VI. Die Umweltbewegungen in Deutschland und den Niederlanden während der 70er Jahre

Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland haben sich zu Beginn der 70er-Jahre immer mehr Organisationen und Bürgerinitiativen zusammengeschlossen, die sich für eine nachhaltige Umweltpolitik eingesetzt haben. Zentrales Thema in beiden Ländern war vor allem die Atomkraft, aber auch für die allgemeine Verschmutzung der Städte und den Tierschutz setzten sich Organisationen ein. In der Gesellschaft entstand ein völlig neues Bewusstsein, in der die Jugend beinahe alles in Frage stellte. Auch politisch bekam die Umweltbewegung, durch die Partei die Grünen in Deutschland, zunehmend mehr Einfluss. In den Niederlanden und in Deutschland waren die Umweltbewegungen Teil der neu aufkommenden sozialen Bewegungen.

In Deutschland wurden Umweltbewegungen zunächst in kleinen Gemeinden gegründet, breiteten sich dann aber gegen Ende der 80er-Jahre bis auf die Bundesebene aus. So hatten diese Bewegungen auch auf politischer Ebene Einfluss, denn zunehmend wurden Themen wie die Abfallentsorgung und die Mast der Tiere in Frage gestellt – aber auch das stetig wachsende Ozonloch und das Waldsterben in Südamerika waren zentrale Anliegen. Um den Umweltschutz auch in den Bundestag zu bringen, wurden neue Parteien wie die ÖDP oder auch die Bündnis90/Die Grünen gegründet. Die Fragestellung „Kernkraft – ja oder nein“ wurde in Deutschland zu einem der großen Hauptthemen. Bereits gegen Ende der 60er-Jahre gab es vermehrt große Protestaktionen durch Umweltaktivisten, die jedoch oftmals vom Staat gebremst wurden. Vor allem die Gewerkschaften distanzierten sich von den sogenannten „Ökos“. Man befürchtete, dass ihre Zielsetzungen einer gesund wachsenden Wirtschaft schaden können. Dadurch hatten es die Initiativen sehr schwer Gehör zu finden – etwas, das sich bis heute kaum verändert hat.

In den Niederlanden sprach man in den 70er-Jahren über den „Rapport van de Club of Rome“, der eine dunkle Zukunft prophezeite, falls sich in Bezug auf den Umweltschutz nichts Grundlegendes verändern sollte. In diesem Bericht wurden insbesondere das schnelle Wachstum der Wirtschaft und die damit verbundene Industrialisierung kritisiert.
In den Niederlanden erkannte man, welche Probleme die Kernkraft mit sich trug. Politische Unterstützung bekamen die Aktivisten vor allem aus den Reihen der PvdA, die sich zum Ziel gesetzt hatte, keine neuen Kernkraftwerke mehr bauen zu lassen. Eine Vielzahl von Aktionen, wie das Sammeln von Unterschriften im Jahr 1969 gegen den Bau neuer Kraftwerke oder ein großer Protest, als die Regierungen der Niederlande und Deutschland ein gemeinsames Kraftwerk in der Nähe von Nijmegen planten, entstanden. Die Menschen in den Niederlanden ließen sich mobilisieren, sie gingen beispielsweise auf die Straße und wehrten sich gegen den Bau des Kraftwerkes und die 3% Mehrkosten die zur Stromrechnung hinzukämen. Aber auch Themen wie geplante Autobahnen, Verschmutzung der Innenstädte, vor allem in Amsterdam, und die „Verstopfung“ der Straßen und Autobahnen gehörten zu den Themen der Umweltbewegungen in den Niederlanden.

Das Umweltbewusstsein kam in den Niederlanden und in Deutschland erst in den 70er-Jahren auf. Die Gesellschaft setzte sich in dieser Zeit besonders für Umweltfragen ein. Bis heute sind Organisationen, zum Beispiel die internationale Umweltschutzorganisation Greenpeace, die in beiden Ländern Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre aufkam, aktiv. Trotz vieler Parallelen in beiden Ländern ist ein deutlicher Unterschied in der Politik zu finden. Standen in den Niederlanden Parteien wie die PvdA, D66, PPR und PSP den Umweltbewegungen eher aufgeschlossen entgegen, traf dies in Deutschland weniger zu und Parteien wie die Grünen entstanden.


Autor:Steffen Freitag
Erstellt:
März 2011