VII. Gegen den Trend: es gibt auch positive Entwicklungen

Trotz der vor allem ökonomisch motivierten Beschneidung des staatlichen Kulturbudgets existieren in den Niederlanden der Gegenwart durchaus auch Tendenzen, die dem Sparzwang entgegenzuwirken versuchen. So hat die aktuelle Ratskoalition der Stadt Amsterdam im Juni 2014 beschlossen, die Sparmaßnahmen ihrer Vorgänger weitgehend zurückzudrehen. In den Jahren 2017 und 2018 soll der Etat sogar um 7,6 Millionen Euro erhöht werden.[1]

Wie das aus VVD, D66 und SP bestehende Konsortium im Koalitionsvertrag mitteilt, möchte man somit einerseits dem Status Amsterdams als „Kulturhauptstadt der Niederlande“[2] Rechnung tragen. Andererseits erkennt die Politik mit dem Beschluss den Stellenwert an, den eine prosperierende Kulturlandschaft für den Tourismus und für die Standortakquise international agierender Konzerne genießt.

Konkret möchte die nach der Farbenlehre der niederländischen Politik auch als Ampelkoalition bezeichnete Ratsmehrheit vor allem junge Talente und freie Träger fördern, die bei den vorausgegangen Etatkürzungen besonders gelitten haben.[3]

Bei dem Amsterdamer Beschluss handelt es sich möglicherweise um eine Entscheidung mit Signalwirkung. So hat die angrenzende Kommune Zaanstad sich im Oktober 2014 dafür entschieden, das Budget für Kulturausgaben gleichfalls zu erhören.[4]

Kooperationen mit der Wirtschaft

Abgesehen von der Tatsache, dass sich im Zuge besserer Wirtschaftszahlen ein abermaliges Umdenken in Sachen Kultursubventionen abzuzeichnen scheint, hat in den Niederlanden in den zurückliegenden Jahren eine produktive Entwicklung ihre Spuren hinterlassen: Bedeutende Kultureinrichtungen wurden nach mehr oder weniger umfangreichen Umbauarbeiten wieder für die Öffentlichkeit freigegeben. Und auch wenn einige Beschlüsse lange vor der Wirtschaftskrise 2008 getroffen wurden, ist die Tendenz zu beobachten, dass die von der Regierung eingeforderte Kreativität bei der Beschaffung von Mitteln dabei bereits Beachtung gefunden hat.

Das Rijksmuseum in Amsterdam etwa wurde in den vergangenen 14 Jahren für die beachtliche Summe von 375 Millionen Euro renoviert und restauriert. Das Geld für die Modernisierung der Touristenattraktion stammt überwiegend vom Staat.[5] Den Rest – so heißt es ein wenig kryptisch – hat das Museum selbst beigesteuert.

Ein in der Literatur nicht genau bezifferter Betrag allerdings stammt aus der Wirtschaft. Und so trägt ein Gebäudetrakt des Rijksmuseums, der erst im Oktober 2014 fertig gestellt wurde, nun offiziell den Namen „Philips-Flügel“. Im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung findet der Sponsor also dauerhafte Aufnahme in den standardisierten Sprachgebrauch des Museums.

Nicht viel anders stellt sich die Lage im Mauritshuis in Den Haag dar. Hier waren die Investitionen sowohl vom Finanzvolumen (22 Millionen Euro) als auch vom Zeitrahmen (zwei Jahre) deutlich überschaubarer. Der durch einen Tunnel mit dem Haupthaus verbundene Erweiterungsbau jedoch trägt heute gleichfalls einen bekannt klingenden Namen: „Shell-Flügel“.[6]

Auch kostspielige Neubauten sind in der niederländischen Kulturlandschaft auszumachen. So hat in Utrecht das renommierte Musiktheater Vredenburg eine neue Heimat erhalten. Um die ursprünglich auf 98, später aber auf 132 Millionen Euro angestiegene Investitionssumme für das Muziekpaleis aufbringen zu können, hat die Stadt auf die Unterstützung durch die Rabobank gebaut.[7]

Man muss übrigens nicht auf die Leuchttürme der niederländischen Kulturlandschaft schauen, um zu sehen, dass es im Zuge der Subventionskürzungen auch durchaus positive Entwicklungen gibt: Das kleine naturwissenschaftliche Boerhaave Museum in Leiden etwa hat sich interessanterweise trotz (oder vielleicht sogar wegen) der Kürzungen positiv entwickelt: Der Museumsdirektor sagte in einem Fernsehinterview im August 2014, durch Kooperationen mit neuen Partnern wie etwa Philips habe man die Kürzungen auffangen können. Auch die Besucherzahlen seien angestiegen.[8]

Ganz ohne offensichtliche Beteiligung der Wirtschaft hingegen hatte die Stadt Amsterdam noch die Investition einer weiteren substanziellen Summe beschlossen: Das Stedelijk Museum sollte für sieben Millionen Euro modernisiert werden. Daraus jedoch wurden bis zur Wiedereröffnung im Dezember 2012 stolze 27 Millionen Euro.[9]

Diese Fallbeispiele, bei denen es sich nur um die prominentesten ihrer Art handelt, belegen den Willen der Entscheidungsträger, die Kulturlandschaft trotz schwieriger ökonomischer Rahmenbedingungen nach Kräften zu unterstützen – auch wenn diesbezüglich ein wachsendes Maß an Kreativität und Kooperationsbereitschaft mit kapitalkräftigen Unternehmen erforderlich ist.


[1] Leeuwerink, Anouk: Amsterdam gaat investeren in kunst en cultuur, in: theaterkrant.nl vom 18. Juni 2014, Onlineversion.
[2] D66, SP, VVD: Amsterdam is van iedereen. Coalitieakkoord 2014–2018, Onlineversion.
[3] ebd.
[4] o.A.: Zaanstad investeert in cultuur, in: RODI vom 10. Oktober 2014, Onlineversion.
[5] Rijksmuseum: Over de verbouwing, Online.
[6] Mauritshuis: De verbouwing, Online.
[7] o.A.: Akkoord financiering Utrechts Muziekpaleis, in: AD.nl vom 16. April 2010, Onlineversion.
[8] o.A.: Museum Boerhaave floreert ondanks bezuinigingen, in: EenVandaag vom 30. August 2014, Onlineversion.
[9] Laanen, Judith: Stedelijk Museum Amsterdam open in september - ‘eerder dan verwacht’, in: NRC.nl vom 28. März 2012, Onlineversion.

Autorin: Alexandra Klaus
Erstellt:
Januar 2015