Die Niederlande und die DDR 1949 bis 1990


I. Einführung

Das niederländische Verhältnis zur DDR war ein besonderes. Auf der einen Seite war bis 1973 von offiziellen Beziehungen zwischen den beiden Staaten keine Rede. Im Einklang mit den anderen westlichen Staaten pflegten die Niederlande mehr als zwanzig Jahre eine Politik der Nichtanerkennung gegenüber dem ostdeutschen Staat. Folglich existierte in Ostberlin keine niederländische Botschaft. Allerdings besaßen die Niederlande wie die anderen westlichen Staaten bereits seit 1945 eine Militärvertretung bei den Besatzungsmächten in Berlin. Erst 1973 wurde die DDR durch die Niederlande anerkannt, und ab diesem Zeitpunkt baute Den Haag die offiziellen Kontakte zögerlich aus.

DDR
Flagge der DDR, Quelle: Wikipedia

Auf der anderen Seite gab es jedoch sowohl vor als auch nach der Anerkennung öffentlichkeitswirksame Privatkontakte. Die Handelsbeziehungen zur DDR gestalteten sich bereits ab Ende der 1940er Jahre relativ intensiv. Ab Mitte der 1960er Jahre suchten linksorientierte Niederländer, besorgt und frustriert angesichts der fortdauernden westlichen Konfrontationspolitik gegenüber dem Ostblock, auch den politischen Dialog mit der DDR. Ferner sind die intensiven kirchlichen Kontakte hervorzuheben, die sich nach ihren frühen Anfängen in ein ausgedehntes Netzwerk von Partnerschaften zwischen Hunderten kirchlicher Gemeinden in den Niederlanden und der DDR entwickeln sollten.

Schreckbild einer kommunistischen Diktatur?

Noch spannender war die niederländische Bildformung über die DDR: in den vierzig Jahren seines Bestehens prägten sich in der niederländischen Presse und Politik ganz unterschiedliche Vorstellungen über den „zweiten deutschen Staat“ aus. Die DDR gab zahlreiche Male Anlass zu heftigen Kontroversen, besonders in der Phase der Anerkennungsfrage 1966-1973, aber auch danach. Linke Niederländer projizierten ihre utopischen Zukunftsvorstellungen auf den SED-Staat, während rechte Sozialdemokraten und Konservativ-Liberale in diesem das Schreckbild einer kommunistischen Diktatur erkannten. Ohne weiteres nahmen die Niederlande an, dass die DDR die Nazi-Vergangenheit mehr aufgearbeitet hatte als die Bundesrepublik. Obwohl einige setzten doch Fragezeichen hinter den offiziellen, „staatstragenden“ Antifaschismus.

An den Diskussionen ist auffallend, dass sowohl das Selbstbild der DDR als auch das Fremdbild der Diskutanten nicht immer die verschiedenen Standpunkte bestimmten. Interne (partei-)politische Motive und der Protest gegen das Establishment in den 1960ern und 1970ern spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Tendenzen in der Meinungsbildung reflektierten den Wechsel von Ebbe und Flut im Ost-West-Verhältnis. Natürlich bestimmte auch die niederländische Wahrnehmung von Deutschland und den Deutschen die Vorstellungen über die DDR.

Autor: Dr. Jacco Pekelder
Erstellt: Mai 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben zum Themenbereich Geschichte finden Sie unter Bibliographie

Pekelder, Jacco: Die Niederlande und die DDR. Bildformung und Beziehungen 1949-1989, Münster 2002.

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