III. 1973: Die Anerkennung der DDR

Nach den Bundestagswahlen 1969 setzte die sozial-liberale Regierung unter Bundeskanzler Willi Brandt mit der sogenannten neuen Ostpolitik ein. Durch eine Reihe spektakulärer Verhandlungsrunden zwischen 1970 und 1972 wurden die Beziehungen zwischen Westdeutschland und den osteuropäischen Staaten, die Sowjetunion voran, auf eine neue Grundlage der Zusammenarbeit und Entspannung gestellt. Am 21. Dezember 1972 kulminierte diese Entwicklung im Abschluss eines deutsch-deutschen Basisvertrages zur Regelung der beidseitigen Beziehungen. Dadurch stand der Weg für die Niederlande und andere westliche Staaten frei, die DDR gleichermaßen anzuerkennen.

Bereits am 27. Dezember 1972 begannen ostdeutsche und niederländische Delegationen mit Verhandlungen über die „Modalitäten“ der beidseitigen Anerkennung. Kaspar Reinink, Leiter der Europadirektion im Außenministerium, führte den Vorsitz der niederländischen Delegation. Am 29. Oktober erzielten die beiden Parteien eine Übereinkunft. Der Ministerrat gab am 5. Januar 1973 seine Zustimmung zu den getroffenen Absprachen. Das Außenministerium veröffentlichte ein mit den ostdeutschen Delegierten gemeinsam aufgesetztes Kommuniqué über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der DDR. Die Niederlande waren damit nach Belgien und gemeinsam mit Luxemburg das zweite NATO-Mitglied, das die DDR anerkannte.

Innerhalb einiger Monate wurden daraufhin Botschafter ausgewechselt. Im Juni 1973 kam der erste ostdeutsche Botschafter, Klaus Wolf, in den Niederlanden an. Am 24. September 1973 überreichte Reinink, der zum Botschafter in der DDR berufen worden war, der Regierung in Ostberlin sein Beglaubigungsschreiben. Damit hatten die Niederlande letzten Endes diplomatische Beziehungen mit der DDR aufgenommen, 24 Jahre nach ihrer Gründung, und wie später deutlich werden sollte, 17 Jahre vor ihrem Niedergang.


Autor: Dr. Jacco Pekelder
Erstellt: Mai 2004