Erinnerungskultur in den Niederlanden


XVII. Widerstandsmuseum Amsterdam

Verzetsmuseum
Im Plancius-Gebäude aus dem Jahr 1976 befindet sich seit 1999 das Widerstandsmuseum Amsterdam, Quelle: FaceMePLS/cc-by


Vom Widerstand in den besetzten Niederlanden

„Je mehr ich darüber lese und höre, desto weniger verstehe ich es! Es ist unbegreiflich, dass das alles geschehen konnte!“, fasst eine Besucherin ihre Gefühle nach dem Besuch der ständigen Ausstellung im Widerstandsmuseum in Amsterdam in Worte. Dort ist auf rund 600 m² zu sehen, wie die niederländische Bevölkerung auf die Besatzungsjahre reagierte.

Die permanente Ausstellung des Museums spiegelt anhand von Objekten, Dokumenten, Fotos und einzelner Schicksale in erster Linie die persönlichen Erfahrungen der Bevölkerung während der Besatzungszeit wider.
Verschiedene Informationsebenen ermöglichen dem Besucher, immer tiefer in die Geschichte vorzudringen. Wer über einen geringen Zeitrahmen verfügt, erhält einen globalen Überblick über den Widerstand während der Besatzungsjahre. Wer sich intensiv mit den Kriegsjahren auseinandersetzen möchte, kann in Schubladen, hinter klappbaren Ausstellungswänden und in Vitrinen persönliche Geschichten entdecken. Dabei verzichtet das Museum bewusst auf gut/schlecht Schemata und zeigt vielmehr, wie einfache Bürger auf den Krieg reagierten.

Die Ausstellung gliedert sich in unterschiedliche Bereiche, die für fünf Phasen während der Besatzungszeit stehen, in denen sich der Widerstand langsam entwickelte. Als Einführung dient eine Übersicht über die dreißiger Jahre in den Niederlanden. Wichtige Eckpunkte der Ausstellung sind der Februarstreik im Februar 1941, die April/Maistreiks 1943 sowie die Invasion der Alliierten 1944. Im November 2005 wurde die permanente Ausstellung außerdem um eine Ausstellungseinheit zu Niederländisch-Indien erweitert.

Ein Museum entsteht

Verzetsmuseum Amsterdam

Plantage Kerklaan 61, Amsterdam


www.verzetsmuseum.org

Erwachsene zahlen 10,00 Euro Eintritt, Kinder von 7 bis 15 Jahren zahlen 5,00 Euro. Freier Eintritt mit der I Amsterdam Card.

Die Geschichte des Museums begann 1984 mit der Gründung einer Stiftung, deren Ziel es war, ein Museum zu errichten, dessen wichtigstes Thema der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Faschismus sein sollte. Zum damaligen Zeitpunkt verfügte die Stiftung weder über eine nennenswerte Sammlung, noch über Räumlichkeiten oder finanzielle Mittel. Doch bereits im November 1985 konnte das Widerstandsmuseum Amsterdam dank der finanziellen Unterstützung der Stadt Amsterdam und verschiedener Stiftungen und Fonds sowie zahlreicher Spenden feierlich eröffnet werden.

Während der Anfangsjahre befand sich das Museum in der Synagoge in der Lekstraat, dessen Eigentümer, die jüdische Gemeinde, den Erhalt des Gebäudes nach dem Wegzug vieler Gemeindemitglieder nicht mehr finanzieren konnte. Das Gebäude, architektonisch wertvoll, wurde an das Museum vermietet und konnte so erhalten werden. 11.000 Besucher hatte das Museum bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung. Die permanente Ausstellung sowie verschiedene Wechselausstellungen zogen immer mehr Besucher an. Schon nach einigen Jahren wurde deutlich, dass das Museum über zu wenig Platz und Räumlichkeiten verfügte. Außerdem sollte auch die permanente Ausstellung nach 10 Jahren erneuert werden. So zog das Museum 1999 in das zentral gelegene „Plancius“-Gebäude, benannt nach dem Seefahrtskundigen und Geistlichen Petrus Plancius, das bis heute das Museum beherbergt.

Während das Museum bei der Gründung im Jahr 1984 über keine nennenswerte Sammlung verfügte, haben sich seine Depots seither stark gefüllt, so dass die Sammlung des Widerstandsmuseums heute eine der größten Sammlungen des Landes zum Widerstand während der Besatzungszeit ist. Egodokumente wie Briefe, Tagebücher oder Ausweise gehören beispielsweise ebenso zur umfangreichen Sammlung wie Gebrauchsgegenstände, Druckplatten zur Herstellung illegaler Zeitungen oder Werkzeug zum Fälschen von Ausweisen.

Kindermuseum

Rund 50.000 Menschen besuchten das Museum 2008, davon fast 15.000 Schüler im Klassenverband. Um auch in Zukunft dem steigenden Interesse von Schulen gerecht zu werden und gerade eine junge Zielgruppe ansprechen zu können, hat das Widerstandsmuseum ein eigenes Museum für Kinder und Jugendliche aufgebaut. Im Oktober 2013 wurde das Verzetsmuseum Junior eröffnet, seitdem steigen die Besucherzahlen kontinuierlich. 2014 war mit 81.000 Besuchern das bisher beste Jahr für das Museum. Im Mai 2015 wurde das Verzetmuseum auf der Website museuminspecteurs (dt. Museumsinspektoren) von beinahe 3.000 Kinder zum "besten Museum der Niederlande" gewählt.

Autorin: Anne Avenarius
Erstellt:
Oktober 2009
Aktualisiert: Online-Redaktion, Juni 2015


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Van der Horst, Liesbeth: De museumcatalogus. Het Verzetsmuseum Amsterdam, Amsterdam 2007.

Pflock, Andreas: Auf vergessenen Spuren. Ein Wegweiser zu Gedenkstätten in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg, Bonn 2006.

Benz, Wolfgang/ Distel, Barbara (Hrsg.): Terror im Westen. Nationalsozialistische Lager in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg 1940-1945, Berlin 2004.

Personen

Informationen zu Personen im Bereich Geschichte Personen A-Z

Links

Wichtige geschichtliche Institutionen finden Sie unter Institutionen

Verzetsmuseum Amsterdam

Internetplatform zu Gedenkstätten an Orten ehemaliger Konzentrations- und Durchgangslager Gedenken in Benelux

Übersicht über Archive der niederländischen Lager Kamparchieven

Bilddatenbank zum 2. Weltkrieg Beeldbank WOII


Impressum | Datenschutzhinweis | © 2018 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel: +49 251 83-28516 · Fax: +49 251 83-28520
E-Mail: