VI. 1980 - 1989: Normalisierung und Ökonomisierung der Kulturpolitik

Kulturpolitik in den 80er Jahren und die Auswirkungen

Die kulturellen Beziehungen in den 80er Jahren konnten trotz einer gewissen Stagnation und den vorherrschenden Sparzwängen und trotz einer Tendenz der Ökonomisierung der kulturellen Beziehungen gewinnen. Bei der Sprachvermittlung im Nachbarland kam es zu einer unterschiedlichen Entwicklung. Während sich die Situation der niederländischen Sprache in Deutschland erheblich verbesserte, verlor die deutsche Sprache im allgemeinbildenden Unterricht der Schulen gegenüber der Englischen in den Niederlanden an Bedeutung. Die Erweiterung des Fachsprachenangebots bezog sich allein auf die Kurse des Goethe-Instituts. Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu kulturellen Beziehungen in einem erweiterten Sinn leisteten auch die Medien zwischen den Niederlanden und Deutschland. Medien- und alltagskulturelle Kontakte gewannen an Bedeutung; sie entzogen sich aber der problemorientierten Erfassung in den offiziellen Gremien für den Kulturkontakt. Er fand statt im Rahmen der in der Mitte der 80er Jahre beginnenden „Dualisierung“ des Fernsehens in die bisherigen öffentlich-rechtlichen und die neuen privaten Sendergruppen, eine Entwicklung, die sich in beiden Ländern vollzog. Von besonderem Interesse ist der Transfer von Fernsehformaten in den niederländischen Produktionsfirmen, die wiederum anglo-amerikanische Formate adaptierten, die auch im deutschen Fernsehen gesendet wurden. Als medienhistorisches Datum konnte das Jahr 1985 gelten, als John de Mol mit dem britischen Privatsender einen Produktionsvertrag über 800 Stunden Fernsehprogramm jährlich abschloss. Als Moderatorin wurde seine „gut englisch sprechende“ Schwester Linda de Mol vorgesehen, die damit auch für die deutschen Varianten der John de Mol-Produktionen quasi „gesetzt“ war. Mit ihrer „unkomplizierten Fröhlichkeit“ knüpfte die Entertainerin an das „Image der Frohnatur aus Holland“ an. 

Kulturdialog versus Holland-Promotion

Die deutschen kulturellen Institutionen in den Niederlanden profilierten sich als Partner im Kulturdialog. Beide Seiten beteiligten sich an den kulturellen Großereignissen, wobei die niederländische Seite eine Politik der „Holland-Promotion“ verfolgte. In den 80er Jahren gelang es den Goethe-Instituten sich umfassend in das niederländische Kulturleben zu integrieren. "Die Vergangenheit wird jetzt diskutabel", so äußerte sich der Amsterdamer Bürgermeister bei der Eröffnungsfeier des Projektes "Berlin-Amsterdam 1920-1940". Durch die gemeinsame Beschäftigung mit den kulturellen Kontakten und den Wechselbeziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland in den Jahren 1920-1933 und nach Hitlers Machtübernahme 1933 bis zur deutschen Besetzung der Niederlande im Jahr 1940 wurden wichtige Kapitel in der Geschichte der deutsch-niederländischen Beziehungen systematisch aufgearbeitet und angemessen präsentiert. Mehr als 100.000 Zuschauer kamen zu den insgesamt 257 Veranstaltungen. Auch anhand des Presseechos kann der durchschlagene Erfolg belegt werden. Allein in den Niederlanden erschienen über 300 Zeitungsartikel; es befassten sich mehr als 100 Radio- und 8 Fernsehsendungen mit dem Projekt. Mit ihren Projekten wie „Berlin-Amsterdam 1920-1940“ oder auch „Frankfurter Zeitgeist“ erfüllten die Goethe-Institute damit die an sie gestellte kulturpolitische Aufgabe und trugen zur Normalisierung der Beziehungen bei. Die niederländische Kulturarbeit in Deutschland erfüllte hingegen vor allem die Funktion der „Holland-Promotion“, überschritt diese aber weit im Blick auf den Kulturdialog im Projekt „Amsterdam - Berlin. Begegnungen mit den Niederlanden“ 1983.

Autor: Wolfgang Schanze
Erstellt:
Juli 2007