VIII. Das Jahr 2015: neue Beschlüsse zur Kulturförderung

Das im Juni 2014 herausgegebene Papier des Raad voor Cultuur zur Kulturförderung ist auch deshalb interessant, weil hier auf gewisse Trends im Kulturbetrieb eingegangen wird, die künftig für die Finanzplanung der Regierung eine Rolle spielen könnten. Der Raad voor Cultuur wird im Frühjahr 2015 seine Ratschläge für die Kulturplanung 2017–2020 veröffentlichen.

In dem Gutachten ist nun beispielsweise zu lesen, dass neue Entwicklungen wie die Digitalisierung noch zu wenig Berücksichtigung durch die Politik fänden. Die Kulturexperten hingegen sehen die Digitalisierung als game changer, der sowohl die Produktion als auch den Konsum von Kultur maßgeblich verändert. Einerseits werde durch die Digitalisierung die Herstellung von Kulturgut preiswerter, schneller und einfacher; zudem hätten durch die Digitalisierung mehr Menschen Zugang zu künstlerischen Produkten. So könnten beispielsweise Tausende über YouTube einem Konzert des Concertgebouworkest beiwohnen. Andererseits müssten Kulturbetriebe auch aufgrund der Digitalisierung neue Verdienstmodelle erschließen, denn digitale Produkte generieren in der Regel weniger Einkünfte, wenn sie nicht sogar gratis sind. Die Politik berücksichtige diese Entwicklung noch zu wenig und richte sich noch zu sehr auf traditionelle Kunstgenres wie Schauspiel oder Ballett, die wiederum bei jungen Menschen weniger populär seien, wodurch das Publikum überaltere.

Der Raad voor Cultuur plädiert in seinem Gutachten auch für eine flexiblere Kulturpolitik. Das Gewicht bei der Vergabe von Subventionen läge noch zu sehr auf quantitativen Kriterien und gehe zu wenig auf die veränderte Arbeitsweise von Kreativen und Kultureinrichtungen ein: Mittlerweile arbeiteten immer mehr Institutionen interdisziplinär, über Grenzen verschiedener Kunstgenres hinweg und zuweilen sogar mit Einrichtungen außerhalb des Kulturbetriebs. Dies erfordere eine flexiblere Regelung auch hinsichtlich der Vergabe von Subventionen.

Man hat also durch das Gutachten vom Juni 2014 einen Vorgeschmack darauf gegeben, welche Empfehlungen der Raad voor Cultuur für die Subventionsperiode 2017–2020 geben wird. Gespannt darf man darauf sein, wie die Politik diese Empfehlungen letztendlich umsetzen wird.

Autorin: Alexandra Klaus
Erstellt:
Januar 2015