I. Einführung

Sie ist hip und intelligent gemacht, sie traut sich ungewöhnliche Formen, bietet unerwartete Lösungen und sieht dabei manchmal aus wie direkt aus dem Weltraum gelandet: Die niederländische Architektur hat in den vergangenen Jahren mit unkonventionellen und spektakulären Entwürfen auch auf internationaler Bühne für viel Aufsehen gesorgt. Dieses Dossier beschäftigt sich mit den Entwicklungen der zeitgenössischen Architektur in den Niederlanden und mit den Bedingungen, unter denen sie entstanden ist.

Mittlerweile ist die „goldene Ära“ der Superdutch-Architekten schon wieder vorbei: War bereits wenige Jahre nach der Jahrtausendwende spürbar, dass der Höhepunkt des Hypes überschritten war, hat die Finanzkrise ihr Übriges getan. Der drastische Rückgang der Bauaufträge hat ganz besonders die niederländische Architektenbranche hart getroffen und in eine tiefe Krise gestürzt. Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Trotzdem liefern niederländische Architekten nach wie vor interessante Konzepte und Ideen, auf die sich ein Blick lohnt. In einem Interview mit dem Architekturkritiker Hans Ibelings geht es um die Zukunftsperspektiven des Bauens in den Niederlanden und darum, dass die niederländische Architektur mittlerweile gar nicht mehr so niederländisch ist.

Ein wichtiger Aspekt, der beim Bauen in den Niederlanden prägend ist, ist die besonders stark ausgeprägte Planungskultur. Ein großer Teil der Landschaft ist künstlich geschaffen, was natürlich enorme gemeinschaftliche Anstrengungen erfordert. Hinzu kommt, dass Bauland wegen der enorm hohen Bevölkerungsdichte ein kostbares Gut ist. Zunächst entwickelt dieses Dossier eine historische Perspektive auf die Stadt- und Landschaftsplanung in den Niederlanden. Anhand verschiedener Beispiele soll diese dann konkret verdeutlicht werden: Dem neu gebauten Zentrum der Reißbrettstadt Almere, der architektonischen Nutzung des Raumes am Rande der Autobahn und der Neuentwicklung des Rotterdamer Stadtzentrums auf der ehemaligen Hafeninsel Kop van Zuid.

Autorin: Katja van Driel
Erstellt: Januar 2012