VI. Presselandschaft heute: Monopolisierung und Meinungsvielfalt

Gegenwärtig spielen ausländische Akteure auf dem Zeitungsmarkt der Niederlande eine wichtige Rolle. Zwei der drei dominanten Konzerne im Bereich Print sind nämlich nicht in niederländischer Hand: Während De Persgroep NV aus Flandern stammt, ist die Mecom Group plc in Großbritannien ansässig. Einzig bei der Telegraaf Media Groep NV handelt es sich um ein einheimisches Unternehmen.[1] In diesem Zusammenhang ist auf den Umstand zu verweisen, dass die Situation bei den vier relevanten niederländischen Nachrichtenmagazinen anders aussieht: Während die Wochenzeitschrift Elsevier Eigentum des niederländisch-britischen Unternehmens Reed Elsevier ist, befindet sich Vrij Nederland im Besitz der niederländisch-belgischen WPG Uitgevers. Die politischen Meinungsblätter De Groene Amsterdammer (NV Weekblad De Groene Amsterdammer) und HP/De Tijd (Audax) gehören rein niederländischen Verlagen.[2]

Bezogen auf die Marktanteile ist die Telegraaf Media Groep NV im Jahr 2012 die Nummer eins: Die Tageszeitungen, die von der Telegraaf Media Groep NV herausgegeben werden, verfügen zusammengerechnet über einen Marktanteil von 36,9 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die oben genannten Konkurrenten aus Großbritannien (23,5 %) und Belgien (22,8 %).[3] Im Februar 2015 wurde bekannt, dass De Persgroep den britischen Konzern Mecom übernimmt. Die Telegraaf Media Groep NV verdankt ihre Marktführerschaft allen voran dem Flaggschiff und Namensgeber des Konzerns, De Telegraaf (Marktanteil 2012: 15,1 %). Relevant sind zudem die Gratiszeitungen Metro (9 %) und Sp!ts (7,1 %, 2014 eingestellt). Die Mecom Group plc ist zu 99,7 Prozent Eigentümerin der Koninklijke Wegener NV und zu 100 Prozent Eigentümerin der Media Groep Limburg BV. Sie gibt ausschließlich regionale Titel wie de Gelderlander (Marktanteil 2012: 3,6 %) und de Stentor (3,2 %) heraus.[4] Anders sieht dies bei De Persgroep NV aus: Flaggschiff dieses Unternehmens ist das auflagenstarke Algemeen Dagblad (AD). Die unterschiedlichen regionalen Editionen dieser Tageszeitungen verfügen im Jahr 2012 insgesamt über einen Marktanteil von 11,2 Prozent. Neben Trouw (2,8 %) und Het Parool (1,9 %) zählt auch de Volkskrant (6,9 %) zum Portfolio dieses Konzerns.[5] Abgesehen von den drei oben aufgeführten Unternehmen ist zusätzlich auf den kleineren Akteur Lux Media zu verweisen: Die Nummer vier auf dem niederländischen Zeitungsmarkt (Marktanteil 2012: 7,1 %) gibt neben nrc.next (1,8 %) auch das NRC Handelsblad (5,3 %) heraus.[6] Ende 2014 wurde bekannt, dass der belgische Konzern Mediahuis diese beiden Blätter übernimmt.

Die drei größten Akteure, die Telegraaf Media Groep NV, die Mecom Group plc (bis 2008 Koninklijke Wegener) und De Persgroep NV (bis 2009 PCM Uitgevers), verfügen in den Jahren 2001 bis 2012 gemeinsam über einen Marktanteil zwischen circa 65 Prozent und fast 90 Prozent.[7] Der Herfindahl Hirschman Index (HHI) besagt, dass der niederländische Tageszeitungsmarkt in der Forschungsperiode in der Regel als konzentriert zu bezeichnen ist.[8] Es sei darüber hinaus auf den Umstand verwiesen, dass in den meisten Provinzen regionale Tageszeitungen dominieren. Besonders hoch liegt der Anteil dieser Blätter im Süden und Norden des Landes: An der Spitze liegt Limburg (Marktanteil 2012: 77,5 %). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Noord-Brabant (69,3 %) und Friesland (66,8 %). In Noord-Holland, Utrecht und Flevoland (Marktanteil regionale Blätter: 43,9 %, 36,9 % bzw. 17,9 %) konsumieren die Leser vorwiegend überregionale Titel.[9] Dieser kurze Abstecher auf die regionale Ebene zeigt, dass die niederländische Zeitungslandschaft einen enorm fragmentierten Charakter aufweist. In manchen Provinzen spielen landesweit publizierte Tageszeitungen bloß eine Nebenrolle.

Bei einem Blick auf die Entwicklung der Auflagenzahlen von Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen offenbart sich eine negative Entwicklung für die Branche: Während die Auflage der Tageszeitungen im Jahr 1980 noch bei gut 4,5 Millionen lag, sank dieser Wert bis zum Jahr 2012 auf gut 2,9 Millionen.[10] Auch der Zeitschriftenmarkt, dem die Nachrichtenmagazine zuzuordnen sind, ist mit erheblichen Auflageneinbußen konfrontiert.[11] Wenn man sich in diesem Zusammenhang auf einige der gegenwärtig auflagenstärksten Blätter beschränkt, bestätigt sich dieser Trend. Wie der Tabelle zu entnehmen ist, verlieren alle aufgeführten Titel Leser. Dabei gibt es zwischen den einzelnen Blättern allerdings signifikante Unterschiede: Während Vrij Nederland zwischen 2001 und 2012 30 Prozent seiner Auflage einbüßt, liegt dieser Wert bei Elsevier lediglich bei 10,5 Prozent. Bei den Tageszeitungen sind die Abweichungen untereinander nicht so groß: Die De Telegraaf-Auflage sinkt um 27,5 Prozent, diejenige vom NRC Handelsblad und de Volkskrant um 25 beziehungsweise 22 Prozent.

Auflagezahlen großer niederländischer Publikationen
Eigene Darstellung, Quelle: Commissariaat voor de Media
NRC Handelsblad Telegraaf Volkskrant Elsevier Vrij Nederland
2001 263.935 779.200 332.660 140.992 61.062
2002 265.321 767.175 326.124 139.189 59.262
2003 259.444 747.348 319.946 133.180 50.726
2004 251.838 723.435 302.382 139.564 53.363
2005 244.597 698.091 290.230 137.627 52.834
2006 236.728 682.759 282.694 142.740 49.322
2007 226.893 674.687 270.533 147.584 48.890
2008 216.126 666.555 260.915 142.581 47.932
2009 204.690 644.328 256.039 133.967 46.782
2010 199.068 625.657 260.284 130.856 49.683
2011 199.993 597.579 258.175 131.685 46.431
2012 197.931 564.851 259.114 126.234 42.540

[1] Commissariaat voor de Media: Mediamonitor. Mediabedrijven en Mediamarkten 2013-2014, Hilversum 2014, S. 34.
[2] ebd., S. 74.
[3] ebd., S. 63.
[4] ebd., S. 42, 63.
[5] ebd., S. 38, 63.
[6] ebd., S. 63.
[7] ebd., S. 65.
[8] ebd.
[9] ebd., S. 67.
[10] ebd., S. 106.
[11] ebd., S. 69.

Autoren: Silke Merten und Online-Redaktion
Erstellt:
August 2005
Aktualisiert: Juni 2015, André Krause