XVI. Nationales Monument Kamp Vught


Gedenken ist Nachdenken

Rund 750 Namen an den Wänden des Besinnungsraumes in Kamp Vught stehen für die Opfer des während des Zweiten Weltkrieges einzigen SS-Konzentrationslagers in den Niederlanden und zeugen von der dunklen Vergangenheit dieses Ortes. Die Gefangenen wurden hingerichtet oder starben aufgrund der katastrophalen Zustände im Lager an Krankheit, Hunger, Erschöpfung oder mangelnder medizinischer Versorgung.

Zwischen Januar 1943 und September 1944 wurden ca. 31.000 Menschen im Konzentrationslager Herzogenbusch, wie der offizielle Name des Lagers lautete, gefangen gehalten. Unter ihnen ca. 12.000 Juden, politische Gefangene, Sinti und Roma, Widerständler, Schwarzhändler, Kriminelle, Zeugen Jehovas, Landstreicher – Männer, Frauen und Kinder.

Auf einem Teil des ehemaligen Lagergeländes befindet sich heute eine Gedenkstätte die dem Gedenken an diese Menschen gewidmet ist.

Gedenken in Vught 1946
Gedenken in Vught 1946
© NA, 901-9088

Lagerwirklichkeit

Nach einem Einführungsfilm, der den Besucher in die Zeit des Zweiten Weltkrieges zurückversetzt, fällt der Scheinwerfer auf eine kleine Vitrine. Darin liegt ein Kalenderblatt mit dem aktuellen Datum: Es ist der 31.08. Ein Tagebuchfragment eines Häftlings aus Vught berichtet, was sich an eben diesem Tag vor über sechzig Jahren zugetragen hat: „An der gegenüberliegenden Seite der Werkstatt ist ein Galgen zu sehen. Gerade fertig. Er scheint schon benutzt worden zu sein. Zwei Polen.“ Plötzlich befindet man sich nicht mehr im Jahr 2009, sondern in der grausamen Wirklichkeit des Lagers.

Kamp Vught


Lunettenlaan 600, Vught


www.nmkampvught.nl

Erwachsene zahlen 6,00 Euro, Kinder: 3,00 Euro. Freier Eintritt am ersten Mittwoch im Monat und am 4. Mai und 7. Juni.

Zwei Ausstellungsräume im Besucherzentrum der Gedenkstätte erzählen anhand von Fotos, Dokumenten, Tagebuchfragmenten und Objekten die Geschichten der Inhaftierten und informieren über das Terrorsystem der Nationalsozialisten. Im Außenbereich kann man eine rekonstruierte Baracke betreten. Auch das Krematorium des Lagers ist zu besichtigen. Anhand eines Modells erhält man einen Überblick über Größe und Umfang von Kamp Vught.

Das etwa 1 Kilometer lange und ca. 350 Meter breite Lager war ab 1942 errichtet worden, weil die Kapazitäten der Lager in Amersfoort und Westerbork nicht ausreichten. Es lag strategisch günstig, unweit der Autobahn und Bahnlinien, und war von außen nicht einsehbar.
Die ersten Häftlinge kamen im Januar 1943 nach Vught. Für viele der Häftlinge, die in den darauffolgenden anderthalb Jahren des Lagerbestehens folgen sollten, war das Lager Vught nur eine vorübergehende Station. Sie wurden in andere Lager oder Gefängnisse gebracht. Für jüdische Gefangene bedeutete dies in der Regel die Deportation in die Vernichtungslager. Nur wenige von ihnen sollten jemals zurückkehren.

Dies gilt auch für alle im Lager lebenden Kinder zwischen 0 und 16 Jahren, die am 5. und 6. Juni 1943 deportiert wurden. Gemeinsam mit ihren Müttern beziehungsweise einem Elternteil wurden sie nach Westerbork und von dort nach Sobibor gebracht, wo sie direkt nach ihrer Ankunft vergast wurden. Das Kinderdenkmal auf dem Gelände der Gedenkstätte erinnert an ihr Schicksal.

Nach dem Krieg

Nach Kriegsende wurde das Lager zunächst als Internierungslager für Deutsche aus dem Grenzgebiet und Kollaborateure genutzt. Nachdem die letzten Internierten freigelassen worden waren, diente das Lager ab 1951 als Auffanglager für Soldaten aus den Süd-Molukken und deren Familien. Diese hatten während des Unabhängigkeitkampfes Surinams auf Seiten der niederländischen Kolonialherren gestanden und das Land verlassen müssen. Im „Woonoord Lunetten“ waren sie bis 1991 in den ehemaligen Baracken des Lagers Vught untergebracht. Als an deren Stelle neue Wohnungen gebaut wurden, wurden die Baracken abgerissen. Lediglich eine der alten Lagerbaracken ist erhalten geblieben.

Bereits 1947 war auf dem Hinrichtungsplatz des Lagers ein Denkmal errichtet worden. Es war das erste Denkmal überhaupt, das in den Niederlanden am Ort eines ehemaligen Konzentrationslagers errichtet worden war. Jedoch war es nicht den rund 750 Menschen gewidmet, die im Konzentrationslager Vught ums Leben gekommen waren, sondern bezog sich auf die Mitglieder des Widerstandes, die man hier hingerichtet hatte. Erst seit den 80er Jahren ist ein steigendes Interesse am Lager und seiner Geschichte festzustellen. In diese Zeit fallen auch erste Forderungen ehemaliger Häftlinge, auf dem Gelände des Lagers eine Gedenkstätte zu errichten.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 setzt sich die Stiftung Nationales Monument Kamp Vught für den Aufbau und Erhalt einer Gedenkstätte zur Geschichte des Lagers und seiner Opfer ein. Die Gedenkstätte konnte 1990 eröffnet werden. 2002 wurde sie renoviert und um ein Besucherzentrum erweitert. Dabei wurde versucht, einen Teil des Lagergeländes zu rekonstruieren und in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.  Neben dem Nationalen Monument Kamp Vught befinden sich heute der Woonoord Lunetten, zwei Kasernen und ein Gefängnis auf dem ehemaligen Areal des Konzentrationslagers Herzogenbusch.


Autorin: Anne Avenarius
Erstellt:
Oktober 2009
Aktualisiert: Online-Redaktion, Juni 2015