Die Niederländischen Antillen und Surinam


I. Einführung: Menschen und Güter in Bewegung

Aruba Strand
Aruba, Quelle: M. Giovinazzo/cc-by-nc-nd

Die niederländisch-karibischen Beziehungen begannen im 17. Jahrhundert mit der Besetzung der Antilleninsel Curaçao. Damit nahmen die Niederlande teil am „kontinuierlichen Spiel von Geschichte, Kultur und Macht“ im karibischen Raum, von dem der Jamaikaner Stuart Hall schreibt.

Die Geschichte der niederländisch-karibischen Beziehungen ist bis heute eine Geschichte der Bewegung: von Menschen und Gütern. Von der indianischen Ursprungsbevölkerung, die bereits von den Spaniern zur Zwangsarbeit verschleppt worden war. Von den niederländischen Kaufleuten der West-Indischen Compagnie (WIC), die auf ihren Plantagen Kaffee, Rohrzucker und Baumwolle produzierten und auf den nordamerikanischem und europäischem Markt verkauften. Von den schwarzen Sklaven, die sich an ihrer Sprache und Kultur festhielten. Von den asiatischen Kontraktarbeitern, die sich nach Ablauf ihres Vertrags mit den Plantagenbesitzern für ein Leben in der Neuen Welt entschieden. Von den antillianischen und surinamesischen Gewerkschaftern und Politikern, die sich um wirtschaftliche und politische Emanzipation bemühten. Von den karibischen Einwanderern in die Niederlande, die dort nach einem höheren Lebensstandard suchen.

ABC und SSS: Inseln über und unter dem Wind

Die ehemaligen niederländischen Kolonien umfassen zwei zu den Kleinen Antillen gehörende Inselgruppen, die zusammen 800 Quadratkilometer groß sind und im Juli 2005 rund 291.000 Einwohner hatten. Die ABC-Inseln – Aruba, Bonaire und Curaçao – liegen vor der Küste Venezuelas „unter dem Wind“, das heißt südlich des karibischen Hurrikangürtels. Die SSS-Inseln – Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten – liegen weiter nördlich „über dem Wind“ in der Nachbarschaft von Puerto Rico. Dort richten die Stürme zwischen Juli und Oktober oft großen Schaden an. Die geographische Lage führte dazu, dass sich unterschiedliche Sprachen als Umgangssprachen durchsetzten: Auf den ABC-Inseln ist es das kreolische Papiamento, auf den SSS-Inseln das Englische.


Diskussion über die Amtssprache

Der Zwiespalt zwischen dem niederländischen kulturellem Erbe und den gegenwärtigen politischen Herausforderungen zeigt sich in Surinam, dem kleinsten Land in Südamerika, in der Diskussion über die Amtssprache. Seit der Unabhängigkeit 1975 gab es mehrmals parlamentarische Anträge, Niederländisch durch eine Weltsprache wie Englisch zu ersetzen. Das würde nicht nur helfen, die Isolation in der karibischen Region zu durchbrechen, lautete die Argumentation, sondern auch die Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunkts in die Karibik und nach Nordamerika unterstreichen. Diese Anträge hatten bisher keinen Erfolg, denn ein Großteil der Einwohner Surinams hat Verwandte in den Niederlanden. Diese Familienbeziehungen bleiben gerade wegen der gemeinsamen Sprache Niederländisch lebendig.

Diskussion über die mangelnde Integration

Sprache ist auch ein wichtiger Punkt in der Diskussion über die mangelnde Integration der karibischen Einwanderer in den Niederlanden. Viele jugendliche Neu-Einwanderer von den Niederländischen Antillen beherrschen nur Papiamento, die kreolische lingua franca der ABC-Inseln, und haben als Schulabbrecher kaum Chancen, in der niederländischen Dienstleistungsgesellschaft Fuß zu fassen. Ähnlich geht es den Jugendlichen der zweiten Einwanderergeneration in den Großstädten, die als gewalttätig und kriminell gelten. In einem Interview in de Volkskrant im November 2005 verweist der Rotterdammer Stadtrat Leonard Geluk (CDA) auf deren unzureichende Erziehung und Ausbildung. Er sieht eine Ursache dafür in den mitgewanderten afro-karibischen Familienstrukturen mit ihren alleinerziehenden Müttern.

Spagat zwischen zwei Welten

Doch selbst beruflicher Erfolg ist mit einem Spagat zwischen den Welten verbunden. Dies beschreibt Izzaline Calister, Jazzmusikerin aus Curaçao, in einem Interview in der (mittlerweile eingestellten) karibischen Ausgabe des Algemeen Dagblad im November 2002: „Ich bleibe dabei, in Papiamento zu singen. Ich finde, dass diese Sprache schöner klingt und ich kann mich darin besser ausdrücken und ich will nun einmal weiterhin schreiben. Glücklicherweise stehen die Niederländer ausländischer Musik sehr offen gegenüber. Weil ich auf jeden Fall in den Niederlanden wohnen muss, wenn ich Karriere machen will.“ 

Autorin: Esther Helena Arens
Erstellt: Januar 2006


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Brown, Enid: Suriname and the Netherlands Antilles, London 1992.

Goslinga, Cornelis Ch.: The Dutch in the Caribbean and in Surinam 1791/5-1942, Assen 1990.

Goslinga, Cornelis Ch.: A Short History of the Netherlands Antilles and Suriname. The Hague/London 1979.

Hoefte, Rosemarijn/Meel, Peter (Hrsg.): 20th Century Suriname. Continuities and Discontinuities in a New World Society, Leiden/Kingston 2001.

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Central Information Agency der USA, dort Country Reports über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von Aruba, der Niederländischen Antillen und von Surinam CIA


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