Die Niederlande und die DDR 1949 bis 1990


XXIV. Die Niederlande aus der Sicht der DDR


Wie bemerkenswert die niederländischen Diskussionen über den SED-Staat und die Anerkennung der DDR Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre auch waren, die Niederlande nahmen in der Außenpolitik der DDR niemals einen sehr prominenten Platz ein. Als NATO-Mitgliedsstaat gehörte das Königreich natürlich zum feindlichen Block, doch waren die beidseitigen Handelsbeziehungen solide. Darüber hinaus schien der Boden für eine internationale Kampagne für die Anerkennung der DDR in den Niederlanden besonders unfruchtbar. Die NATO-Staaten betreffend, bei deren Regierungen die DDR kaum einen Fuß zwischen die Tür bekam, konzentrierte sich die ostdeutsche Strategie in erster Linie darauf, die Sympathie und Unterstützung von Privatpersonen und gesellschaftlichen Organisationen, wie politischen Parteien, zu gewinnen. Vor 1966 wurde im niederländischen Parlament viel weniger Kritik an der Nichtanerkennungspolitik laut als in anderen Ländern, wie Belgien, Frankreich, Italien und England. Mit keiner einzigen politischen Partei bestand ein geregelter Kontakt. Nur einige linke pazifistische PSPler gingen um 1965 einmal mit einem Parteiauftrag nach Ostberlin. Die niederländische kommunistische Partei, der natürliche Bundesgenosse der DDR, besaß nur eine marginale politische Stellung und hatten sich darüber hinaus mit der SED entzweit. Die CPN-Mitglieder waren deswegen für Hand- und Spanndienste beim Aufbau einer Anerkennungsbewegung in den Niederlanden nicht verfügbar. Nur in Staaten mit starken und kooperativen kommunistischen Parteien, wie Italien, Frankreich und auch Belgien, gelang es der DDR früh, Freundschaftsvereinigungen und Anerkennungskomitees zu initiieren.

Auch die Haltung der Sozialdemokratie war von Bedeutung. Die Nederlandse Partij van de Arbeid scheute sich im allgemeinen vor Kontakten mit Kommunisten, generell wenn diese hinter dem Eisernen Vorhand saßen bzw. dann auch noch aus der DDR kamen. Sie fühlte sich auch mehr als die einflussreiche skandinavischen sozialdemokratischen Parteien zu einer deutlichen Distanzierung vom Kommunismus gezwungen, um bei den anderen Parteien ihre Integrität unter Beweis zu stellen. In der PvdA gab es, anders als zum Beispiel in der britischen Schwesterpartei Labour, bis Mitte der sechziger Jahre keine Mitglieder, die sich für die Anerkennung der DDR stark machten. Das Anerkennungsplädoyer von Nieuw Links als Oppositionsbewegung innerhalb der PvdA und von anderen Gruppen junger politischer Aktivisten in den Niederlanden wurde der DDR im Herbst 1966 ohne nennenswerte ostdeutsche Beteiligung in den Schoß geworfen.

Nach der Anerkennung bemühte sich die DDR, die Beziehungen mit den Niederlanden zügig auf ein höheres Niveau zu setzen. Die DDR-Führung legte viel Wert auf den Umgang mit den Niederlanden, denn sie hoffte, dass die Respektabilität des Königreiches an der Nordsee auf die eigene unlegitimierte Machtposition abstrahlen würde. Den Haag reagierte auf die meisten ostdeutschen Initiativen, die auf eine Intensivierung der gemeinsamen Bande abzielten, jedoch kühl. Man hielt Abstand oder zögerte die Umsetzung von gemeinsamen Absprachen hinaus. Ferner waren die Niederlande kein einfacher Partner. In der Entspannungsphase der Ost-West-Verhältnisse hielten die Niederlande an der Menschenrechtsfrage im Ostblock fest, und als der Kalte Krieg wieder aufflackerte, zeigte sich Den Haag betont eisig gegenüber Ostberlin. Kurz vor Toresschluss ereignete sich 1987 doch noch ein Höhepunkt der bilateralen Beziehungen: der offizielle Besuch der Niederlande durch Erich Honeckers. Drei Tage lang wurde der SED-Chef an verschiedenen Orten im Land gefeiert. Der Empfang durch Königin Beatrix und ihren Gemahl Prinz Klaus stellte das i-Tüpfelchen in der Reihe von Festivitäten dar. [1]


[1]  Zitate aus: Jacco Pekelder, Die Niederlande und die DDR. Bildformung und Beziehungen, 1949-1989, AgendaVerlag, Münster: 2002

Autor: Dr. Jacco Pekelder
Erstellt: Mai 2004


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