III. Architektur

  Het Nieuwe Instituut am Rotterdamer Museumpark
Het Nieuwe Instituut am Rotterdamer Museumpark

Menschen, die sich für moderne Architektur begeistern oder Architektur studieren, sollten auf jeden Fall nach Rotterdam fahren. Die Stadt bietet bereits in „freier Wildbahn“ jede Menge moderne Gebäude zum Staunen, wie z.B. die mit dem Rotterdamer Architekturpreis ausgezeichnete Bahnhofshalle Rotterdam Centraal, den Maastoren, De Unie oder die jüngst eröffnete Markthalle Rotterdam (NiederlandeNet berichtete). Wer diese moderenen architektonischen Höhepunkte der Stadt sehen will, sollte eine Architektur-Führung buchen. Zum Beispiel über http://www.rotterdam-archiguides.nl/.

Aber, Achtung! Deutsche Touristen sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass die Rotterdamer Altstadt 1940 durch deutsche Bomben zerstört wurde. Das moderne Gesicht der Stadt ist unter anderem diesem Umstand geschuldet.

Het Nieuwe Instituut, Rotterdam

In Het Nieuwe Instituut (ein Zusammenschluss des Nederlands Architectuur Instituut, Premsela und der Virtueel Platform) können Besucher Einblick in die Entwicklung der niederländischen Architektur innerhalb der letzten 130 Jahre gewinnen. Zeichnungen, Fotos, Modelle, Werbeanzeigen, Korrespondenz zwischen Architekten, Bauherren oder Investoren sowie Zeitungsartikel sind hier versammelt. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Het Nieuwe Bouwen (dt.: das neue Bauen), das sich durch Funktionalität und das Schlichtheit auszeichnet.

Auch in der Bibliotheekscollectie, welche Publikationen über niederländische und ausländische Architektur sammelt und verwaltet, liegt das Hauptaugenmerk auf der Moderne (ab dem 19. Jahrhundert).

Huis Sonneveld, Rotterdam

Huis Sonneveld
Huis Sonneveld
© NiederlandeNet/Angelika Fliegner

Wem das alles zu theoretisch ist, der sollte Huis Sonneveld, das etwa 200 Meter von Het Nieuwe Instituut entfernt am Rande des Rotterdamer Museumparks liegt, besuchen. Das Haus wurde in den 1930er Jahren im Auftrag des Ehepaars Gesine und Albertus Sonneveld vom Architekturbüro Brinkman & van der Vlugt entworfen und ist heute eines der am besten erhaltenen Wohnhäuser im Stil des neuen Bauens. Das Haus ist ein Gesamtkunstwerk: Der Architekt Leendert van der Vlugt gab nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Hauses vor, sondern gestaltete auch die Innenräume. Er wählte Möbel, Stoffe und Accessoires immer im Hinblick auf die Funktionalität des Gebäudes. Seit 2001 ist das Haus ein Museum mit jährlich rund 30.000 Besuchern.

Um eine möglichst authentische Atmosphäre zu erzeugen, stehen auch kostbare (Kunst-)Objekte in Huis Sonneveld nicht in Vitrinen. Die Besucher müssen jedoch einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten, sonst geht ein Alarm los. Um den Fußboden zu schonen, wurden spiegelnde Platten verlegt und müssen die Besucher Überschuhe (nl. sloffen) anziehen.

Familie Sonneveld gehörte zur kulturellen Elite von Rotterdam - Albertus Sonneveld war einer der Geschäftsführer der Rotterdamer Kaffee- und Tabak-Fabrik Van Nelle.

