VII. Das erste Regierungsprogramm 2005-2008

Im Oktober 2005 verabschiedete die niederländische Regierung den ersten vom Kultur- und Wirtschaftsministerium gemeinsam verfassten ‚Brief Kultur und Wirtschaft‘, den Bericht Ons Creatieve Vermogen, und legte damit den Grundstein für die staatliche Ausgestaltung eines ersten Kultur- und Kreativwirtschaftsprogramms.

Das Ziel sollte „die Verstärkung der wirtschaftlichen Potentiale von Kultur und Kreativität“ sein, und zwar durch die Stimulierung der niederländischen Wirtschaft, Kooperationen mit den Branchen der Creatieve Industrie einzugehen. [32] Die Doppelstrategie sah vor, auf der einen Seite die gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Bekanntmachung des Sektors zu forcieren und auf der anderen Seite die Professionalisierung der ökonomischen Betriebsführung der Kultur- und Kreativbetriebe zu verbessern, sowie bestehende Förderinstrumente für die Branche zugänglich zu machen. Der primäre Handlungsbedarf wurde nicht auf die Branchen-Angebotsseite, also die kulturell/kreativen UnternehmerInnen, sondern innerhalb der kreativen Wertschöpfungskette mit Blick auf die zu modifizierenden Rahmenbedingungen gelegt.

Man entschied sich bewusst für ein auf drei Jahre begrenztes Impulsprogramm, um die erstmalige ministerielle Zusammenarbeit, die Akzeptanz des Programms und die Ergebnisse abzuwarten. Ein Budget von rund 15 Millionen Euro, das sich aus den Haushalten des Wirtschafts- und Kulturministeriums sowie aus Geldern der Erdölförderung zusammensetze, wurde insgesamt veranschlagt. Es wurde kein Topf gebildet, sondern projektspezifisch bezuschusst. [33]

Das erste niederländische Regierungsprogramm zur Förderung der Creatieve Industrie setzte sich aus fünf Leitlinien, diversen Subzielen und insgesamt 21 Projekten zusammen. Weniger als die Hälfte dieser Projekte wurden dabei neu initiiert. Sie stellten vielmehr bereits bestehende Konzepte der Ministerien und ausführenden Organisationen dar. Neben den offiziellen Programmprojekten bestanden noch zahlreiche weitere Initiativen und ministerielle Vorhaben, um die Branche oder Branchenteile respektive Regionen zu fördern (z.B. Pieken in de Delta).

Creative Challenge Call

Die erste und wichtigste Leitlinie widmete sich der Vernetzung und Bekanntmachung der Branche und diente der Stimulierung von aktiven Verbindungen zwischen Wirtschaft und Kultur. Sie wurde nicht nur mit mehr als der Hälfte des ‚Gesamtbudgets‘, insgesamt acht Millionen Euro, finanziert, sondern stellte mit dem Creative Challenge Call (CCC) die einzige Initiative dar, an der sich sowohl das Wirtschafts- als auch das Kulturministerium gemeinsam an Umsetzung und Ausführung beteiligten.

Der CCC war ein zweigeteilter Förderwettbewerb (für kleine Projekte und für fünf Großprojekte), der sich an die Gesamtwirtschaft, an Unternehmer und Selbstständige der Creatieve Industrie, Branchenorganisationen, wissenschaftliche Einrichtungen und auch lokale und regionale öffentliche Verwaltungen richtete. [34] Netzwerke und Kooperationen sollten angeregt und der kulturell/kreative Austausch gefördert werden. Es handelte sich somit nicht um ein typisches Wirtschaftsförderprogramm, denn die Schaffung innovativer, neuer Projekte stand nicht einzig und allein im Vordergrund.

Die weiteren vier Leitlinien (Finanzmittel, Urheberrecht, Internationalisierung, Professionalisierung) wurden in das Folgeprogramm integriert und werden im folgenden Kapitel aufgeführt.


[32] Vgl. Ministerie van Economische Zaken (EZ)/Ministerie van Onderwijs, Cultuure en Wetenschap (OCW): Ons Creatieve Vermogen. Brief cultuur en economie, Kamsterstukken II 2004-2005, Den Haag 2005, S. 3.
[33] Vgl. Ministerie van Economische Zaken (EZ)/Ministerie van Onderwijs, Cultuure en Wetenschap (OCW) (Hrsg.): Waarde van creatie. Brief cultuur en economie 2009, Den Haag 2009, S. 5, 11.
[34] Vgl. EZ/OCW (2005), S. 29.

Autorin: Johanna Knott
Erstellt:
Februar 2011