I. Einleitung: Über hundert Jahre angewandte Kunst in den Niederlanden

Kein niederländisches Produkt wurde in den vergangenen 20 Jahren so gerühmt und war so oft Gesprächsthema wie das „Dutch Design“. Anders als die meisten englischen Redewendungen, in denen „Dutch“ vorkommt, ist Dutch Design ein Ausdruck, der (meistens) anerkennend verwendet wird. Der Aufschwung und der weltweite Erfolg des Phänomens sind seit den 1990er Jahren unaufhaltsam und scheinen vorläufig kein Ende zu finden. Kürzlich eröffnete mit Unterstützung der niederländischen Regierung in China ein sogenannter „Dutch Design Desk“ in Guangzhou, ein „Dutch Design Workspace“ in Shanghai und 2010 stand bei den Gedenkfeiern anlässlich der 400-jährigen Beziehungen zwischen den Niederlanden und New York das „niederländische Gestalten“ im Mittelpunkt.

Obwohl es sich hierbei um eine wörtliche Übersetzung handelt, kann man sich fragen, ob die Übersetzung „niederländisches Gestalten“ die Bedeutung des Begriffs Dutch Design richtig trifft. Von dem Moment an nämlich, als der Begriff Dutch Design allseits und international gebräuchlich wurde, wird er vor allem verwendet, um eine bestimmte Art der Gestaltung in den letzten 20 Jahren zu beschreiben. Ein Werbeplakat eines Kabelherstellers aus den 1920er Jahren ist kein Dutch Design. Ein preisgekröntes Kopiergerät aus den 1980er Jahren ist kein Dutch Design. Und ein Düngerstreuer aus den 1960er Jahren ist ebenfalls mit Sicherheit kein Dutch Design.

Kopiergerät Oce ColorStream 10000 von Océ van der Grinten
Kopiergerät Oce ColorStream 10000 von Océ van der Grinten
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Dies sind allerdings alles Beispiele für niederländische Gestaltung. Das Plakat von Piet Zwart für den niederländischen Kabelproduzenten, das Kopiergerät des Designteams um Océ van der Grinten und der Düngerstreuer, den Wim Rietveld  für Vicon entwarf, sind nur einige Beispiele aus über hundert Jahren niederländische Gestaltung. Ein Blick auf diese reiche Geschichte bildet hoffentlich einen Ausgangspunkt für ein erweitertes Verständnis des Begriffs Dutch Design.

Autorin: Roosmarijn Hompe
Übersetzung: Susan Fittkau
Erstellt: April 2012