XXV. Porträt: Minister B.J. Udink

In der Politik von Minister B.J. Udink von der Christelijk-Historische Unie (CHU), vom 5. April 1967 bis zum 6. Juli 1971 im Amt, zeigten sich die Pendelschwünge der niederländischen Entwicklungshilfe zwischen Idealismus und Ökonomie. Für das Ministeramt hatte er sich unter anderem durch seine Mitgliedschaft im Nationale Raad van Advies inzake Hulpverlening aan minderontwikkelde landen (NAR) qualifiziert. Eine seiner nachhaltigsten Amtshandlungen war das Konzept der Schwerpunktländer (concentratielanden), das er im Jahr 1968 in die Praxis umsetzte. Er richtete die Entwicklungshilfe auf eine Gruppe von zwölf Ländern, neben Suriname und den Niederländischen Antillen waren das Indonesien, Indien, Pakistan, Sudan, Tanzania, Kenia, Uganda, Nigeria, Tunesien, Kolumbien und Peru. Daneben war seine Amtszeit gekennzeichnet von der engen Verbindung zur niederländischen Unternehmerschaft, vom Konzept trade and aid. 1969, das Jahr seiner Nota Toetsing van de Nederlandse Ontwikkelingssamenwerking, setzte er zusammen mit Minister H.J. Witteveen das Gesetz zur Rückversicherung von Investitionen (Wet herverzekering investeringen) durch, 1970 folgte das Gesetz bezüglich der Einrichtung der Finanzierungsgesellschaft für Entwicklungszusammenarbeit (Wet inzake de oprichting van de Financieringsmaatschappij voor Ontwikkelingssamenwerking). Die Unternehmerfreundlichkeit von Udink war in seiner Ausbildung und beruflichen Laufbahn begründet: Nach Stationen bei der Industrie- und Handelskammer in Rotterdam war der Ökonom von 1962-67 Geschäftsführer der Centrale Kamer voor Handelsbevordering in Den Haag. 1971 regte er die Einrichtung des Centrum tot Bevordering van de Import uit ontwikkelingslanden (CBI, heute Centre for the Promotion of Imports from Developing Countries) an.

Multilateraler Ansatz

Gleichzeitig war Udink um einen multilateralen Ansatz bemüht. In einem Gespräch mit seinem westdeutschen Ministerkollegen Erhard Eppler sprach er im Mai 1969 von dem „bilateralen Dschungel“, den es zu vermeiden gilt. Im Juni 1969 richtete er den Appell an die Botschafter ausgewählter Industrie- und Entwicklungsländer, sich als „Vierte Welt“ um die Vermittlung zwischen Nord und Süd zu bemühen. Darüber hinaus war die Öffentlichkeitsarbeit ein Anliegen des Ministers: 1970 gründete er die Nationale Commissie Ontwikkelingsstrategie (heute NCDO, Nationale Commissie voor Internationale Samenwerking en Duurzame Ontwikkeling) unter dem Vorsitz von Prinz Claus. Die Kommission sollte über die Entwicklungszusammenarbeit aufklären und das öffentliche Bewusstsein über die Entwicklungsproblematik fördern.

Autorin: Esther Helena Arens
Erstellt: Dezember 2004
Aktualisiert: Februar 2018, Henrike Post