XI. Überströmungssichere Städte bauen

In den nächsten 40 Jahren werden die Deiche in den Niederlanden an die neuen Normen angepasst. Doch was kommt danach? Wie hält man eine Norm, die auch mit den Werten hinter dem Deich rechnet, aktuell? Was passiert, wenn die Städte wachsen? Auch an diesen Fragen wird im Rahmen des Delta-Programms gearbeitet. Natürlich wird man nicht aufhören, in Überströmungsgefährdeten Gebieten zu bauen. Ziel ist es, dass man ab 2020 in allen künftigen großen Bauprojekten zumindest darüber nachdenkt, wo man was baut, und sich der Überflutungsgefahr bewusst ist. Manchmal können die Folgen einer Überflutung oft schon durch relativ günstige bautechnische Maßnahmen erheblich reduziert werden. Eine Sandschicht von 40 cm kann oft schon ausreichen, um zu verhindern, dass ein neues Wohngebiet bei einem Deichdurchbruch überflutet. Der Notaggregat im Keller des Krankenhauses ist nicht klug, ein Fenster im Dach kann Leben retten.

In einem Land, welches durch Überströmungen gefährdet ist, erscheint es dem Ausländer selbstverständlich, über das noch so unwahrscheinliche „wenn“ einer Überflutung nachzudenken. In den Niederlanden ist jedoch das Bewusstsein dieser Gefahr nahezu verschwunden. Der Niederländer vertrauen darauf, dass „Waterschappen“ und „Rijkswaterstaat“ verhindern, dass es zu einer Überströmung kommt. Folglich wird auch in der Raum- und Städteplanung die Gefahr einer Überströmung fast völlig negiert. Nur in Gebieten außerhalb der Deiche, die in den Flussauen liegen, ist man sich noch der Überflutungsgefahr bewusst. Das sind meist Industriegelände oder neue Wohngebiete, die in ehemaligen Hafengebieten entwickelt wurden.

„De kop van zuid “ in Rotterdam ist hierfür ein typisches Beispiel. Diese Flächen wurden aufgeschüttet. Heute zeigt sich jedoch, dass diese kaum 20 Jahre alten Wohngebiete ohne besondere Maßnahmen, den Anforderungen des Klimawandels wahrscheinlich nicht gewachsen sind. Bei großen jüngeren städtebaulichen Projekten wie etwa IJburg wurde der mögliche Klimawandel bereits in die Planung miteinbezogen. Bei der Planung dieses neuen Stadtteils von Amsterdam, der auf einer künstlichen Insel im IJmeer entwickelt wird, wurde damit gerechnet, das der künstlich regulierte Pegel des IJmeeres eventuell mit dem Meeresspiegel ansteigen muss. Darum wurde das Gebiet 2 m über NAP angelegt, und wurde ein Trasse vorgesehen, um den Deich rund um die Insel eventuell verstärken zu können.

Autorin: Dagmar Keim
Erstellt: Mai 2014