Museum Adresse Website App
Het Nieuwe Instituut Museumpark 25, Rotterdam hetnieuweinstituut.nl
Huis Sonneveld Jongkindstraat 12, Rotterdam huissonneveld.nl
Rietveld-Schröderhuis Prins Hendriklaan 50, Utrecht centraalmuseum.nl iOs
3D Print Canal House Badhuiskade 11, Amsterdam 3dprintcanalhouse.com

Van Nelle-Fabrik, Rotterdam

Das Van Nelle-Fabrik-Gebäude am Delfshavense Schie entstand etwa fünf Jahre vor Huis Sonneveld. Auch hier war das ausführende Architekturbüro Brinkman & van der Vlugt. Das Gebäude wird heute als Musterbeispiel für das neue Bauen betrachtet. Bei ihrer Eröffnung 1931 galt die Fabrik als eines der innovativsten und modernsten Gebäude ihrer Zeit. Es ist inzwischen Industrieel Rijksmonument und 2014 erklärte die UNESCO die Van Nelle-Fabrik sogar zum Weltkulturerbe (NiederlandeNet berichtete).

Seit 1995 wird hier nichts mehr produziert. Nach einer gründlichen Renovierung zogen 2001 die ersten Mieter ein: Heute haben hier 80 kleinere und größere Unternehmen ihren Sitz.: Architekten, Marketingbetriebe, Designer, aber auch Anwälte und Finanzdienstleister haben sich eingemietet. Außerdem finden im Gebäude regelmäßig Lesungen, Kongresse und Kulturevents statt. Für Touristen ist das Gebäude  nicht frei zugänglich.

Rietveld-Schröderhuis, Utrecht

Ein weiteres Gebäude in den Niederlanden, das auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste steht, ist das Rietveld-Schröderhuis in Utrecht. Architekt Gerrit Rietveld entwarf das Wohnhaus für Truus Schröder-Schräder, die bis zu ihrem Tod 1985 hier wohnte. Das Haus, eine „dimensionale asymmetrische Komposition“.[1], aus dem Jahr 1924 ist ganz im Stile der niederländischen Kunstbewegung De Stijl gestaltet. Diese kombinierte einfache Formen mit den primären Farben rot, gelb und blau sowie weiß, schwarz und grau. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Kunstrichtung zählen unter anderen Theo van Doesburg und Piet Mondriaan.

Wie bei Huis Sonneveld wurde nicht nur das Gebäude selbst sondern auch das Innere vom Architekten gestaltet. Hierbei orientierte er sich am Haus selbst: Rechtecke und gerade Linien dominieren. Wer das Haus besichtigen will, muss beim Centraal Museum Utrecht eine Audio-Tour reservieren. Diese gibt es auch in deutscher Sprache. Besuchergruppen dürfen maximal aus 12 Personen bestehen.

Einen kompletten Guide mit allen Rietveld-Gebäuden, den Geschichten hinter den Projekten, GPS-Karten und Wegkarten in und um Utrecht bietet die iPhone-App: Rietveld Architecture.

3D Print Canal House, Amsterdam

Ein besonderes Architekturprojekt in der Entstehung kann man derzeit in Amsterdam-Nord besichtigen: Hier wird ein Grachtenhaus mit einem riesigen 3D-Drucker aus Kunststoff „gedruckt“. Die Baustelle kann für 2,50 Euro an drei Tagen die Woche besichtigt werden. Ein Audio-Guide kann auf der Website des Projekts gratis heruntergeladen werden. Gruppen können auch eine geführte Tour buchen – diese sind dann allerdings etwas teurer.

Hinter der innovativen Idee steckt das Architekturbüro DUS architects aus Amsterdam. Vier Stockwerke hoch soll das Haus werden, mit 13 Zimmern und charakteristischem Treppengiebel. Das deutsche Unternehmen Henkel ist einer der Partner des 3-D-Grachtenhauses und entwickelt den Baustoff, zum Beispiel aus Bio-Leinsaat.[2]


[1] Centraal Museum: Rietveld Schröderhuis, Onlineversion

[2] dpa, Grachtenhaus aus dem 3D-Drucker, in: Badische Zeitung (10.01.2015), Onlineversion

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2015