II. 1648-1789: Living Apart Together

Mit dem Ziel, über einen Frieden mit Spanien zu verhandeln, erreichte 1646 eine Delegation der Republik der sieben Vereinigten Provinzen („Republiek der Zeven Verenigde Provinciën“) das westfälische Münster. Nach zwei Jahren mühsamer Verhandlungen wurde am 30. Januar 1648 der Friedensvertrag unterzeichnet und die Republik von Spanien als souveräner Staat anerkannt. Als unmittelbare Folge bestätigte auch der deutsche Kaiser die niederländische Republik, was einer formellen staatlichen Trennung zwischen dem deutschen Reich und der Republik gleichkam.

Gemälde des Westfälischen Friedens in Münster 1648
Gemälde des Westfälischen Friedens in Münster 1648
© Gerard ter Borch (II), gemeinfrei

Trotz dieser staatlichen Trennung blieben die politischen Verhältnisse zwischen der Republik und dem Nachbarn im Osten gut. Die zwei (katholischen) deutschen Fürstenbistümer Münster und Köln waren zwar bei einem Angriff auf die (protestantische) Republik 1672 beteiligt, doch handelte es sich hierbei nur um ein Intermezzo. Insgesamt war das Verhältnis von Allianzen und guten Beziehungen gekennzeichnet. Im Jahre 1673 war die Republik sowohl in der Lage, eine Koalition mit dem deutschen Kaiser und Preußen zu vereinbaren, als auch die Besatzer im Laufe der Jahre 1673 und 1674 zu vertreiben. Das Bündnis mit dem deutschen Kaiser sollte sich in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig erneuern, um den Expansionsdrang des französischen Königs Ludwig XIV. einzudämmen. Auch nach dem Tod des Sonnenkönigs standen die Republik und das deutsche Kaiserreich gewöhnlich auf der gleichen Seite und hielten zueinander.

Enger, aber viel komplexer waren die Beziehungen zwischen der Republik und Preußen. Preußen erwarb 1609 Kleve, Mark und Ravensburg. Damit waren Preußen und die Republik Nachbarn geworden. Beide protestantische Staaten waren in der Regel Verbündete. Dieser Verbund wurde mehrere Male durch Ehen bestätigt, wie zum Beispiel bei der Vermählung zwischen dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm mit Louise Henriette van Oranien 1646. Anlässlich dieser Hochzeit bekehrte sich der Kurfürst zum Kalvinismus, was das Bündnis zwischen Den Haag und Berlin noch verstärkte. Aber innerhalb der Koalition verschob sich die Macht allmählich zu Gunsten Preußens. Die Republik verlor nach und nach ihren Platz als herausragende Handelsmacht Europas, während Preußen in der Rangordnung aufstieg und seit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) letztendlich zu einem der großen Machthaber Europas gehörte. Im Nordwesten Deutschlands konnte Preußen sein Territorium immer weiter ausbauen. Dabei handelte es sich um ein Gebiet, das die Republik seit Beginn des 17. Jahrhunderts zu ihrer Einflusssphäre gezählt hatte. Die Republik besaß neben ihren Garnisonen entlang der Ostgrenze die Oberverwaltung in der Grafschaft Lingen und verfügte in der ganzen Region über großen wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Einfluss. Allmählich ging diese Position in die Hände Preußens über. Nach dem Tod des königlichen Statthalters Wilhelm III. im Jahre 1702 übernahm Preußen die Verwaltung von Lingen und erwarb Moers und Opper-Gelderland. 1744 eignete sich Preußen außerdem Ostfriesland an. Am Ende des 18. Jahrhunderts war die Republik Teil des Einflussbereichs Preußens. Dies verdeutlichte sich im Jahre 1787, als die Republik von Streitigkeiten zwischen Patrioten und ‚Prinzgesinnten’ zerrissen wurde. Im Juni 1787 wurde Prinzessin Wilhelmine von Preußen bei Goejanverwellesluis von Anhängern der Patrioten festgenommen. Wilhelmine war die Ehefrau des Statthalters Wilhelm V. und sein Bruder König von Preußen. Der preußische König Friedrich Wilhelm II. ließ es damit nicht bewenden und schickte 20.000 Soldaten, um die Macht des Statthalters wiederherzustellen. Dieses Ereignis unterstrich das enge Verhältnis zwischen der Republik und Preußen und die wachsende Abhängigkeit der Republik von Preußen. Trotz der guten Beziehungen zog dies ein unterschwelliges Unbehagen gegenüber Preußen nach sich.

Autor: André Beening
Erstellt: Januar 2007