III. Die Ausgangssituation

Bereits zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, währenddessen die USA und die Sowjetunion eine Allianz gebildet hatten, rangen die beiden Supermächte im Kalten Krieg um die Aufteilung der Welt in Einflusszonen.Die Sowjetunion unter Stalin bezeichnete die Politik der USA als Imperialismus und setzte die Weltrevolution dagegen. Die USA wandten sich gegen den Totalitarismus des Sowjetregimes und setzten sich für demokratische Regierungen, nationale Selbstbestimmung und freies Unternehmertum ein.

Am 12. März 1947 formulierte der US-amerikanische Präsident Harry S. Truman in einer Rede vor dem Kongress das politische Leitbild, das bald als Truman-Doktrin bekannt wurde: „I believe that it must be the policy of the United States to support free peoples who are resisting attempted subjugation by armed minorities or by outside pressure.”

"Wir müssen die Hoffnung erhalten"

Es ging um einen konkreten Fall, nämlichdie Leistung von Militär- und Wirtschaftshilfe für Griechenland, damit die Regierung dort einen kommunistischen Aufstand niederschlagen konnte, und für die Türkei, deren wirtschaftliche Instabilität sie anfällig machte für den Druck der UdSSR. Truman zog aber auch eine allgemeingültige Verbindung zwischen totalitärer Politik einerseits und Armut und Hunger andererseits: „[...] the seeds of totalitarian regimes are nurtured by misery and want. They spread and grow in the soil of poverty and strife. They reach their full growth when the hope of the people for a better life has died. We must keep that hope alive.” Am 5. Juni 1947 stellte der amerikanische Außenminister George C. Marshall Wirtschaftshilfe für den Wiederaufbau der europäischen Staaten in Aussicht, später bekannt als Marshall-Plan. Er schlug einen weniger konfrontativen Ton ein als Truman und begründete die Notwendigkeit von Hilfe humanitär: „Our policy is directed not against country or doctrine, but against hunger, poverty, desperation, and chaos.“ Am 16. April 1948 unterzeichneten die USA und die europäischen Länder die Konvention zur Gründung der Organisation of European Economic Cooperation (OEEC), welche die Mittel aus dem Marshallplan verwalten sollte.

Nachdem sie die Entwicklungsaufgaben der unmittelbaren Nachkriegszeit erfüllt hatte, wurde diese Institution 1961 in die (heutige) Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) umgeformt. Innerhalb der OECD beschäftigen sich die westlichen Industrieländer weltweit mit entwicklungspolitischen Fragen, vor allem im Development Assistance Committee (DAC). In der Inaugurationsrede zu seiner zweiten Amtszeit 1949 bekannte Präsident Truman sich zur weltweiten Verantwortung der USA und stellte seine Außenpolitik auf vier Säulen: die UNO, den Marshall-Plan, die NATO sowie a bold new plan für technische Hilfe an die unterentwickelten Erdteile, eine Art globalen Marshall-Plan. Dieses Programm, bald als Point Four bezeichnet, sollte die Vorteile des wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts der USA für die Verbesserung der Lebensbedingungen und das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern nutzbar machen. Die Niederlande stellten im Juli 1949 als Beitrag zu Trumans Point-Four-Programm dem Expanded Programme for Technical Assistance (EPTA) der UNO 1,5 Mio. Gulden zur Verfügung – dies war auch die Keimzelle der niederländischen Entwicklungshilfe.


Autorin: Esther Helena Arens
Erstellt: Dezember 2004
Aktualisiert: Februar 2018, Henrike Post