VI. Wie geht es weiter mit der niederländischen Kultur?

Wie sich die kulturelle Landschaft der Niederlande nach den Sparbeschlüssen des Jahres 2013 entwickeln wird, ist derzeit schwer absehbar. Denn es gibt durchaus widersprüchliche Tendenzen: während einige Kultureinrichtungen ihren Betrieb einstellen mussten, haben andere die Herausforderung aufgenommen und sich durch neue Geschäftsmodelle und Sponsoring Einnahmequellen erschlossen. Hierüber wird in einem Abschnitt dieses Kapitels noch gesondert berichtet. Nicht eindeutig sind auch die Entwicklungen bei der Förderung etwa durch die Provinzen und Gemeinden. So war im Sommer 2014 zu lesen, dass weitere Subventionskürzungen durch die Gemeinden drohten; demgegenüber aber hat die Stadt Amsterdam angekündigt, zumindest einen Teil der Einsparungen im Kultursektor wieder zurücknehmen zu wollen.

Rein zahlenmäßig waren bereits knapp ein Jahr nachdem die Sparmaßnahmen griffen Auswirkungen der Beschlüsse erkennbar. Wie die derzeitige Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Jet Bussemaker (PvdA), am 24. Dezember 2013 in einem Report an den Senat schreibt, haben von den 173 Kulturinstitutionen, die 2013 keine staatliche Subventionen mehr erhielten, 41 (24 %) ihre Tätigkeit beendet. Demgegenüber aber haben immerhin 132 Institutionen (76 %) ihre Arbeit aus eigener Kraft und ohne staatliche Unterstützung fortgesetzt. Die Abgeordneten hatten die Ministerin aufgefordert, über die Folgen der Subventionskürzungen zu berichten.[1]

Im Jahr 2012 erhielten noch insgesamt 589 Kulturinstitutionen staatliche Zuschüsse oder Mittel aus den unterschiedlichen Fonds – etwa dem Fonds Podiumkunsten (dt. Fonts Darstellende Künste) –, oder von Gemeinden und Provinzen. Nunmehr sind es noch 416. Zu den 41 Einrichtungen, die ihre Türen für immer schließen mussten, zählen beispielsweise das Geldmuseum in Utrecht, die Dansgroep Amsterdam, das Theater Instituut Nederland in Amsterdam und die Stiftung Erfgoed Nederland in Amsterdam, die sich mit dem kulturellen Erbe der Niederlande beschäftigte.[2]

Einig sind sich die niederländischen Medien in der Einschätzung, dass die Subventionskürzungen noch weitere Opfer im Kulturbereich fordern werden. Zum einen, weil viele Einrichtungen bislang noch über Mittel aus dem Jahr 2012 verfügten – diese Quelle wird aber bald versiegen. Zum anderen drohen weitere Einschnitte: In einem Gutachten des Raad voor Cultuur vom Juni 2014 ist zu lesen, dass weitere Einsparungen im Kultursektor möglich seien, diesmal vornehmlich durch die Gemeinden.[3] Eine Größenordnung der Kürzungen nennt das Gremium in dem Gutachten nicht. Eine Aussage über die künftige Entwicklung bezüglich der inhaltlichen Qualität und Bandbreite des Angebots ist ebenfalls schwer zu treffen. So schrieb die Tageszeitung Trouw Anfang 2014, dass zwar das befürchtete Massensterben kultureller Einrichtungen ausgeblieben ist und viele Institutionen aus eigener Kraft weitermachen konnten. Diese zunächst gute Nachricht aber bedeute relativ wenig, so das Blatt weiter. Denn es gebe beispielsweise viele Theatergruppen, die nur noch mit einem komplett ausgedünnten Programm weiter existieren.[4]


[1] Bussemaker, Jet: Kamerbrief over de gevolgen van de cultuurbezuinigingen vom 24. Dezember 2013, Onlineversion.
[2] Kampen, Anouk van: Bussemaker: bezuinigingen kunstsubsidies einde 41 instellingen, in: NRC.de vom 3. Januar 2014, Onlineversion.
[3] Raad voor Cultuur: Cultuurverkenning, Ontwikkelingen en trends in het culturele leven in Nederland, Juni 2014, Onlineversion.
[4] Abels, Romana: Cultuursector redt het met minder, in: Trouw vom 3. Januar 2014, Onlineversion.

Autorin: Alexandra Klaus
Erstellt:
Januar 2015