IV. Design

Design im Boijmans
Design im Boijmans
© NiederlandeNet/Angelika Fliegner

Dutch Design, vor allem niederländisches Produkt-Design, ist nüchtern und minimalistisch und gleichzeitig humorvoll und innovativ (siehe auch Dossier Dutch Design). Ein eigenes Design-Museum gibt es in den Niederlanden nicht, doch jedes Jahr im Oktober findet in Eindhoven die Dutch Design Week (DDW) statt, während derer man in der ganzen Stadt Ausstellungen mit jungem niederländischen Design bestaunen kann

Dutch Design Week, Eindhoven

Die DDW 2015 ist für den 17. bis 25. Oktober geplant. 2002 wurde zum ersten Mal eine Week van het Ontwerp ausgerichtet. Seitdem findet die DDW jährlich statt und ist mit mehr als 250.000 Besuchern die größte Veranstaltung ihrer Art in Nordeuropa. Neben Abschlussarbeiten junger niederländischer Kunststudenten und Objekten von jungen Designern werden auch Designklassiker und Vintagemöbel ausgestellt und zum Teil zum Kauf angeboten.

Zum Auftakt der DDW werden außerdem die international renommierten Dutch Design Awards, sozusagen die Oscars der Designerwelt, verliehen. Die Werke aller Dutch Design Award-Finalistinnen und -Finalisten werden dann üblicherweise in einer gemeinsamen Ausstellung gezeigt. Neben diversen Ausstellungen überall in der Stadt finden während der DDW Workshops und Seminare, Symposien, Lesungen und Partys statt. 2014 waren es 387 Events an 86 verschiedenen Locations.:

Stedelijk Museum, Amsterdam

Wer nicht im Oktober in die Niederlande reisen und dennoch Dutch Design erleben will, der kann das ganze Jahr über im Stedelijk Museum Amsterdam die Design-Sammlung besuchen.Nach der Wiedereröffnung im September 2012 (NiederlandeNet berichtete) wurde ein großer Teil des Erdgeschosses für eine Dutch Design-Dauerausstellung eingerichtet. Laut Selbstdarstellung ist das Stedelijk Museum damit das größte Museum für moderne und zeitgenössische Kunst und Gestaltung in den Niederlanden.

Neben Klassikern wie dem rot-blauen Stuhl von Gerrit Rietveld sind in der Design-Abteilung auch moderne Entwürfe niederländischer Designer zu sehen, zum Beispiel der Knotted Chair von Marcel Wanders oder Teile der Clay Furniture von Maarten Baas. Auch Entwürfe internationaler Designer wie Philippe Starck oder Ettore Sottsass werden hier ausgestellt. Mehr zum Stedelijk auch in Kapitel II. Kunstmuseen.

Hôtel Droog, Amsterdam

Wer Dutch Design in Amsterdam nicht nur betrachten, sondern auch kaufen will, der muss ins Hôtel Droog in der Staalstraat gehen. Das international renommierte niederländische Designkollektiv Droog hat hier im historischen Zentrum Amsterdams ein ungewöhnliches Hotel mit nur einem einzigen Schlafzimmer geschaffen.

In der Gallerie im Erdgeschoss finden wechselnde Design-Ausstellungen statt und im angeschlossenen Droog Store können die schön geformten Alltagsgegenstände, Kleidung oder Möbel erworben werden. Im kleinen – natürlich ebenfalls schön gestalteten – Garten des Hotels kann sich der Amsterdam-Besucher kurz erholen, im Café in der ersten Etage kriegt er in schönster Design-Atmosphäre einen Happen zu essen und etwas zu trinken serviert. Achtung: Genau wie ein Museum hat das Hôtel Droog an Montagen geschlossen.

