XIV. Grenzübergreifende Wirtschaftsbeziehungen: Eine deutsch-niederländische Fusion

Das deutsche Unternehmen Grundig gehörte zu den großen Wirtschaftskapitänen der Nachkriegszeit. Im Jahr 1957 übernahm der „Meister der Marktwirtschaft“ Max Grundig die Triumph- (Nürnberg) und Adler-Werke (Frankfurt). Beide Firmen fusionierten zum fünftgrößten Büromaschinenhersteller der Welt. 1958 markierte die gemeinsame Vertriebsorganisation Grundig-Electronic-Triumph-Adler (GTA) den praktischen Beginn der Fusion zwischen den Triumph- und Adler-Werken. [1] Die Marke Grundig ist bis heute das Symbol für unternehmerischen Geist und zugleich der Inbegriff des deutschen Wirtschaftswunders.

Neben seinen technischen Fähigkeiten besaß Grundig auch kaufmännisches Talent. Im Jahr 1946 schaffte er mit dem Radiogerät „Heinzelmann“ den Durchbruch. Bis in die 1970er-Jahre ging es für Grundig daher stetig bergauf. [2] Mehr noch: Das Familienunternehmen entwickelte sich sogar zum bedeutendsten Rundfunk- und Fernsehfabrikanten der Welt. Das Geld, aus dem Verkauf von Triumph/Adler im Jahr 1968, steckte er in den Bau der damals weltweit modernsten Farbfernsehfabrik in Nürnberg. „Ende der 70er Jahre stand das Grundig-Imperium mit 38.000 Beschäftigten und einem Milliardenumsatz im Zenit.“ [3]

In den siebziger Jahren überschwemmten zunehmend Asiaten mit noch günstigeren und noch besseren Geräten den Markt. „Grundig hat die Konkurrenz nicht im richtigen Maß wahrgenommen und unterschätzt, was aus Asien rüberkam“ [4], erinnerte sich der ehemalige Philips-Deutschlandchef Kamp. Seine Produktpalette war nicht attraktiv genug und Gerätehalden sowie der Preisverfall machten dem Konzern stets mehr zu schaffen. [5] Steigender Stellenabbau war die Folge. [6]

Der niederländische Konzern Philips, der heute zu den größten Elektronikkonzernen der Welt gehört, konnte zu Beginn der siebziger Jahre noch Rekorde in Bezug auf die Mitarbeiterzahlen verzeichnen, doch in den folgenden Jahren sollte sich auch bei Philips die Lage verschlechtern. Durch die wirtschaftlichen Folgen der ersten Ölkrise, angesichts der zu dieser Zeit aufkommenden großen Konkurrenz durch ausländische Unternehmen und aufgrund der Gefahr, den innovativen Platz auf dem Markt zu verlieren, wurde wie bei vielen anderen Unternehmen eine Umstrukturierung nötig. Hinzu kam, dass der Konzern sich unkontrolliert vergrößert hatte und eine Steuerung aller unabhängigen, im Ausland ansässigen Tochterunternehmen nahezu unmöglich geworden war. Um die eigene Position auf dem Markt halten zu können, begann man, statt in die Produktion vermehrt in Forschung und Entwicklung zu investieren. Die Automatisierung der Abläufe und die Rationalisierung gewann immer mehr Bedeutung, zudem wurden Teile der Produktion ins Ausland verlagert, wo die Lohnkosten deutlich niedriger waren.

Im Jahr 1979 gingen das deutsche Unternehmen Grundig und der niederländische Konzern Philips, die zu der Zeit beide stark in die Entwicklung von Videoaufnahmegeräten investierten, eine Partnerschaft ein. Philips erwarb in diesem Rahmen Anteile an Grundig, das Unternehmen behielt jedoch zunächst die Kontrolle. Doch als sich herausstellte, dass Grundig in das falsche Videoformat investiert hatte und das Unternehmen durch die Krankheit des Vorstandes Max Grundig geschwächt war, erwarb Philips 1984 die Aktienmehrheit und übernahm die Führung von Grundig. [7] Dank des straffen Kostenmanagements von Philips-Manager Kording machte Grundig in den folgenden Jahren zunächst erneut Gewinn. Danach ging es mit dem vormaligen Familienunternehmen jedoch konstant bergab. Es vermochte sich nicht auf dem Markt zu behaupten und wurde in den 90er Jahren schließlich von Philips aufgegeben. 2003 meldete Grundig Insolvenz an. [8]

Philips Deutschland zählt bis heute zu den erfolgreichsten Tochtergesellschaften von Philips und bietet 7000 Menschen Arbeit. An den Standorten Aachen und Hamburg wird so auch erfolgreich Forschung und Entwicklung für das Unternehmen betrieben. [9]


[1] Vgl. Thiel, Karl Rainer: Grundig fusioniert Triumph und Adler-Werke. Ein deutsches Wirtschaftswunder hat Geburtstag.
[2] Vgl. Bayrischer Rundfunk: Unternehmer Max Grundig. Der Vater des "Heinzelmanns".
[3] Thiel, Karl Rainer: Grundig fusioniert Triumph und Adler-Werke. Ein deutsches Wirtschaftswunder hat Geburtstag.
[4] Maatz, Björn: Mit Qualität gegen japanische Massenware.
[5] Vgl. Manager Magazin Online: Missmanagement bei Grundig. Leiden ohne Ende.
[6] Vgl. Bayrischer Rundfunk: Grundig. Vom Radioladen zum Weltkonzern.
[7] Deininger, Roman: Max Grundig. Der Mann unter Strom.
[8] Stern Online: Insolvenzverfahren. Grundig wird zerschlagen.
[9] Philips Online: Unternehmensprofil. Philips in Deutschland.

Autoren:Victoria Eckwerth und Anne Verhoeven
Erstellt:
März 2011