V. Ausbildung und Plattformen für Mode

Niederländische Modeausbildung

Wer in den Niederlanden eine Karriere im Modedesign oder Modemanagement machen will, entscheidet sich am besten für eine der folgenden zwei Bildungseinrichtungen: Die ArtEZ Academie voor beeldende kunsten in Arnheim oder die Hogeschool van Amsterdam (School of Design and Communication). Natürlich gibt es auch noch andere Lehrstühle für Mode in den Niederlanden, beispielsweise in Breda, Almere, in Den Haag (das Gemeentemuseum Den Haag besitzt eine der besten Modekollektionen weltweit) oder die Academie Beeldende Kunsten in Maastricht. Nur zeigt die Statistik, dass die begabtesten und erfolgreichsten Absolventen bisher aus Arnheim kamen – darunter Viktor & Rolf, Alexander van Slobbe, Spijkers & Spijkers, Saskia van Drimmelen oder auch Jeroen van Tuyl.

Die Arnheimer Ausbildungsstätte erhält auch im nationalen Ranking stets die Spitzennote. Manche Experten (und die kommen nicht nur alle aus Arnheim) zählen sie sogar zu einer der besten Europas, wenn nicht sogar der Welt. Mehr als 20 Prozent der Arnheimer Modestudenten stammen aus dem Ausland. Der Arnheimer Lehrstuhl ist klein: Er hat etwa 20 Tutoren und zählt zurzeit etwas über 125 Studenten.

Niederländische Modenschauen

Amsterdam ist zwar eine höchst kreative Metropole – aber eben nicht in erster Linie eine Modestadt. Denkt man im Zusammenhang mit Amsterdam an Kleidung, dann wohl am ehesten noch an Jeans des niederländischen Vorzeigelabels G-Star. An Couture denken Außenstehende wohl erst einmal nicht. Inzwischen findet seit 2004 zwei Mal im Jahr (jeweils im Januar und Juli) in Amsterdam in einer ehemaligen Gasfabrik die Fashion Week (AIFW) statt. Sie ist die einzige Modemesse von mittlerweile internationalem Gewicht in den Niederlanden. Gesponsert wird sie von großen Unternehmen. Die Amsterdam Fashion Week hat den Anspruch, die Modewelt mit einem originellen und neuen Stil zu inspirieren. Die Shows auf dem Laufsteg werden ergänzt durch eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Feiern in Zusammenarbeit mit Museen und Galerien. Ob es Amsterdam tatsächlich gelingt, mit seinen Shows so viel Aufmerksamkeit zu erregen, dass bald auch Madrid, Barcelona oder Moskau um seine Reputation bangen müssen, wird abzuwarten sein. Gerne wollen nämlich die Amsterdamer mit ihrer Modewoche unter die Top fünf der Modestädte Europas kommen.

2005 fand in Arnheim zum ersten Mal unter der Leitung von Piet Paris die Modebiennale statt, die seitdem alle zwei Jahre veranstaltet wird. Dass dieses Modeevent auch in den Niederlanden starke Anziehungskraft hat, liegt auch an Piet Paris und seiner Erfahrung. Er wurde 1962 geboren und arbeitet mehr als 20 Jahren als Illustrator für Magazine und Kunden auf der ganzen Welt – zuletzt für Viktor & Rolf bei der Spring RTW 2011-Kollektion. Seine Arbeiten waren in der Vogue und Elle zu sehen. 2008 gewann er den Grand Seigneur, den bedeutendsten Modepreis der Niederlande.

Neben dem Rotterdam Fashion Award gewinnt auch der Fashionclash in Maastricht langsam an Profil und erobert seinen Platz in der Modewelt der Niederlande. Es ist mehr als eine reine Modenschau. Hier versuchen die Organisatoren Mode mit anderen Disziplinen wie Produktdesign oder Performancekunst zu verbinden. Scouts von großen Firmen oder Journalisten von bedeutenden Modemagazinen kommen inzwischen regelmäßig; dazu etwa 150 Designer aus 20 Ländern.

Zudem gibt es natürlich noch zahllose kleine Ausstellungen und Messen in den Niederlanden, die aber an Bedeutung nicht an die großen in Amsterdam heranreichen. Erwähnt sei jedoch die Red Light Fashion Amsterdam, bei der junge Nachwuchsdesigner ausgezeichnet werden.

Niederländische Topmodels

Niederländerinnen gehören zu den schönsten Models der Modewelt. So ist beispielsweise Doutzen Kroes neben Heidi Klum und Kate Moss eine der Spitzenverdienerinnen unter den Models. Die nüchterne Friesin arbeitet für die Marke Victoria’s Secrets und hat einen weltweiten Vertrag mit L’Oréal. Sie ist verheiratet und Mutter eines Sohnes. Kroes wirkte bei dem niederländischen 3D-Historiendrame Nova Zembla mit und wird angeblich im ersten kommerziellen Flug ins All 2014 mitfliegen, für den sie ein Gratisticket bekommen hat.

Mirte Maas eröffnete 2009 als Siebzehnjährige die Fashionshow von Alexander Wang in New York. Die Niederländerin arbeitet inzwischen für Chanel, Calvin Klein und Yves Saint Laurent.

Daphne Groeneveld hat nicht nur auf dem Laufsteg Geld verdient – niemand geringeres als Madonna brachte ihr auch das Tanzen für einen Werbefilm von Miu Miu bei. Die Modedesigner sind begeistert von ihr wegen ihrer Gesichtszüge, die in anderen Zeiten wohl eher weniger als attraktiv gegolten hätten: Bei Daphne faszinieren die weit auseinander stehenden Augen und ihre dominanten Brauen. Auch ihr Mund wirkt viel zu groß für das kleine Gesicht. Doch gerade dieses Ungewöhnliche scheint sie so besonders zu machen.

Lara Stone wiederum wuchs als Tochter einer Niederländerin und eines Engländers im Dorf Geldrop in Nord-Brabant auf. Wohl auch die schönste Zahnlücke der Welt machte sie zu einem einzigartigen Model. Sie ist das Gesicht von Spitzenmarken wie Calvin Klein, Tom Ford, DKNY oder auch Prada. 2011 wurde sie von der englischen Zeitschrift GQ zum „Woman of the Year“ gekürt.

Autor: Martin Roos
Erstellt:
Februar 2013