mit einem Flugzeug vom Flughafen Schiphol starten, und auf der Blumenversteigerung mitbieten oder wie DJ Armin van Buuren Platten auflegen. Inzwischen kann man eine digitale 3D-Kopie von sich selbst machen lassen und dann eine Mini-me-Version nach Hause bestellen.

Bei den Eintrittspreisen hört die Kinderfreundlichkeit jedoch wieder auf. Nur bis zum vierten Geburtstag haben Kinder gratis Zugang zum Park. Dann kostet es 15,50 Euro an der Kasse und 13,50 Euro, wenn man das Ticket online kauft. Etwas günstiger ist nur mit einem Familien- oder Freundesticket. Das kostet für 4 Personen 45,00 Euro.

Eröffnet wurde der Park 1952. Namensgeber war der niederländische Student George Maduro, der im Zweiten Weltkrieg im Widerstand arbeitete und 1945 im Konzentrationslager Dachau verstarb. Seine Eltern wollten für ihren einzigen Sohn ein lebendiges Monument schaffen. Das ist gelungen. Jährlich kommen 600.000 zahlende Besucher in den Park.

Vesting Bourtange, Bourtange

In der Nähe der deutschen Grenze, in Süd-Ost-Groningen, liegt die bewohnte Festung Bourtange. Man ist auf deutsche Touristen eingestellt: Die Website lässt sich durch einen Klick auf die schwarz-rot-goldene Fahne im oberen rechten Eck des Bildschirms einfach auf Deutsch umstellen.

Die sternförmige Anlage wurde Ende des 16. Jahrhunderts gebaut und bis 1851 als Festung genutzt. Ab den 1960er Jahren wurden viele historische Gebäude rekonstruiert, weshalb heute eine Festungsanlage besichtigt werden kann, die ihresgleichen sucht. Bourtange hat beinahe das gleiche Erscheinungsbild wie im Jahr 1742: Ein Museumsdorf mit schönem Marktplatz, einer Kirche, verschiedenen Mühlen, Zugbrücken, wassergefüllte Gräben, Erdwällen und fünf Bastionen.

Der Eintritt zur Festung ist gratis, die Kombikarte für die drei Museen in der Festung kosten für Erwachsene 7,50 Euro. Im Museum De Baracquen kann man sehen, wie Soldaten im 18. Jahrhundert in der Festung untergebracht waren, in der Kapiteinswoning sieht man, wie ein Offizier im 17. Jahrhundert lebte. In der Batterijenstraat findet man die jüdische Synagoge, die 1842 gebaut wurde. Sie ist die einzige gut erhaltene Synagoge entlang der niederländisch-deutschen Grenze.

Das Freilichtmuseum lädt regelmäßig zu besonderen Veranstaltungen ein. Anfang Mai gibt es einen Frühlingsmarkt in Bourtange, im August findet ein mehrtägiger Mittelaltermarkt innerhalb der Festungsmauern statt, im September folgt dann der Herbstmarkt und im Dezember gibt es an den ersten drei Wochenenden einen Weihnachtsmarkt.

Nederlands Openluchtmuseum, Arnhem

Das Niederländische Freilichtmuseum bei Arnheim will die niederländische Geschichte der einfachen Menschen zum Leben erwecken. Neben Bauernhöfen aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, Amsterdamer Arbeiterhäuschen aus dem 18. Jahrhundert, mehreren Windmühlen, einer Kirche, einer dampfbetriebenen Käse- und Rahmbutterfabrik und einer Zugbrücke aus dem 14. Jahrhundert gibt es hier auch eine Straßenbahn, Gewächshäuser aus den 1960er Jahren oder einen Wohnwagen aus den 1980er Jahren.

Viele Aktivitäten machen den Besuch des Museums gerade für Kinder attraktiv: Lämmer bestaunen, der Waschfrau beim Bleichen der Wäsche helfen, Wasser pumpen, Wolle färben, dem Bäcker oder dem Radmacher bei der Arbeit zusehen, Tiere streicheln, eigenes Brot backen, Stricken lernen, Schlittschuh laufen, Flachs bearbeiten und spinnen, weben,…

An Wochentagen geschlossen ist das Museum vom 12. Januar bis zum 31. März, an den Wochenenden erhält man zu reduzierten Tarifen Einlass. Die eigentliche Saison beginnt allerdings erst am 1. April, dann sind auch erst alle Ausstellungen wieder zugänglich und alle Cafés wieder geöffnet.

Mehr zum Nederlands Openluchtmuseum finden Sie auch in unserem archivierten Dossier zur niederländischen Museumslandschaft

Sehenswerte historische Gebäude

In den Niederlanden gibt es unglaublich viele sehenswerte historische Gebäude. Allein der 400 Jahre alte Grachtengürtel in Amsterdam bietet ein schönes historisches Haus am anderen. Amsterdam-Besucher, die kurz ausruhen wollen, sollten den Begijnhof – zugänglich über Het Spui – besuchen.

Wer in Den Haag ist, sollte wenigstens einmal durch den Binnenhof spazieren. Der Gebäudekomplex im Zentrum der Stadt ist seit dem 15. Jahrhundert Sitz des niederländischen Parlaments. Wer Glück hat, kann dort einen ranghohen niederländischen Politiker sehen. Die Chance erhöht sich an Freitagen, denn dann ist üblicherweise Ministerrat im Trêveszaal. Führungen (in niederländischer Sprache) bucht man über ProDemos. Hier kann man als deutsch- oder englischsprachiger Besucher auch eine Audio-Tour buchen.

Königshaus-Fans sollten natürlich wenigstens eine königliche Immobilie besuchen: Es bieten sich an Palais Soestdijk in Baarn, Huis Doorn in dem ab 1920 der deutsche Kaiser Wilhelm II im Exil lebte, oder Het Loo, ein ehemaliges Königsschloss nordwestlich von Apeldoorn, das für seinen Barockgarten berühmt ist.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2015