Boijmans van Beuningen, Rotterdam

Historische und moderne niederländische Formgebung treffen im Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam aufeinander. Hier steht das niederländische Tulpenkabinett aus dem 17. Jahrhundert neben einem Stuhl des US-amerikanischen Architekten und Designers Charles Eames. Mittelalterliche Töpferarbeiten werden neben einem Service der niederländischen Designerin Hella Jongerius gezeigt. Neben Gebrauchsgegenständen finden sich auch reine Kunstobjekte im Boijmans wie zum Beispiel mehrere der typisch monochromen und glatten Skulpturen aus Polyesterharz des deutschen Bildhauers Thomas Rentmeister.

Das Museum Boijmans van Beuningen ist das größte Kunstmuseum in Rotterdam mit zahlreichen Gemälden und Skulpturen. Seinen Namen verdankt es zwei Sammlungen, die die Basis für den heutigen Bestand des Museums legten: Die Sammlung des Rotterdamer Rechtsanwalts Frans Jacob Otto Boijmans sowie die Sammlung des Industriellen und Reeders Daniel George van Beuningen. Das Gebäude selbst steht unter Denkmalschutz. Wer sowieso schon hier ist, sollte unbedingt das naheliegende Nieuwe Instituut und Huis Sonneveld besuchen (siehe Kapitel III. Architektur).

Museum Adresse Website App
Het Nieuwe Instituut Museumpark 25, Rotterdam hetnieuweinstituut.nl
Huis Sonneveld Jongkindstraat 12, Rotterdam huissonneveld.nl
Rietveld-Schröderhuis Prins Hendriklaan 50, Utrecht centraalmuseum.nl iOs
3D Print Canal House Badhuiskade 11, Amsterdam 3dprintcanalhouse.com

Van Nelle-Fabrik, Rotterdam

Das Van Nelle-Fabrik-Gebäude am Delfshavense Schie entstand etwa fünf Jahre vor Huis Sonneveld. Auch hier war das ausführende Architekturbüro Brinkman & van der Vlugt. Das Gebäude wird heute als Musterbeispiel für das neue Bauen betrachtet. Bei ihrer Eröffnung 1931 galt die Fabrik als eines der innovativsten und modernsten Gebäude ihrer Zeit. Es ist inzwischen Industrieel Rijksmonument und 2014 erklärte die UNESCO die Van Nelle-Fabrik sogar zum Weltkulturerbe (NiederlandeNet berichtete).

Seit 1995 wird hier nichts mehr produziert. Nach einer gründlichen Renovierung zogen 2001 die ersten Mieter ein: Heute haben hier 80 kleinere und größere Unternehmen ihren Sitz.: Architekten, Marketingbetriebe, Designer, aber auch Anwälte und Finanzdienstleister haben sich eingemietet. Außerdem finden im Gebäude regelmäßig Lesungen, Kongresse und Kulturevents statt. Für Touristen ist das Gebäude  nicht frei zugänglich.

Rietveld-Schröderhuis, Utrecht

Ein weiteres Gebäude in den Niederlanden, das auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste steht, ist das Rietveld-Schröderhuis in Utrecht. Architekt Gerrit Rietveld entwarf das Wohnhaus für Truus Schröder-Schräder, die bis zu ihrem Tod 1985 hier wohnte. Das Haus, eine „dimensionale asymmetrische Komposition“ , aus dem Jahr 1924 ist ganz im Stile der niederländischen Kunstbewegung De Stijl gestaltet. Diese kombinierte einfache Formen mit den primären Farben rot, gelb und blau sowie weiß, schwarz und grau. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Kunstrichtung zählen unter anderen Theo van Doesburg und Piet Mondriaan.

Wie bei Huis Sonneveld wurde nicht nur das Gebäude selbst sondern auch das Innere vom Architekten gestaltet. Hierbei orientierte er sich am Haus selbst: Rechtecke und gerade Linien dominieren. Wer das Haus besichtigen will, muss beim Centraal Museum Utrecht eine Audio-Tour reservieren. Diese gibt es auch in deutscher Sprache. Besuchergruppen dürfen maximal aus 12 Personen bestehen.

Einen kompletten Guide mit allen Rietveld-Gebäuden, den Geschichten hinter den Projekten, GPS-Karten und Wegkarten in und um Utrecht bietet die iPhone-App: Rietveld Architecture.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2015