IV. Große niederländische Marken

Floris van Bommel

Rund 280 Jahre ist der Familienbetrieb Van Bommel alt, war Lieferant des niederländischen Königshofes und ist heute Trendsetter in Sachen Schuhmode. Er fertigt unkonventionelle, coole Schuhe der Marke Floris van Bommel. Lange stand die niederländische Schuhmanufaktur Van Bommel allein für solides Handwerk. Seitdem Floris van Bommel als Kreativdirektor des Familienunternehmens arbeitet, hat sich das Image der Marke verjüngt und gilt auch außerhalb der Niederlande als absoluter Renner.

Mindestens 200 Arbeitsschritte, viele davon in Handarbeit, sind bis zur Fertigstellung eines Van Bommel-Schuhs notwendig. Er kostet zwischen 200 und 600 Euro. Tragen kann man ihn laut Unternehmensleitung wohl schon mal zwei Jahrzehnte lang, denn er gilt als unverwüstlich. Letztlich hängt die Lebensdauer eines Schuhs wohl von dem ab, der ihn trägt. Trotzdem gehört Floris van Bommel zu den Modemarken der Niederlande, die einiges für die Reputation der Holländer tun und zu einen frischen und hippen Ruf des Landes als Modenation beitragen.

Genau diese Frische hatte man dem Unternehmens Van Bommel lange nicht mehr zugetraut. Selbst Familienoberhaupt Frans van Bommel machte sich Ende der 1990er Jahre Sorgen. Gute Qualität und königliche Unterstützung reichten nicht, um das Unternehmen ins neue Jahrtausend zu führen. Frans machte schließlich seinen Sohn Floris zum Chef. Der war zwar nicht besonders fleißig, hatte aber gute Ideen und war genau der richtige, die Marke als frische modische Linie für eine neue Generation zugänglich zu machen. Seine beiden Brüder Reynier und Pepijn halfen Floris auf der kaufmännischen Seite. Floris übernahm den Part des Kreativdirektors – und das mit ziemlichem Erfolg. Heute ist Floris van Bommel nicht nur eine in ganz Europa begehrte Marke, sondern auch die einzige Schuhmanufaktur der Niederlande. Zum Vergleich: Als Vater Frans seine Karriere begann, gab es noch 200 Schuhmanufakturen in den Niederlanden.

Sohn Floris van Bommel ist mittlerweile das Gesicht der Marke und so populär in den Niederlanden, dass er in Talkshows auftritt – während seine Brüder die Geschäfte erledigen und sich im Hintergrund halten. Seine anfängliche Schüchternheit hat Floris abgelegt. Die Vermarktung seiner Person fällt ihm mittlerweile nicht mehr schwer, er findet sogar Gefallen, sich verrückte Dinge auszudenken. Zum Beispiel lässt er das Wort „Foodwear“ in die Schuhe einstanzen. „Das haben wir absichtlich gemacht: Foodwear statt Footwear. Mir ist aufgefallen, dass Menschen gerne Fehler entdecken. Hier finden sie einen – und schon gebe ich ihnen ein gutes Gefühl!“, sagte er in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung. Eine andere Sohle ziert der selbstironische Spruch „FvB since 1734, and still got no clue“ – schon ewig im Geschäft, aber immer noch keine Ahnung.

2003 zog sich der Vater aus dem Unternehmen zurück. Die Firma Van Bommel produziert heute täglich 600 Paar Schuhe. Die meisten der jährlich 430.000 Schuhe kommen allerdings nicht mehr aus den Niederlanden, sondern werden in Portugal gefertigt.

G-Star, Gaastra, Oilily und Mexx

Wie die Jeans-Marken Diesel oder Replay hat die niederländische Marke G-Star die Jeans zum Kultprodukt gemacht. 1989 baute Jos van Tilburg die Marke G-Star auf. Bis sie jedoch ihren Kultstatus erreichte, dauert es noch ein wenig. In Zusammenarbeit mit dem französischen Jeansdesigner Pierre Morisset entstand zunächst das Design „Elwood“, das die Marke zu internationaler Bekanntheit führte. Für alle G-Star-Fans wird klar: Wer G-Star trägt will vor allem als Rebell wirken. Jedes Jahr bringt G-Star eine neue Kollektion heraus. Zuletzt setzten die Niederländer auf tiefsitzende Cargo-Hosen. Breite, schwarze Ledergürtel werden teilweise mehrfach auf der Hüfte übereinander getragen. In der Damenmode tauchen sie wieder auf bei Trenchcoats und Kleidern, die damit in der Taille sehr eng geschnürt werden.

Auch Gaastra gehört zu den großen niederländischen Marken. 1897 fing das kleine Familienunternehmen als Tuchmacher und Segelmacherfirma in Sneek an. Douwe Gaastra wollte den Segelsport noch effizienter und ästhetischer machen. Der Durchbruch als coole Modemarke gelang dem Unternehmen aber erst gut 100 Jahre später. 1996 kam die erste Kollektion von Gaastra Sportswear, eine funktionelle, maritime Lifestylemarke mit großem Erfolg auf den Markt. Heute hat die Marke den Ruf, eine authentische Modemarke für den Sport zu sein. Vor allem assoziiert der Käufer mit der Marke Gaastra große Leidenschaft für Wasser und Segeln.

Auch Oilily ist ein Familienunternehmen aus den Niederlanden. Willem und Marieke Olsthoorn hatten es 1963 gegründet. Damals war allerdings der Betrieb vor allem auf Kinderkleidung spezialisiert. Der Stil war bunt, verspielt und eben kindgerecht. Diese Idee wirkte so überzeugend, dass auch große Stars ihre Kinder in Mode von Oilily kleideten – die Kinder von John Travolta, Madonna, Michael Jackson oder Bill Cosby gehörten zu den Fans von Oilily. Bald gelang es dem Unternehmen auch, den Markt für Damenbekleidung zu erobern. Markenbotschafterinnen wurden Schauspielerinnen wie Julia Roberts und Melanie Griffith . 2008 ging Oilily allerdings unter der Führung eines Finanzinvestors in Konkurs. Anfang 2009 kaufte die Familie die Marke zurück.

Auch Mexx gehört zu den großen Modemarken der Niederlande. Die Geschichte des Unternehmens begann in den 1970er Jahren mit dem Modedesigner Rattan Chadha – ein Niederländer indischer Abstammung. Er verkaufte Bekleidung in Kaufhäusern und Bekleidungsläden, die er speziell für die jeweiligen Läden und Shops entwarf und herstellte. 1980 gründete Rattan Chadha in Amsterdam die Kleidermarken Moustache für Männer und Emanuelle für Frauen. Die Labels standen für einen jugendlichen und peppigen Lebensstil. 1986 vereinte Chadha die beiden Labels: Der Name der neuen Firma und der Marke entstand aus der Kombination der Moustache (M) und Emanuelle (E) mit zwei Küssen (XX): MEXX. In den folgenden Jahren wurde Mexx zu einem internationalen Unternehmen mit weltweit über 6.000 Mitarbeitern. Mexx will eine Marke für junge, dynamische Menschen sein, „die ihr Leben lieben“. Das klingt natürlich kokett und dürfte wirklich nur der Imagebildung dienen. Denn nicht nur für Erwachsene, die durchaus auch über 40 Jahre alt und damit nicht mehr ganz so jung sind, designt Mexx, sondern für alle möglichen Zielgruppen, zum Beispiel auch für Babys.

Autor: Martin Roos
Erstellt:
Februar 2013