VI. Fachkompetenz

Ein deutlicher Unterschied liegt auch in der Wertschätzung von Fachkompetenz und allgemeinen Führungsqualitäten. Der deutsche Chef kennt meist alle Einzelheiten seines Produkts, über technische Details kann er erschöpfend Antwort geben. Das liegt daran, dass deutsche Manager meist aus einer bestimmten Fachdisziplin aufsteigen und sich durch ihr Wissen qualifizieren. Daher bleiben sie ungeachtet ihrer Position stark an der Arbeit selbst interessiert.

de slegdeIn den Niederlanden ist Fachkompetenz nicht Sache des Chefs, sondern der Fachleute im Betrieb, etwa der Ingenieure. Hier ist es entscheidend, dass der Geschäftsführer alles im Griff hat – oder zumindest diesen Eindruck vermittelt. „Global view und Pragmatismus sind die wichtigsten Managerqualitäten“, so der Unternehmensberater Jörg Renner. Es ist daher für niederländische Führungskräfte weniger wichtig als für ihre deutschen Kollegen, welche Ausbildung sie absolviert haben. Ausbildungen im Bereich Management sind in den handelsorientierten Niederlanden sehr viel verbreiteter als in Deutschland mit seiner Tradition aus Handwerk und Industrie.

Wenn man also einen Termin macht und sich für alle Einzelheiten interessiert, sollte man zuvor den Wunsch einer detaillierten Besprechung äußern, oder den entsprechenden niederländischen Ingenieur gleich mit zum Gespräch einladen.

Ein Unterschied ist auch, dass das duale Ausbildungssystem, das die Lehre in einem Betrieb mit dem Besuch der Berufsschule kombiniert, in den Niederlanden längst nicht den Stellenwert hat, den es in Deutschland genießt. Stattdessen besucht man als niederländischer Auszubildender meist eines der großen berufsbildenden Schulzentren, in denen unterrichtsbegleitend betriebliche Praktika vorgeschrieben sind, die sogenannten stages. Die Berufsausbildung geht in den Niederlanden also größtenteils zu Lasten des Staats, während in Deutschland die Betriebe einen Großteil der Kosten für die Berufsausbildung übernehmen.

Autorin: Ute Schürings
Erstellt:
Januar 2008