VI. Ministerielle Zusammenarbeit

Im Oktober 2003, zwei Monate nachdem die Innovationsplattform offiziell ihre Arbeit aufnahm, veröffentlichte die niederländische Staatssekretärin für Kultur, Medy van der Laan, in ihrem kulturpolitischen Leitprogramm Meer dan de Som die zukünftigen Leitlinien der politischen Ausrichtung und vor allem Neugestaltung der niederländischen Kulturpolitik.

Die schlechte wirtschaftliche Haushaltslage verpflichtete sie zu einem harten Sparkurs, infolgedessen sie insgesamt rund 19 Millionen Euro des Kulturbudgets einsparen musste. In ihrem Bericht hob sie die kulturwirtschaftlichen Branchen und ihre „herausragende“ Rolle innerhalb der niederländischen Innovationspolitik hervor und legte damit den Grundstein für eine Kooperation mit dem Wirtschaftsministerium. [29] Mit diesem Vorgehen wollte sie nicht nur den Sparauflagen der Regierung gerecht werden, sondern hoffte auch, dem Kultursektor auf anderem Wege (finanzielle) Unterstützung und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Zudem revidierte sie das Bild der Kultur als einseitigem Kostenträger, erschloss der niederländischen Politik ein hochaktuelles Thema und half die unternehmerischen und marktwirtschaftlichen Probleme des bisher vernachlässigten privatwirtschaftlich orientierten Kulturbereichs für wirtschaftspolitische Maßnahmen kenntlich zu machen.

Wirtschaftliches Interesse

Das Interesse seitens des Wirtschaftsministeriums an der Zusammenarbeit ist vor allem auf das Aufzeigen der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Branche als erwerbs-, umsatz- und wachstumsstarker Sektor mit einem hohen Anteil am niederländischen Bruttoinlandsprodukt zurückzuführen. Neben der starken niederländischen Exportneigung und der ständigen Suche nach neuen Absatz- und Nischenmärkten war es zudem das wirtschaftspolitische Bewusstsein, dass in den Niederlanden nicht klassische Industriebranchen das Wirtschaftsgeschehen dominieren, sondern ein wachsendes Heer an Dienstleistungsunternehmen. Die verstärkte globale Konkurrenz vor allem mit Blick auf Niedriglohnländer und die Frage nach Wettbewerbsvorteilen standen zentral auf der Agenda der Wirtschaftspolitik.

Sowohl das Wirtschafts- als auch das Kulturministerium erklärten die Creatieve Industrie zu einer unterstützungswürdigen Wirtschaftsbranche und betonten im selben Wortlaut, dass „Kultur ein wirtschaftlicher Wachstumsfaktor von Format“ sei. [30] Die gemeinsamen Anstrengungen, die Konferenzen, Tagungen und Konsultationsrunden mündeten in dem im Juni 2005 veröffentlichem Mapping Document, welches erstmals neben der wirtschaftlichen Bedeutung des Sektors, den Problemen und indirekten Effekten, auch Anregungen und Ideen für politische Aufgabenfelder gebündelt aufzeigte. [31] Es bildete zusammen mit den Vorschlägen der Innovationsplattform die (wissenschaftliche) Grundlage für die erste gemeinsame Konzeptvorlage eines staatlichen Programms zur Förderung der Creatieve Industrie.


[29] Vgl. Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschappen (OCenW): Meer dan de som. Beleidsbrief Cultuur 2004-2007, Den Haag 2003, S. 12, 23, 24.
[30] Vgl. Ministerie van Economische Zaken (EZ): Industriebrief. Hart voor de industrie, Den Haag 2004, S. 69; OCenW (2003), S. 12.
[31] Vgl. Ministerie van Economische Zaken (EZ)/Ministerie van Onderwijs, Cultuure en Wetenschap (OCW): Creativiteit in kaart gebracht. Mapping document creatieve bedrijvigheid in Nederland. Discussiestuk voor de conferentie Cultuur en Economie in Den Haag, 28 juni 2005, Den Haag 2005. Das Mapping Document wurde anschließend überarbeitet und gebündelt publiziert: Hofstede, B./Raes, S.: Creatief vermogen. De economische potentie van cultuur en creativiteit, Den Haag 2006.

Autorin: Johanna Knott
Erstellt:
Februar 2011