XIII. Das Anne Frank Haus. Das Versteck im Hinterhaus

„Ich sehe uns hier im Hinterhaus, als wären wir auf einem lichten Stück blauen Himmels inmitten schwerer, dunkler Regenwolken“, schreibt Anne Frank am 8. November 1943 in ihr Tagebuch. Es ist wohl eines der bekanntesten Bücher überhaupt: 1947 unter dem Titel Het achterhuis (dt.: Das Hinterhaus) erstmalig veröffentlicht, mittlerweile in viele Sprachen übersetzt und in mehr als 50 Ländern erschienen. Darin erzählt das jüdische Mädchen von ihrer Zeit im Versteck im Hinterhaus in der Prinsengracht 263 in Amsterdam.

Das Museum

Besagtes Hinterhaus in Amsterdam ist heute der Sitz der Anne Frank Stiftung und gleichzeitig ein Museum. Seit der Eröffnung im Jahr 1960 haben unzählige Menschen das Museum besucht. Im Eröffnungsjahr waren es bereits 9.000 Besucher. 2007 lagen die Besucherzahlen erstmals jenseits der Millionengrenze.

Der Besuch des Museums beginnt mit einem Film über die Geschichte der Familie Frank. Die Route führt durch die rekonstruierten Lagerräume der Firma Opekta, deren Lizenzinhaber Otto Frank, der Vater von Anne, war. Der Besucher gelangt über den noch erhaltenen Bücherschrank, hinter dem sich der Eingang zum Versteck befindet, in die Räume der Untergetauchten im Hinterhaus. Wer hier ein möbliertes Versteck erwartet, liegt falsch. Die Räume wurden kurz nach der Verhaftung der Untergetauchten leer geräumt. Beim Museumsaufbau hat man bewusst auf eine Rekonstruktion der Einrichtung verzichtet. Das Versteck sollte so gezeigt werden, wie es nach der Verhaftung ausgesehen hat: leer und leblos. Ein Symbol für die schrecklichen Folgen des Krieges. In Annes Zimmer sieht man Fotos und Bilder aus Zeitschriften, die Anne sammelte und an die Wände klebte. Sie wurden erst vor kurzem aufwändig restauriert und befinden sich hinter Glas.

Anne Frank Haus

Prinsengracht 263-267, Amsterdam

www.annefrank.org

Neben den historischen Räumlichkeiten werden Wechselausstellungen zu aktuellen Themen gezeigt, so unter anderem die Ausstellung „Free2choose“, in der es um Freiheitsrechte in der Demokratie geht. 1999 wurde das Museum erneuert. Neben der Renovierung und Rekonstruktion des Vorderhauses wurde es um einen Neubau erweitert.

2010 feierte das Anne Frank Haus, das täglich von zahlreichen Menschen aus der ganzen Welt besucht wird, sein fünfzigjähriges Bestehen. Im Gebäude sind maximal 300 Personen gleichzeitig zugelassen; so bilden sich oft lange Schlangen Wartender vorm Eingang. Wem das Warten zu lange wird, hat seit dem Jubiläumsjahr die Möglichkeit, das Museum online auf einem virtuellen Rundgang zu besichtigen. Das Museum empfiehlt zudem, die Eintrittskarten vorab online zu erwerben und einen festen Zeitpunkt für den Einlass reservieren. Kinder sollten auf den Besuch vorbereitet werden, lautet eine weitere Empfehlung.

Die Stiftung

1957 wurde die Anne Frank Stiftung gegründet. Einer der Gründer war Otto Frank, der das Hinterhaus vor dem Verfall und Abriss retten wollte. Ziel der Stiftung war es zunächst, das Hinterhaus anzukaufen, es zu restaurieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daneben sollten die Ideale des jungen Mädchens in die Welt getragen werden.

Was anfangs als kleine Stiftung mit vielen ehrenamtlichen Helfern begann, ist heute zu einer großen, unabhängigen Organisation gewachsen, die das Ziel verfolgt, anhand der Lebensgeschichte Anne Franks vor den Gefahren von Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung zu warnen und die Bedeutung von Freiheit, Menschenrechten und Demokratie herauszustellen. Neben dem Museum fußt die Stiftung auf drei weiteren Pfeilern: der pädagogischen Arbeit, der internationalen Arbeit sowie der Forschung. So werden pädagogische Programme und Publikationen entwickelt. Die Wechselausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ reist mit einem vielfältigen Rahmenprogramm durch die ganze Welt und die Mitarbeiter forschen zu den Themenfeldern Rassismus, Antisemitismus und Extremismus.

Die Tagebücher

2009 wurden Anne Franks Tagebücher in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Ab November 2009 werden sie im Anne Frank Haus ausgestellt. Otto Frank hatte sie nach seinem Tod dem heutigen NIOD (Niederländisches Institut für Kriegsdokumenation) hinterlassen. Jetzt haben das NIOD, die Anne Frank Stiftung und die Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften (KNAW) entschieden, dass die Bücher an dem Ort, an dem Anne Frank sie verfasst hatte, dauerhaft präsentiert werden sollen. Dort werden sie als Dauerleihgaben des NIOD in einem eigens dafür gestalteten Ausstellungsraum zu sehen sein. So werden sie in dem Jahr, in dem Anne Frank 80 geworden wäre, an ihren Ursprungsort zurückkehren.


Autorin: Anne Avenarius
Erstellt:
Oktober 2009
Aktualisiert: Online-Redaktion, Juni 2015