XXI. Niederländische Mittlerfunktion: Die Intergovernmental Group on Indonesia (IGGI)

Mitte der fünfziger Jahre hatten sich westliche Industrieländer in ihrer Funktion als Gläubiger von Entwicklungsländern im sogenannten Pariser Club zusammengeschlossen, um bei Bedarf im multilateralen Rahmen Verhandlungen über die Umschuldung von öffentlichen Krediten zu organisieren.

Mitte der sechziger Jahre war die Zahlungsbilanz Indonesiens an einem solchen Tiefpunkt angekommen, dass sich der Pariser Club dem Problem annahm. Die Niederlande übernahmen den Vorsitz der Intergovernmental Group on Indonesia (IGGI), die von 1967 bis 1992 tagte. Dann ging die IGGI nach Auseinandersetzungen über die Wahrung der Menschenrechte in Indonesiens auf Drängen Indonesiens als Consultative Group on Indonesia in der Weltbank auf. Die prominente Rolle des Vorsitzenden übernahmen die Niederlande in diesem Fall nicht aus Idealismus. Stattdessen zeigten sich die Ausläufer der Dekolonisation in den außenpolitischen Motiven.

Teil der new economic order

Außenminister J.M.A.H. Luns hoffte, über die IGGI finanzielle Kompensation für die verstaatlichten niederländischen Betriebe in Indonesien zu erhalten. Seit 1966 hatten zudem die USA ihre Erwartungen Luns geäußert, dass der NATO-Partner seine Landeskenntnis im Sinn des westlichen Bündnisses zugunsten der Stabilität in Südostasien einsetzten würde. Nicht zuletzt äußerten die Niederlande ihren Anspruch auf den Vorsitz, um im Sinn der nationalen Wohlfahrt der Konkurrenz Japans zu begegnen. Im Juni 1966 hieß es in einem Memorandum: „Man solle doch annehmen, dass Indonesien unserem Land den Vorzug geben würde, nicht allein aufgrund der sachlichen Vorteile und früheren Verbindungen, sondern auch weil von den Niederlanden keine politischen Hintergedanken zu fürchten seien.“ Während die Niederlande sich selbst aus dem Status der ungeliebten ehemaligen Kolonialmacht entließen, stellten sie die japanischen Interessen als neokolonial dar. Immerhin warnte Minister B.J. Udink Ende 1967 noch vor der Bevormundung Indonesiens.

Zumindest rhetorisch ordnete Udink das niederländische Engagement in der IGGI jedoch auch in die multilaterale Tradition ein. Er betonte in seiner Eröffnungsrede zur Sitzung im April 1968 in Rotterdam die Rolle des IGGI als Teil der new economic order. In seinen Augen ging es darum, die binnenwirtschaftlichen Strukturen Indonesiens innerhalb der multilateralen, von den westlichen Industrieländern bestimmten Ordnung kompatibel zu machen. Dies vereinfachte sich seit 1973, als sich die Ölpreise vervierfachten und die Kluft zwischen Exporteinnahmen und Schuldendienst verringerte.

Autorin: Esther Helena Arens
Erstellt: Dezember 2004
Aktualisiert: Februar 2018, Henrike Post