ERInnerungskultur in den Niederlanden


XX. Anne Frank – Ein Tagebuch geht um die Welt


Millionen von Menschen in aller Welt kennen das Tagebuch der Anne Frank. Anne Frank wurde 1929 als Kind jüdischer Eltern in Frankfurt am Main geboren. Ihre Familie flüchtete 1933 vor dem Terror der Nationalsozialisten nach Amsterdam. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Niederlande versteckten sich Anne Frank und ihre Familie in einem Amsterdamer Hinterhaus. Dort schrieb Anne Frank ihr weltberühmtes Tagebuch. Nach dem Verrat ihres Verstecks 1944 wurden Anne Frank und ihre Familie deportiert. Anne Frank starb 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren. Anne Frank ist durch die Veröffentlichung ihres Tagebuchs zum Symbol für Millionen von Juden geworden, die der rassistischen Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

Biografisches Lernen mit Anne Frank

Frank, Anne (Figur, Madame T. in Berlin)
Anne-Frank-Figur Madame Tussauds Berlin, Quelle: El_Enigma/cc-by-nc

Annes Jugend und die für ihr Alter typischen – relativ zeitlosen – Gedanken und Gefühle, die sie im Tagebuch beschreibt, sind der Grund dafür, dass viele Jugendliche sich ihr bis heute emotional nah fühlen. Nicht wenige finden sich in ihrem Tagebuch wieder und bewundern Anne vielleicht für ihr spontanes Vermögen, ihrem Innenleben Ausdruck zu verleihen. Zugleich stellt die Lektüre des Tagebuchs für viele die erste Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus dar. Die Symbolkraft und das Interesse an der Geschichte der Anne Frank wird heute oft genutzt, um Jugendlichen die Zeit des Nationalsozialismus näher zu bringen und verständlich zu machen, und soweit es möglich ist die Folgen des Nationalsozialismus zu begreifen. Das Anne Frank Zentrum in Berlin und seine Partnerorganisation das Anne Frank Haus, Amsterdam, sind anerkannte Institutionen in der Präventivarbeit gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus. Ein gemeinsames Projekt beider Organisationen ist die Grenztournee der niederländisch – deutschen Ausstellung "Anne Frank – eine Geschichte für heute".

Folgen des Zweiten Weltkrieges für das deutsch-niederländische Verhältnis

Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges haben die deutsch – niederländischen
Beziehungen sehr geprägt. Für die Niederländer wurde die nationale Grenze zu einer Trennungslinie zwischen "Tätern" und "Opfern": auf der einen Seite wohnten jene, die während des Zweiten Weltkrieges das Übel über die Niederlande gebracht hatten – auf der anderen Seite die, die dieses Übel ertragen mussten. Die traumatischen Erinnerungen an das Geschehen verhinderten einen gleichberechtigten Dialog. Auf beiden Seiten der Grenze konnten sich Vorurteile frei entwickeln. Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland entstand über die Jahre hinweg ein differenziertes Bild der Nazizeit und der deutschen Besatzung der Niederlande (1940 – 45). Widerstand, Kollaboration und Verfolgung werden heute anders bewertet. Das Schwarzweißbild von früher beginnt aufzubrechen. Immer mehr Organisationen und Einzelpersonen beider Seiten der Grenze suchen die Annäherung, um gemeinsam über das Erbe des Zweiten Weltkrieges nachzudenken. "Der Zweite Weltkrieg ist ein heikles Thema, aber nach so vielen Jahren kann es Deutsche und Niederländer einander näher bringen", sagte der Direktor des Befreiungsmuseums in Groesbeek bei der ersten Station der Grenztournee der Ausstellung "Anne Frank – eine Geschichte für heute" im März 2003.

Das Anne Frank Zentrum


Im Herzen von Berlin, direkt neben den Hackeschen Höfen, befindet sich das Anne Frank Zentrum. Das Zentrum setzt sich für ein respektvolles Miteinander und gegen jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung ein. Dabei geht es um die Verbindung von Geschichte und Gegenwart und um die Frage nach unserem Zusammenleben heute. Das Anne Frank Zentrum ist die deutsche Partnerorganisation des Anne Frank Hauses, Amsterdam. Seit 1998 arbeitet das Anne Frank Zentrum mit vielfältigen Programmen in verschiedenen Arbeitsbereichen:

Ausstellung und Pädagogisches Zentrum in Berlin
Am historischen Ort in der Rosenthaler Straße 39 bietet das Anne Frank Zentrum neben einer Dauerausstellung und diversen Wechselausstellungen ein vielfältiges Angebot, vor allem für Kinder und Jugendliche. Die Projekte stehen unter dem Motto „Jugendliche begleiten Jugendliche“: Jugendgruppen und Schulklassen werden im Zentrum von jungen Menschen begleitet. Hörstationen, Filme, ein interaktives Lerncenter, Lesungen, ZeitzeugInnen-Gespräche sowie Projektveranstaltungen regen junge Menschen zu einem Dialog über Geschichte und Gegenwart an.

Wanderausstellung
Die internationale Wanderausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ ist seit Jahren eines der erfolgreichsten Beispiele für ein aktives Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene finden in der Ausstellung über die Lebensgeschichte Anne Franks einen direkten Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus. Die weltweite Tournee wird vom Anne Frank Haus, Amsterdam, koordiniert.

Interkulturelle Entwicklung und Qualifizierung
Das Anne Frank Zentrum führt bundesweit Trainings und Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich der interkulturellen und antirassistischen Bildungsarbeit durch. Interkulturelle Qualifizierungsangebote für Pädagoginnen und Pädagogen bieten Möglichkeiten der aktiven Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Rassismus.

Autor: Stanislaus Jaworski
Erstellt:
Oktober 2004
Aktualisiert: Juni 2014, Online-Redaktion


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