VIII. Das Folgeprogramm 2009-2013

Die Zusammenarbeit zwischen dem Wirtschafts- und Kulturministerium sollte sich auch nach den Regierungswechseln (2006, 2007 und 2010) fortsetzen. Aus den Evaluationsergebnissen von Ons creatieve vermogen und der Verwarnung der Innovationsplattform  erarbeiteten die beiden Ministerien ein Folgeprogramm, das im zweiten gemeinsamen Bericht De Waarde van creatie. Brief Cultuur en Economie 2009 mündete. Die zuvor erstmalige ministerielle Zusammenarbeit sollte damit auch weiterhin in einem offiziellen Rahmen geschehen und das Thema Creatieve Industrie entwickelte sich zu einem ernstzunehmenden Bereich politischer Interventionen. Das zweite Regierungsprogramm zur Förderung der Branche baute in weiten Teilen auf seinen Vorgänger auf und wurde nur um eine Leitlinie (Verbesserung der Infrastruktur) erweitert.

Ein neues Ziel

Die erste und wichtigste Leitlinie des Programms änderte sich grundlegend. Nicht mehr die Bekanntmachung und interne Vernetzung standen nun Mittelpunkt, sondern die wirtschaftliche Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit des Branchenkonglomerats – und zwar im Wortlaut der Forderungen der Innovationsplattform an das Schlüsselgebiet Creatieve Industrie. Auf cross-sektoralem Niveau sollte endlich eine gemeinsame strategische Vision und Orientierung erarbeitet werden, die in ein eigenes Innovationsprogramm zu münden hatte.

Die Aufgabe der Regierung wurde darauf festgelegt, die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für diese Vorhaben zu schaffen. [35] Faktische Unterstützung bekam die Branche durch die unabhängige Policy-Implementierungsagentur des Wirtschaftsministeriums, SenterNovem. Eine staatliche, finanzielle Zuwendung wurde damit vor allem auf den aktiven Einsatz der Branche selber gelegt, der in Konkurrenz zu den anderen Schlüsselgebieten die Performance um das bestmögliche Innovationsprogramm auszuarbeiten hatte.

Erstes Innovationsprogramm

Im Frühjahr 2010 konnte eine Arbeitsgruppe aus Vertretern kreativer Dienstleistungsunternehmern, die sich unter dem Namen Waarde van Creatie zusammengeschlossen hatten, eine ausgearbeitete strategische Agenda über SenterNovem an das Wirtschaftsministerium herantragen – und somit der primären Zielsetzung und Forderung des Regierungsprogramms und der Innovationsplattform nachkommen. Das Vorhaben beurteilte man kritisch, aber positiv und es wurde bis August 2010 zu einem ersten Innovationsprogramm des Schlüsselgebietes ausformuliert. [36] Bis 2018, so die Vision des Papiers, sollten die Niederlande als kreativste Wirtschaft Europas bekannt sein und zu den Top-drei-Ländern mit den kreativsten Wirtschaftssystemen der Welt gehören. [37] Es beinhaltete ein Drei-Stufen-Entwicklungssystem, das mit insgesamt 51 Millionen Euro innerhalb der nächsten vier Jahre realisiert werden sollte. 52 Prozent der Kosten sollten dabei durch die Wirtschaftsbranche selbst bereitgestellt werden, die restlichen 21 Millionen Euro (43 Prozent) würde der niederländische Staat beisteuern. [38]

Die Entscheidung der niederländischen Regierung über die Finanzmittelvergabe für das eingereichte Innovationsprogramm für – und durch – die Branche stand zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Dossiers noch aus. Durch den vorzeitigen Rücktritt des Balkenende-IV-Kabinetts im Februar 2010 und der Neubildung einer Nachfolgeregierung die bis Oktober 2010 dauerte, verzögerte sich die Begutachtung und Stellungnahme. Auf der Homepage der niederländischen Regierung wurde indes publik gemacht, dass bis Mai 2011 ein „Topteam“ ein Empfehlungsschreiben für die Politik in diesem Bereich vorbereiten werde. [39] Entsprechend sind die politischen Standpunkte sowie das Vorgehen der neuen MinisterIn und der StaatssekretärInnen hinsichtlich der Creatieve Industrie noch weitestgehend unbekannt und auch ist die Frage noch offen, inwiefern das eingereichte Innovationsprogramm zu realisieren sein wird und welchen Stellenwert es zukünftig – integriert im Folgeprogramm oder als neue Gesamtstrategie der Regierung/des Schlüsselgebietes - einnehmen kann. [40]


[35] Vgl. Ministerie van Economische Zaken (EZ)/Ministerie van Onderwijs, Cultuure en Wetenschap (OCW) (Hrsg.): Waarde van creatie. Brief cultuur en economie 2009, Den Haag 2009, S. 7, 38.
[36] Vgl. Regiegroep Creatieve Industrie, Waarde van Creatie, Innovatieprogramma Creatieve Industrie, o.O. 2010, eingesehen am 13. Februar 2011.
[37] Vgl. Regiegroep CI (2010), S. 15.
[38] Vgl. Regiegroep CI (2010), S. 7, 10, 19, 25.
[39] http://www.rijksoverheid.nl/onderwerpen/ondernemersklimaat-en-innovatie/investeren-in-topsectoren/creatieve-industrie, eingesehen am 13. Februar 2011.
[40] Siehe Ministerie van Onderwijs, Cultuure en Wetenschap (OCW): Uitgangspunten Cultuurbeleid, Den Haag 2010 und Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschap: Reactie van de Nederlandse regering over het Groenbeok ‘Ontsluiten van het potentieel van culturele en creatieve industrie’, Den Haag 2010, S. 4f.

Autorin: Johanna Knott
Erstellt:
Februar 2011