II. Offizielle Beziehungen bis 1973 - Nichtanerkennung

Der Westen reagierte auf die Proklamation der DDR am 7. Oktober 1949 mit rigoroser Ablehnung. Nach einiger Überlegung beschlossen die westlichen Staaten, die Regierung in Ostberlin vorläufig nicht völkerrechtlich anzuerkennen. Man sprach ab, jegliche Handlungen zu unterlassen, die als eine Anerkennung der DDR hätten ausgelegt werden können. Die Niederlande wurden bei diesen westlichen Überlegungen eng miteinbezogen, doch spielten sie keine vornehmliche Rolle. Die Nichtanerkennungspolitik zielte darauf ab, einen Macht- und Ansehenszuwachs der DDR zu verhindern. Gleichermaßen bezweckte sie auch die Unterstützung der Bundesregierung von Konrad Adenauer. Diese hatte das Alleinvertretungsrecht beansprucht. Demnach besaß allein die Bundesrepublik das Recht, um das gesamte deutsche Volk gegenüber dem Ausland zu vertreten. Letztendlich sollte an der Nichtanerkennungspolitik bis Ende 1972 festgehalten werden. Das hatte zur Folge, dass die Niederlande ebenso wie die anderen westlichen Staaten in dieser Periode keine offiziellen Beziehungen zur DDR unterhielten. Es wurden keine offiziellen Verträge geschlossen, es gab keine Botschaft in Ostberlin und Kontakte auf hohem Regierungsniveau stellten ein Tabu dar. Offizielle Beziehungen existierten, aber nur im Handelsbereich und auf privater Ebene, vor allem auf kirchlicher Ebene und zwischen den kommunistischen Parteien beider Staaten.

Offiziell: Handelsbeziehungen

Bereits im Juni 1947 hatten die Niederlande als eines der ersten westlichen Länder mit der Sowjetunion ein Handelsabkommen für die sowjetische Besatzungszone in Deutschland (SBZ) abgeschlossen. Nach der Gründung der DDR lag es eigentlich auf der Hand, direkt mit der Regierung in Ostberlin zu verhandeln. Doch die Niederlande weigerten sich, da direkte Verhandlungen einer Anerkennung gleichgekommen wären. Der Westen hatte gerade die Abmachung getroffen, die DDR vorläufig nicht anzuerkennen. Als Kompromiss wurde die private Niederländische Industrie- und Handelskammer für Deutschland, die bereits über eine Vertretung in Ostberlin verfügte, eingeschaltet. Diese schlug den Ostdeutschen eine „De- Facto-Verlängerung“ des Handelsabkommens mit der Sowjetunion vor. Im Hintergrund sollte das Wirtschaftsministerium in Den Haag allerdings eine gewisse Kontrolle ausüben. So kam also doch eine offizielle Handelsübereinkunft zustande. Die DDR stimmte dieser Vorgehensweise zu, die bis 1973 die allgemeine Praxis darstellen sollte. Ostdeutsche Versuche, die Handelsbeziehungen auf eine offizielles Niveau anzuheben, wurden durch die Niederlande stets abgewiesen. Auch innerhalb der NATO verteidigten die Niederlande die Nichtanerkennungspolitik strikt gegenüber den Partnern, welche die Regelungen nachlässiger handhabten. Allerdings gestanden die Niederlande der ostdeutschen Kammer für Außenhandel 1954 zu, eine Handelsvertretung in Amsterdam zu eröffnen. Trotz der relativ strikten Haltung gegenüber Ostberlin, nahmen die Niederlande immer eine vorrangige Position unter den westlichen Handelspartnern der DDR ein. Die Niederlande rangierten stets vor Ländern wie Belgien oder Frankreich, welche die Regelungen nachlässiger handhabten. Im ersten Jahr nahm der Handelsaustausch von Kunstdüngergrundstoffen, d.h. Kali aus der DDR gegen Superphosphat aus den Niederlanden, eine zentrale Rolle ein. Später wurden im niederländischen Export billige Landwirtschafts- und Fischereiprodukte wichtiger. Der ostdeutsche Export konzentrierte sich weiterhin auf Kali, doch stieg auch der Anteil von industriellen Produkte und Halbfabrikaten.


Autor: Dr. Jacco Pekelder
Erstellt: Mai 2004