Entwicklungszusammenarbeit seit 1945

I. Einleitung

Die Auffassung, eine besonders aufrechte und professionelle Rolle in der internationalen Entwicklungspolitik zu spielen – von der Armutsbekämpfung bis zum Schutz der Menschenrechte – ist ein wesentlicher Bestandteil des außenpolitischen Selbstbilds der Niederlande. Diese Auffassung wurzelt in der kolonialen Vergangenheit der Niederlande, erlebte ihren ideologischen Höhepunkt in den 1970er Jahren und prägt heute die Öffentlichkeitsarbeit der staatlichen Entwicklungspolitik.

Als Kolonialmacht betrieben die Niederlande bereits seit 1900 Entwicklungspolitik im Sinn der wirtschaftlichen Modernisierung, vor allem des Ausbaus der Infrastruktur und haben die Erfahrung, die sie in Südostasien und in Südamerika gesammelt hatten, bereits bürokratisch und universitär institutionalisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte die Lobbykraft dieser Expertise aus der Kolonialzeit eine wichtige Rolle bei der Entscheidung im von nun an auch international organisierten und vernetzten Politikfeld Entwicklungshilfe tätig zu werden. Daneben standen humanitäre Gesichtspunkte, nämlich die Not in den Ländern der südlichen Hemisphäre nach dem Vorbild des Marshallplans zu lindern, sowie ökonomische Erwägungen, nämlich die niederländische Wirtschaft durch Exporte in die sich entwickelnden Märkte anzukurbeln.

Diese Dreiteilung der staatlichen Motivation, die zur Ausbildung verschiedener Instrumentarien der Entwicklungspolitik führte, bleibt bis heute erhalten und damit auch der darin angelegte Wertekonflikt, zu dem die jeweiligen Minister Position beziehen mussten bzw. müssen. Gleichzeitig kann die niederländische Entwicklungspolitik nicht ohne Abhängigkeit von und Rückwirkung auf weltweite Entwicklungen erfolgen, weil das Land innerhalb internationaler Organisationen wie UNO und OECD über eine wichtige Stimme verfügt.


Autorin: Esther Helena Arens
Erstellt: Dezember 2004
Aktualisiert: Februar 2018, Henrike Post